Kronberg : Ein kleiner Teil-Erfolg

Im Januar wurde auf diesem Blog über die Fällung mehrerer markanter Bäume am Schillerweiher in Kronberg berichtet. Sie mussten einem Immobilienprojekt eines Oberurseler Projektentwicklers weichen. Darunter waren auch zwei mehr als 320 Jahre alte Edelkastanien. Jetzt konnnte in einer Privatinitiative wenigstens der Stock einer der Kastanien vor dem Zerschreddern gerettet werden.

Dort, wo ein grosszügig dimensionierter Kammermusiksaal ( das Wort ist eigentlich schon ein Widerspruch in sich…) entstehen soll, wurde am Donnerstag ein tiefer Graben um den Stumpf ausgehoben – unterstützt durch die Baufirma, die auf dem Gelände arbeitet.
Anschliessend musste der mehr als fünf Tonnen schwere Strunk in mehrere Teile zerlegt werden, um ihn transportfähig zu machen – ein Teilerfolg eben. Eine Bergung am Stück wäre nur mit Tieflader und Autokran möglich gewesen, was die finanziellen Möglichkeiten der Baum-GönnerInnen weit überstiegen hätte. So gibt es nur ein Spendenziel im niedrigeren vierstelligen Bereich.

Die Wurzelteile werden auf einem -der Oeffentlichkeit bedingt zugänglichen Privatgelände – eingegraben und wieder zusammengesetzt. Sie werden dort -wie auch beim Bergungsvorgang – gärtnerisch betreut. So besteht eine gewisse Hoffnung, dass die Feinwurzeln anwachsen und der Baum erneut austreibt.

Keine Unterstützung kam konsequenterweise von der Stadt Kronberg, welche den Baum als wertlos bezeichnet hatte und an einem Erfolg der Aktion dementsprechend desinteressiert war. So war es auch nicht möglich, einen öffentlichen Platz für den Stumpf zu bekommen. Bei der Stadt Kronberg hiess es, man wolle einen „Mahnmal-Charakter“ , verbunden mit einer Pilgerstätte für AbholzgegnerInnen, vermeiden.

Nach dem Baubeginn für das Musikzentrum und das Grosshotel rücken die angrenzenden Schillergärten in den Fokus. Auf der einzigartigen verwilderten Streuobstwiese direkt über dem Bahnhofsgelände soll eine Luxuswohnanlage mit „Stadtvillen“ entstehen. Das Projekt ist umstritten und fand zuletzt in den Ausschüssen des Stadtparlaments nur noch eine hauchdünne Mehrheit.

Kronberg hat früher von den Obstbäumen -hauptsächlich von Apfelbäumen, aber auch die Esskastanienbäume zählen zu den Obstbäumen-, gelebt. So darf mensch gespannt sein, ob das -wieder mal- reich gewordene Städtchen heute wenigstens mit den Bäumen zu leben gewillt ist.


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