Neu Isenburg: Wald soll für Flughafenparkplatz fallen

Das Flughafeninfrastrukturprojekt „Regionaltangente West“, welches Dreieich, Eschborn und Höchst umsteigefrei auf der Schiene mit dem Flughafen-Regionalbahnhof verbinden soll, geht in die „heisse Planungsphase“ . Teilweise konsumiert die Trasse auch Waldflächen. Und da sie in Neu Isenburg auf der Bahnhofs-Westseite auch die Fläche eines Parkplatzes beansprucht, soll für dessen Neuanlage angrenzender Wald gerodet werden.

Wer hat Interesse an der RTW? Das ist insbesondere die Fraport, welche für weiteres Passagierwachstum auf den Zubringer Schiene setzt. Die Stadt Frankfurt möchte mit der geplanten Tangentialverbindung, welche langfristig den Charakter eines Aussenrings annehmen könnte, Verkehr zum Flughafen aus der Stadt heraushalten. Vor allem der S-Bahn-Tunnel soll entlastet werden. Und man hat ein Interesse, dass die Leute ausserhalb parken und dann mit dem OePNV in die Stadt fahren. Das gilt auch für die Commerzbank-Arena, die mit einem neuen Haltepunkt angeschlossen wird.

Neu-Isenburg hat sich in den letzten Jahren, ähnlich wie Buchschlag, zu einem Umsteigepunkt aus dem Süden und Osten zum Flughafen entwickelt. Und zu dessem Satelliten. Immer mehr flughafenaffines Gewerbe -und Publikum- siedelt sich neu an und verdrängt gewachsene Strukturen. Der flughafenfreundliche Rhein Main Verkehrsverbund hat die Verbindung zum Flughafen und weiter zum Firmensitz in Hofheim zur „Schnellbuslinie“ aufgewertet. Die Anfahrt zum Flughafen ist durch die Sondertarifzone „5090″ für PendlerInnen stark vergünstigt.

Der Parkplatz am Isenburger Bahnhof wird gerne von Flughafen-Dauerparkern genutzt, welche die hohen Parkgebühren am Flughafen umgehen wollen und hier kostenlos parken. Entsprechende Tipps kursieren im Internet („am Flughafen umsonst parken“). Schon heute ist der Parkplatz massiv überlastet, die Autos stehen teilweise auf den angrenzenden Zufahrten und Waldwegen.

Im Edelwohngebiet Buchschlag besteht massiver Parkdruck in den Seitenstrassen mit entsprechendem Ziel- und Quellverkehr, durch die Angebotsausweitung der S-Bahn inzwischen auch tief in der Nacht. Die Bodenpreise sind trotzdem durch die attraktive Nahverkehrsanbindung bei wenig Fluglärm stark angestiegen. Auf zahlreichen Flächen werden Einfamilienhäusschen durch „Schuhkartons“ mit vier bis sechs Wohneinheiten ersetzt. Für den neuen Bahnsteig sollen mehrere 100 Jahre alte Bäume gefällt werden. Noch grösser ist der Grünverlust allerdings in Neu-Isenburg durch die Ausschleifung des Abzweiges im Planungsabschnitt B. Man plane aber „minimalinvasiv“ und werde den Waldverlust gemäss der planerischen Vorgaben „vollständig kompensieren“.

Der Chef der RTW-Planungsgesellschaft Horst Amann (bekannt als Bauleiter der Nordwestbahn) erklärte auf einer Info-Veranstaltung, „wir alle wollten ja immer mehr mobil sein, weil der Wunsch nach Mobilität in der Natur des Menschen läge“. Für mögliche Parkplatzprobleme, die durch das neue Angebot entstünden, sei man aber nicht zuständig, sondern die Kommunen. Dieses Statement ärgerte einige betroffene AnwohnerInnen.

Im übrigen betonte Amann, man müsse sich auf veränderte Verkehrsströme durch den Einstieg von Frankfurt in das Low-Cost-Flugsegment einstellen.

Immer wieder wurde betont, man sei für die optimale Planung zuständig – die Vorgaben liefere die Politik. Leider unterstützen die Grünen und Teile der Naturschutzverbände die „Regionaltangente West“. Sie sehen es als Erfolg, wenn mehr Bahn und Bus gefahren wird. Dass dies nur als Zubringer zum Fliegen und zur Verwandlung der Region in eine Flughafenlandschaft dient, blenden sie aus.


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