Sehring Rodung 17 Tag 2

Ein wenig Hoffnung war da, morgens in den Wald zu kommen und die Sägen schweigen. Schliesslich war für Montagabend noch mir einem „Hängebeschluss“ aus Kassel gerechnet worden, der günstigstenfalls eine Rodung bis zum Urteil in der Sache aussetzen würde…..

Dem war aber nicht so. das übliche „Industriegeräusch“ der Harvester und das unregelmässige Heulen der „händischen“ Sägen empfängt den Waldbesucher.

Ersteinmal gibt es ein Hallo – es ist die selbe Firma wie vor zwei Jahren, man kennt sich. Um meine Sachen brauche ich mir jedenfalls keine Gedanken zu machen, solange die Sehring Leute noch nicht auf dem Plan sind.
Ein bis zwei Harvester, zwei Rückemaschinen und zwei Handsägenkommandos sind aktiv und sägen was das Zeug hält. Bis zu einem möglichen Urteil aus Kassel soll möglichst viel Fläche gemacht werden.

Die Demo fällt sehr bescheiden aus. Um „fünf vor zwölf“ sind wir zu zweit und werden auch nicht mehr mehr. Immerhin, die Leute vom Aktionsbündnis Langener Bannwald sind involviert.
Ich schlüpfe in einPappmacheekostüm Marke „einsamer trauriger Baum“ und halte ein Schild hoch „Don`t kies me“. Oder wahlweise ein Blaues mit Aufschrift „Priska hilf“.

Auch im Plakate-Angebot:
Hinz & Kunz
schätzen & schützen
Wald & Klima
und Du, Priska ?

Auch wenn wir eine überregional verbreitete Presseerklärung raushauen haben, das Thema schafft es nicht so richtig aus dem lokalen Dunstkreis heraus, und damit auch (noch) nicht, zum Landespolitikum zu werden. Einige Hoffnungen ruhen da auf Janine Wissler, die im Land Politik macht, aber eine lokale Langener Pflanze ist.

Bei einigen Gesprächen wundern sich auch Forstleute, warum die Grünen mit Brigitte Lindscheid und vor allem durch deren Anweiserin, Priska Hinz, nicht mehr von ihren Ermessensspielräumen Gebrauch machen. Die Antwort geben sie gleich mit: “ Da geht es um ziemlich viel Geld, und der Sehring nagt ja schon an seiner Abbruchkante “.

Wenn in Frankfurt manche auf Koks sind, sind sie in Langen immerhin auf Kies.

Ein paar wenige Hundegassigeherinnen und Jogger kommen vorbei und drehen schnell ab.
Der Blick fällt in das Kiesloch mit seinem Schwimmbagger, und am Rand fallen die Bäume. Die an der Kante werden mit einem Seiil umgezogen, damit sie bloss nicht in die Grube fallen.

Dann kommt einer der Holzfäller und zieht ein Absperrband über die Brunnenschneise. Jetzt geht es also auch an der Ecke zur Mitteldicker Allee los. Bremsen qietschen, und ein Radfahrer steht vor der Absperrung. Er schimpft, dass er hier nicht durchkommt und realisiert erst mal gar nicht warum und wieso.
Dass er hier bald gar nicht mehr fahren kann, ist ihm überhaupt nicht bewusst.

Ziemlich frustrierend, hier zu stehen und fast keiner kommt. Dann kommt doch wer – und ausgerechnet der Betriebsleiter der Firma Sehring ist es, der einem die Bestätigung gibt, doch an der richtigen Stelle zu sein.
So wie er sich ärgert.
Die Plakate müssen alle runter vom Zaun denn das ist unser Zaun.

Wenn es nichts anderes ist, gerne. Dann kommen die halt an die Bäume. Unsere Bäume.

Nachmittags verlangsamt sich das Räum- und Fälltempo deutlich. Gibt es doch einen Rodungsstopp ? Mitnichten, im Gegenteil . das Gericht hat entschieden, keinen „Hängebeschluss“ zu erlassen. Bis die Sache zum Aufruf kommt, ist der Wald sicher weg. Es fehlt auch schon über ein Drittel. Und jetzt, wo sie „grünes“ Dauerlicht haben, brauchen die Holzfäller auch nicht mehr zu hetzen.

Mit der Dämmerung kommt der Feierabend. Morgen geht es weiter.


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