Geheimsache „Ryanair-Flugsteig“

Fraport verhandelt hinter dem Rücken der Oeffentlichkeit schon seit Monaten mit der Fluglinie Ryanair über die Schaffung einer Basis im Süden des Flughafens. Dafür soll der erste Bauabschnitt des Terminal 3 umgeplant und zeitlich vorgezogen werden. Betriebsaufnahme soll 2019 sein. Diese Pläne wurden der Zeitung „Bild am Sonntag“ zugespielt. Das Blatt enthüllte auch, dass die Pläne dem Aufsichtsrat „alternativlos“ vorgelegt wurden.

Fraports Problem ist dann doch wieder die Politik. Das Wirtschaftsministerium müsste Planänderungen genehmigen, die mit dem Planfeststellungsbeschluss schwer zu vereinbaren sind. Das Terminal 3 wurde für den Hub-Verkehr, nicht für den Punkt-Ziel-Billigflugverkehr genehmigt („Erhalt der Bedeutung Frankfurts als Drehkreuz“)

Ryanair möchte seine Flugzeuge so nahe an den Gebäuden parken, dass sie fussläufig oder mit kurzem Bus-Shuttle von der neuen Abfertigungsanlage aus erreichbar sind . Der Planfeststellungsbeschluss sieht allerdings zwingend den -langwierigen- Bau von Fluggastbrücken vor.

Ein weiteres Problem ist die verkehrliche Erschliessung des unter dem Arbeitstitel „Ryanair-Flugsteig“ laufenden Projekts. Bereits 2006 gab es ein Interims-Terminal für Sonderverkehre zur Fussball-Weltmeisterschaft am gleichen Platz, als die Anlagen der Amerikaner noch standen.
Damals wurden die Passagiere mit Bussen zum Terminal beziehungsweise direkt zur Autobahn gefahren.

Das dürfte auch diesmal wieder so sein, und zwar unter laufendem Baubetrieb. Ueberhaupt ist die verkehrliche Anbindung des Terminal 3 eine Achillesferse des Projekts.Weniger interne Umsteiger ( der Hub-Verkehr dürfte im Terminal 1 verbleiben) bedeutet mehr Ziel- und Quellverkehr vom und zum Flugsteig. Dafür ist die Verkehrsplanung des Terminal 3 nicht im mindesten ausgelegt.

Der neue Flugsteig „G“, der allein Billigfliegern vorbehalten ist, soll nach den Informationen der Bild-Zeitung zunächst acht, in der zweiten Baustufe 12 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen können. Das bedeutet natürlich, dass die Passagiere „auf den Punkt“ anreisen müssen.

Das Wirtschaftsministerium darf die Pläne, die zum Nachteil der Region, der Umwelt und letztlich auch des Flughafens sind, nicht genehmigen !

Für uns AusbaugegnerInnen heisst es, endlich politisch in die Puschen zu kommen und die Pläne offensiv zu bekämpfen. „Billigflug“muss oben auf die Agenda. Druck muss auch auf die Grünen in Wiesbaden ausgeübt werden. Das geht am besten mit der Sprache, die die Grünen verstehen: Gewaltfreie direkte Aktionen. Denn mit solchen sind sie selbst einst gross geworden.

Den Grünen als dem schwächeren Part der Landeskoalition dürfte es schwer fallen inhaltlich für Billigflug zu argumentieren. Wo sie doch ständig eine „Weg vom Oel“-Politik propagieren. Zum Bundestagswahlkampf wollen sie die Oekologie („davon verstehen wir was“) zum Hauptthema machen. Da helfen wir gerne mit.

Mit der Entscheidung pro Ryanair steht auch Fraports Kurswechsel vom vergangenen Jahr, die Detailplanung für das Terminal auf den Prüfstand zu stellen und nur Einzelgewerke zu vergeben, in einem neuen Licht: Die Billigflug-Planungen dürften von langer Hand vorbereitet sein.

Für Fraport wird die Zeit knapp, mit der Klimakiller-Firma Ryanair im Rücken. Der Treburer Wald ist jetzt unmittelbar bedroht. Er ist aber auch der Ort, wo wir am effektivsten protestieren können . Und aufzeigen können, wofür und wogegen wir stehen.

Wer glaubt, dass dort nur eine Baustrasse errichtet wird, dürfte falsch liegen. Hier kommt ein Verteiler mit Strassen- und Schienenanbindung ins „Hinterland“ hin.

Gegen das Billigflug- und Luxusflug-Terminal 3 ! Für den sofortigen Stopp der Bauarbeiten – Für Klimaschutz von unten !


1 Antwort auf “Geheimsache „Ryanair-Flugsteig“”


  1. 1 vega -lounge 05. April 2017 um 12:41 Uhr

    Alarmieren sollten die Ryanair-Pläne auch alle AnwohnerInnen im Süden des Airports, an denen die „Atlanta-Pläne“ vor 15 Jahren vorbeigegangen sind.
    Mir dem neuen Terminal wäre eine Stillegung der Startbahn West zugunsten einer weiteren Südbahn betriebstechnisch sinnvoll. Gerade weil die Billigflieger lange Rollwege scheunen.

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