Feindbild: Wohlhabende Vielflieger

„Plane Stupid“ , ist die bekannteste aktionistische flughafenkritische Organisation weltweit. Der Name -ein Wortspiel- bedeutet sowohl „rundum dumm“ als auch „blödes Flugzeug“.
Gegenwärtig ist es um Plane Stupid -wie bei einer aktionsbezogenen Organisation nicht unüblich- ruhiger geworden. Schliesslich ist Plane Stupid ja als aktivistischer Arm der kommunalen Abwehrfront gegen die dritte Startbahn in London-Heathrow gross geworden. Und dieser Ausbau steckt gegenwärtig -wieder mal- in einer politischen Warteschleife.
Allerdings hat Plane Stupid ein Statement veröffentlicht – „Die reichen Vielflieger sind es, die das ständige Flugwachstum verursachen und warum es Zeit ist, etwas dagegen zu unternehmen“, in dem sie eine Bilanz aus den ersten 15 Jahren ihrer Arbeit zieht.

Der Originaltext ist auf der britischen Plane-Stupid Seite nachzulesen.

„Die Luftverkehrsindustrie gaukelt eine schöne heile Welt des Fliegens vor, was zum Ziel hat, unangenehme Realitäten zu verschleiern – in der Hoffnung, dass wir nicht darauf kommen , darüber nachzudenken.“

Mit solchen aufklärerischen Sätzen appelliert Plane Stupid – unterstützt durch spektakuläre Aktionen- an die Oeffentlichkeit.

Das Schlimme an dem massiven Flugwachstum sei, dass es sowohl die soziale Ungleichheit verschärfe als auch die Klimazerstörung fördere – beides zusammen eine explosive Kombination.

Das Missverhältnis zwischen der Problemlage und dem aktuellen Handeln der Politiker sei die Triebfeder für das Handeln von Plane Stupid. Die Verflechtung von Luftfahrtsindustrie und Politik habe dazu geführt, dass die Luftfahrt -neben der Seefahrt- von den Pariser Klimazielen ausgenommen worden sei.
Es ginge nicht darum – wie Plane Stupid immer wieder vorgeworfen wird – Menschen, die einmal im Jahr oder noch weniger flögen, ein schlechtes Gewissen zu machen. Vielmehr wolle man aufzeigen, dass die „Flying trends“ also die Entwicklung des Mobilitätsverhaltens in der Luft, ihre Dynamik aus den gesellschaftlichen Macht- und Besitzverhältnissen bezögen.

Untersuchungen zeigten, dass die Hälfte der Menschen im United Kingdom überhaupt nicht fliegen, ein Drittel unternehme 1-2 Flüge im Jahr. Nur 15 Prozent der Bevölkerung seien für 70 Prozent der Flüge verantwortlich, und die allermeisten davon seien Freizeit- und Lustflüge.

Diese Gruppe habe ein Durchschnittseinkommen von 115.000 Pfund im Jahr und profitiere unmittelbar von den sinkenden Flugpreisen der letzten Jahrzehnte.

Diese Verteilung der Flughäufigkeit sei ein frappierendes Abbild der globalen Verteilung von Macht, Wohlstand und dem Zugang zu den Ressourcen.

Studien gingen inzwischen von 150.000 bis 400.000 Klimaopfern jährlich aus, die meisten davon südlich der Sahara.
Der Zugang zum Fliegen sei auch extrem asymetrisch angelegt.
Während die wohlhabende Welt komplette Reisefreiheit für sich einfordere, sei diese für die Armen massiv eingeschränkt. Für die Armen würde das Flugzeug bestenfalls als Mittel der Abschiebung eingesetzt.
Der Flughafenprotest müsse deshalb auch die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge einbeziehen. Und weil die Luftfahrtindustrie global organisiert sei, müsse er auch eine global angelegte Aktivität sein, wolle er Erfolg haben.

Für Frankfurt ist in diesem Zusammenhang interessant, dass Billigflug – der sich hier vor Ort bislang fast nur am Flugsteig C bei Condor anspielte – solonfähig gemacht werden soll und ihm ein neues Terminal gebaut wird. Das wohlhabende Rhein Main Gebiet und sein Einzugsgebiet soll direkten , bequemen Zugang zum Billigflug bekommen.
Verbunden ist dies mit verstärkter sozialer Teilung, denn billig fliegen schafft keinen Wohlstand für die, welche dieses Produkt erzeugen. Ebenso werden diejenigen, die das Pech haben, im Schatten der Flughafenlandschaft leben zu müssen, systematisch an den Rand gedrängt. Schön und griffig formuliert wurde dies bei der Rede von Obeliks im bei der Montagsdemo vor zwei Wochen.

Deshalb helfen Wahlprüfsteine für PolitikerInnen nicht viel, solange sie nicht erklären, an diesen Verhältnissen etwas ändern zu wollen. Wer erklärt, dies im Parlament nicht zu können, muss ohnehin als Konsequenz den dornenvollen Weg zu Organisationen wie Plane Stupid nehmen…..


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