Köln: Proteste gegen Alleebaumfällung

Was in Berlin das Kiez ist, heisst in Köln „Veddel“. Im Kölner Süden sollen die Viertel Raderberg und Bayenthal nachverdichtet werden. Südlich der Kölner Kernstadt soll zudem ein schmaler, parkähnlicher Grüngürtel angelegt und auf Bahn- und Industriebrachen ein neues Quartier entwickelt werden. Erschlossen werden soll dies alles durch eine Verlängerung der Nord-Süd- Stadtbahn. Für deren Bau sollen ca. 300 Bäume weichen. Deren Fällung sollte am Donnerstag, den 19.10. beginnen. Das klappte nicht wie von der Stadtverwaltung geplant.

Gegen die Baumfällungen wehren sich etwa 10 Initiativen – aber aus durchaus unterschiedlichen Motiven.
Protestführerin ist die Initiative NaBiS (Natur, Bildung und Soziales) welche sich als eine Art zivilgesellschaftliche Korrektur-Initiative zur städtischen Politik begreift. Politische Unterstützung hat sie in manchen Politikfeldern bei den freien Wählern.

Das ist eine merkwürdige Allianz, die sich in dieser Zusammensetzung inzwischen aber häufiger findet. Konservative Freie Wähler und progressive Aktivistis bilden Zweckbündnisse.

Die Freien Wähler werfen der Stadtpolitik vor, autofeindlich zu sein und durch gezielte Parkplatzverknappung die Auto-Mobilität in Raderberg einschränken zu wollen. Sie wenden sich auch aus diesem Grund gegen den Umbau der Bonner Strasse, einer klassischen Einfallstrasse in die Innenstadt. Die Bäume stören den breiten Verkehrsfluss nicht, und damit auch nicht die freien Wähler.

Für die aktuellen Planungen müsste der Verkehrsraum aufgeweitet werden, um die zweigleisige Stadtbahn , zwei verengte Fahrspuren und den Radverkehr unterbringen zu können. Dabei sind die Alleebäume -über eine Länge von zwei Kilometern- allerdings im Weg.
Es sollen Ersatzbäume kommen und man verspricht sich von Rasengleis über mehrere Kilometer „positive Auswirkungen auf das Stadtklima“.
Tatsächlich soll die Massnahme dazu dienen, die Verkehrsqualität zu heben – aber aus öko-sozialer Sicht bringt die Attraktivitätssteigerung der „Bestandsbevölkerung“ wenig oder gar nichts. Die Massnahme ist Teil eines Masterplans des kürzlich verstorbenen Architekten Albert Speer, der einen neuen Stadtteil vorsieht, welcher sich um die vorhandenen Viertel legt.

Fokus der Auseinandersetzungen ist die Kreuzung Bonner Strasse/ Schönhauser Strasse. Hier soll für den Stadtbahnbau der Kreuzungsbereich verlegt werden, zahlreiche Bäume sollen weg und drei Häuser abgerissen werden- darunter ein klassisches repräsentatives Landstrassen-Eckhaus aus der Postkutschenzeit, die 15o Jahre alte Villa Lenders.

Am Donnerstag demonstrierten hier über 100 Menschen ab dem frühen Morgen gegen die geplanten Fällungen. Die Polizei schritt zunächst nicht ein, auch nicht als u.a. Hambi-Aktivistinnen Bäume erkletterten und Baumaschinen besetzt wurden.
Eine aus Mönchengladbach eilig nachgeforderte Polizei- Hundertschaft wurde zunächst nicht aktiv, da die Politik hoffte, dass sich die Aktion zum Abend hin selbst auflösen würde.
Das war nicht der Fall. Am Freitagmorgen wurde dann geräumt, es gab vier vorläufige Festnahmen. Es wurden an diesem Tag aber erst maximal fünf der ca. 300 Bäume gefällt.
Um dem Widerstand zu begegnen passierte dann etwas, was im katholischen Köln eigentlich nicht wirklich geht: Die zweite Stufe der Fällung wurde für den frühen Sonntagmorgen angesetzt. Mit einer Polizeihundertschaft, aber ohne aktive Hambi-DemonstrantInnen. Etwa zehn AnwohnerInnen konnten nur ohnmächtig zusehen. Inzwischen war man dazu übergegangen, die jeweils betroffenen kurzfristig Fällbereiche einzuzäunen.

Die Fällungen sollten am heutigen Montag fortgesetzt werden.


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