Das traurige Geschacher um Air Berlin

Air Berlin war einmal die zweitgrösste Fluggesellschaft Deutschlands. Im Niedergang hielt man sich über Allianzen zur Nutzung des sogenannten Code-sharings, das arabischen Airlines den Zugang zum europäischen Luftverkehrsmarkt ermöglichte , über Wasser. Und mit Dienstleistungen an andere Airlines – Maschinen und Crews wurden an konkurrierende Airlines vermietet.

Jetzt soll Air Berlin unter eben diesen Konkurrenten aufgeteilt werden. das sind in Europa insbesondere Easyjet, Lufthansa mit German/Eurowings , Thomas Cook/Condor sowie Wizz und Ryanair.

Anfang der Woche gab es einen kleinen, aber wirksamen Aufstand bei Teilen der Kernbelegschaft. Etwa 150 Pilotinnen und Piloten meldeten sich spontan krank. Organisiert wurde das in Eigenregie über „soziale Netzwerke“, etwa über geschlossene Whats-App Gruppen.
Air Berlin steht in Insolvenz in Eigenverwaltung, das heisst, dass die Geschäftsführung erst einmal im Amt bleibt. Diese hatte sich geweigert, über einen Sozialplan zu verhandeln. Diesen forderten zahlreiche Piloten, weil sie befürchten, dass bei einer Insolvenz diejenigen Piloten die schlechtesten Uebernahmechancen haben, die für das neue Unternehmen zu unattraktiv oder zu teuer wären. Diese seien aber keine „Altlasten“ sondern bräuchten Schutz über einen Sozialplan.

Aus der Politik gab Ermahnungen und Drohungen gegenüber die Belegschafts-Aktiven. „Sozi“ Andrea Nahles stellte sich auf die Verdi-Position: „Das Verhalten der Piloten ist hochgradig unsolidarisch“. Michael Fuchs von der CDU: „Ich befürworte harte Konsequenzen für die Piloten“ und: „Sollte ein solches verhalten künftig häufiger auftreten, muss sich der gesetzgeber Gedanken machen, wie wir unseren Standort besser vor wilden Streiks schützen können.“Aber die Piloten haben auch heimliche Unterstützung. Vielen im Unternehmen stinkt es, dass zwar die Oeffentlichkeit derzeit Air Berlin finanziert und mit Steuergeld rettet, aber die Belegschaft erkennen müsse, dass die Verkaufsverhandlungen einem Plan folgten, an dem sie nicht im mindesten einbezogen ist. Das mache den Eindruck, dass über die Ungewissheit hier gezielt Existenzängste geschürt werden sollten um die MitarbeiterInnen und Mitarbeiter zur Verfügungsmasse zu machen. Unter diesen Bedingungen könne niemand gut und sicher arbeiten.

Fest steht wohl, dass es vor allem die Frachtsparte und die für Billigflug und Urlaubsverkehr brauchbaren Teile des Unternehmen sind, an denen Kaufinteresse besteht. Also schlechte Karten sowohl für die Hauptverwaltung als auch für das ehemalige Aushängeschild der Linie, die Langstrecke.

Im Geschacher kommt jetzt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Das massgeblich von CDU und FDP getragene Volksbegehren „Tegel bleibt“. Das Ergebnis der Uebernahmeverhandlungen soll jetzt erst nach dem (politisch nicht bindenden) Volksentscheid verkündet werden. Zuletzt war die Zustimmung zu der Zielforderung, Tegel auch nach Eröffnung des BER offen zu halten, laut Umfragen stark gesunken . Das Areal solle besser für die Stadtentwicklung genutzt werden. Vor allem die Billigairlines sind jedoch scharf auf den Flughafen und könnten ihre Uebernahmeabsicht mit der Offenhaltung verknüpfen. So soll auch Druck ausgeübt werden, eine Pro-Tegel-Abstimmung sichere Arbeitsplätze bei Air Berlin.

Der Flughafen Frankfurt hat in den letzten Jahren von der desaströsen Luftverkehrspolitik in Berlin profitiert. So viel, dass es sogar Verschwörungstheorien gab, der hessische Interims-Troubleshooter Horst Amann sabotiere Berlin im Auftrag von Frankfurt. Nun, inzwischen ist der bei der Planungsgesellschaft „Regionaltangente West“ in Rhein Main rückgelandet. Die ist auch so ein Projekt zur Schaffung blühender Flughafenlandschaften……
Kein Ausbau- weder hier noch in Berlin !


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