Waldbesetzung freut sich über die Verhinderung des Grossflughafen Nantes in Frankreich

Im Waldcamp ist es momentan ziemlich feucht, aber dafür auch ebenso alkoholfrei. Am Sonntag waren wieder über 100 Leute bei Kaffee, Gesundheitstee und Haferdrink draussen, Darunter waren erfreulich viele AnwohnerInnen aus dem Nachbarort Zeppelinheim,aber auch die Frankfurter OB-Kandidatin Janine Wissler war da.
Ganz unüblich brachte die Gruppe Sonntagsspaziergang, die sich immer noch an der Startbahn West trifft, trockenen Sekt mit. Aus gutem Grund. Anlass war die Absage des Flughafenprojekts „Grand Quest“ in Notre Dame des Landes bei Nantes durch die französische Regierung.

Die Regierung hat verkündet, dass nun alternativ der Bestands-Stadtflughafen „Atlantique“ Nantes und der Flughafen in Rennes ausgebaut werden sollen, ebenso der öffentliche Nah- und Fernverkehr. Der Flughafen Nantes hatte zuletzt 5,5 Millionen Passagiere im Jahr.

Seit fünfzig Jahren gibt es Widerstand gegen die Pläne eines neuen , gigantischen Flughafens in der Bretagne, zwei TGV-Stunden westlich von Paris.
Jetzt hatte er letzten Endes Erfolg. Offiziell wurde die Aufgabe damit begründet, das Kosten Nutzen-Verhältnis sei nicht mehr günstig.
Das Bündnis der AusbaugegnerInnen sprach von einem „historischen Sieg gegen ein destruktives Entwicklungsprojekt“ der nur durch eine lange kämpfende Bewegung –“so engagiert wie verschieden“ möglich wurde. In Notre Dame des Landes kämpft eine militant-kreative Umweltbewegung an der Seite von Bäuerinnen und Bauern, die sich ihrer Enteignung widersetzen.

Das Gelände für den Flughafen wurde vor einigen Jahren besetzt und – das ist sehr ungewöhnlich – gegen mehrere paramilitärisch vorgetragene Räumungsversuche der Staatsmacht gehalten.
In Frankreich gibt es etwa 10 ZADs, „zu verteidigende Zonen“ sprich: Flächenbesetzungen. Die bei Nantes ist mit ihren 300 BewohnerInnen die bekannteste und grösste.

Die BesetzerInnen liessen es sich nicht nehmen, aus Anlass der Aufgabe des Projekts eine Solidaritätsbotschaft an „andere Kämpfe gegen zerstörerische Grossprojekte und für die Verteidigung bedrohter Gebiete“ zu richten.

Nun käme es darauf an, den Bestand der „ZAD“ als einzigartigen Freiraum in unabhängiger Trägerschaft für soziale, ökologische und landwirtschaftliche Experimente zu sichern.
Man fordere eine Rückgängigmachung der Enteignungen und eine Bleibegarantie für die WaldbesetzerInnen, welche dort weiter leben und sich um ihren Wald kümmern wollten.

Diese Forderungen bestehen nicht ohne Grund. Manche fürchten, dass nach dem Erreichen des politischen Oberziels eine Auseinanderdividierung und eine Räumung durch die Behörden von Nantes droht. Die Pläne, dort ein Industriegebiet oder gar eine „neue Stadt“ zu errichten, sind nicht aufgegeben.

So wird es am 10.2. eine Art Siegesfest geben, das gleichzeitig der Auftakt für eine neue Phase der ZAD sein soll.

Der Erfolg des zähen und opfervollen Widerstandes auf der ZAD macht auch uns Mut, mit langem Atem weiter gegen den zerstörerischen Flughafenausbau zu kämpfen. Eine kleine Feierstunde mit Schampus oder Leitungswasser tat dabei sehr gut!


1 Antwort auf “Waldbesetzung freut sich über die Verhinderung des Grossflughafen Nantes in Frankreich”


  1. 1 vega-lounge 23. Januar 2018 um 12:09 Uhr

    An dieser Stelle auch ein Dank an das SprecherInnenteam des Bündnisses der Bürgerinitiativen, das vollzählig in den Wald gekommen war um seine Unterstützung auszudrücken. Und in einer Familie waren auch Vertreter der nächsten Generation dabei… :-)

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