Bericht von der Info-Veranstaltung zum Bannwald in Langen- Ausblick auf die Demo am 17.3.

Voll besetzt war den Clubraum in der Stadthalle in Langen bei der Info-Veranstaltung zur Zukunft des Bannwaldes. Dies war schon einmal ein schöner Erfolg für das Bündnis Bannwald. Der war auch mehr als nötig. In den Vortagen hatte es enorme Turbulenzen um das Bündnis gegeben.

Nach dem juristischen Einschüchterungsversuch von Sehring, zwei Passagen in dem Flugblatt zu der Veranstaltung als Falschtatsache ultimativ zurückzunehmen, musste erst um eine gemeinsame Linie gerungen werden – vier Personen bzw. Organisationen hatten diese Aufforderung erhalten.
Nach eingehender juristischer Prüfung und politischer Abwägung kamen die Langener Grünen zu der Einschätzung, dass Sehring die Passagen zu Unrecht beanstande. Deshalb wurden die Passagen auf der Website wieder aufgenommen. Man erwarte von Sehring, dass er sich der Auseinandersetzung argumentativ und inhaltlich stelle. Dazu biete sich ja die Diskussionsrunde auf der Veranstaltung am Montag an.

Nun, Sehring ist auf der Diskussionsveranstaltung nicht offen oder offiziell aufgetreten – womöglich aus der Ueberlegung, diese damit nicht aufwerten zu wollen.
Nach der Begrüssung durch die Veranstaltungsleitung gab es erst einmal drei thematische Beiträge .

Den Auftakt machte ein „Impuls-Film“, welcher den Verlust an Natur, die Baumfällung und Auskiesung und die meist vergebliche Renaturierung thematisierte. Die Zahl und Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sei mit der Rodung durch Sehring langfristig rückläufig, und die Arten, die auf intakten Hochwald angewiesen seien, würden hier völlig verdrängt. Der Wald brauche uns nicht, aber wir bräuchten für ein gutesKlima den Wald.

Anschliessend gab es ein Referat von Sabine Schwobel-Lehmann. Sie kommt von der Bürgerinitiative Schaafheim. Das liegt an der hessisch-bayerischen Grenze und beherbergt einen von ca. 30 Kiesabbaubetrieben in Südhessen. Sie machte den BesucherInnen klar, dass es gut ist, das Problem Kiesabbau nicht an jedem Standort isoliert zu betrachten.

Ein grosses Problem sei die fehlende Transparenz der Abbau- und Genehmigungsvefahren. Die Firma, mit der man es in Schaafheim zu tun habe, versuche juristisch zu verhindern, dass die Bürgerinitiative zu verwertbaren Informationen käme.

Ueberhaupt nicht nachvollziehbar sei, warum die Auskiesungsflächen so massiv ausgeweitet würden. Das Volumen der Bautätigkeit -also der Bedarf an Kies in der Region- sei längst nicht so schnell gewachsen wie die tatsächliche Abbaumenge. Da müsse man sich fragen, wo der restliche Kies hinwandere- etwa in den Export?

Dann ging sie auch noch auf das Arbeitsplatzargument ein. Das sei seitens der Kiesabbauer eines der schwächsten Argumente überhaupt. In einem Gebiet mit einer Flächenkonkurrenz wie in Südhessen müsse man doch einmal schauen, wie viele Arbeitsplätze der Kiesabbau pro Hektar Betriebsfläche denn garantiere. Das sei in Schaafheim ein Arbeitsplatz auf einer Fläche von vier Fussballfeldern. Da sei die Bilanz bei dem geplanten Gewerbegebiet der Gemeinde um ein Vielfaches besser.

Fazit: Kiesabbau hält nicht, was seine Betreiber versprechen. Diese könnten sich deshalb auch gar keine Transparenz leisten. Er ist zuvorderst eine Belastung, keine Bereicherung der Region.

Das Hauptreferat hielt im Anschluss Thomas Norgall vom Bund für Umwelt- und Naturschutz. Als Intro setzte er sich mit dem Begriff des Bannwaldes auseinander. Historisch sei dies eine Regelung, die gesichert habe, dass der Wald der Jagd durch die Adligen vorbehalten bliebe und nicht beispielsweise für Acker- oder Häuserbau gerodet werden dürfe. Deshalb gäbe es auch südlich des Mains noch so viel zusammenhängenden Wald.
Der sei aber unter dem Siedlungs- und Versiegelungsdruck nach dem 2.Weltkrieg immer schneller geschrumpft, so dass man schon in den 60ern zu Schutzmassnahmen gegriffen habe. Und 1998 habe man ausgewiesenen Waldflächen den Status „unverzichtbaren Bannwald“ gegeben. Das seien hier in Südhessen etwa 2000 Hektar . Da sei die Fläche im Treburer Oberwald , wo „momentan die Leute auf den Bäumen sitzen“ durch die Entwidmung mit dem Planfeststellungsbeschluss für den Flughafenausbau schon abgezogen…..

Der Sehring-Wald sei mit der Aufhebung des Bannwaldgesetzes durch Roland Koch schutzlos geworden und Sehring habe ihn nach damaligen Recht als Produktionsfläche ausgewiesen bekommen. Das könne das neue Bannwaldgesetz von schwarz-grün nicht rückgängig machen.
Einmal genehmigt bedeute dauerhaft genehmigt Hier greife die Gewaltenteilung, die Eingriffe in die Selbstständigkeit der Justiz verbiete.
Nicht immer käme die Politik zum Zug . Im Fall der Kiesgrube Mitteldorf habe die zuständige Behörde mit Verweis auf das Bannwaldgesetz den Antrag auf eine Erweiterung abgelehnt . Das Gericht habe der Klage der Firma gegen die Ablehnung aber stattgegeben. Begründung: Das sei nur ein temporärer Eingriff für einen Zeitraum von 15 Jahren…

Das mochte die Mehrheit im Publikum kaum glauben. Ebenso , als der Referent ausführte, das Auskiesungstempo bei Sehring habe sich in den letzten Jahren beschleunigt. Wurden zuletzt circa 3 Hektar pro Jahr beansprucht, seien es jetzt schon etwa fünf Hektar. Dies hinge auch damit zusammen, dass das Vorkommen in der Tiefe weniger mächtig sei als ursprünglich angenommen.

Der BUND hat den Planfeststellungsbeschluss zu Sehring beklagt, weil er nach seiner Meinung fehlerhaft sei und zudem viele gesetzliche Naturschutzvorgaben nicht erfülle. Das Regierungspräsidium habe den Plan nachträglich geändert und „geheilt“, was neue Klagemöglichkeiten eröffne. Das sei aber extrem schwierige und auch trockene Materie. Am Verwaltungsrecht und seiner speziellen Logik hätten -so Norgall- Mathe-Freaks ihre Freude, nicht aber Journalisten und Aktivisten. Zudem seien die Gerichte frei in der Terminierung. Das sei hier schlecht, weil schon ein Viertel der Waldfläche, um die gestritten würde, weg sei. Anderswo, bei der Verhinderung einer Umgehungsstrasse in der Nähe (der B 46 neu), sei aber gerade der Zeitverzug zum grossen eigenen Vorteil geworden. Das läge mal günstig und dann halt auch einmal andersrum.

Das sich viele Menschen für den Wald interessierten sei -wie auch das Aktionsbündnis- eine gute Sache. Das öffentliche Interesse spiegele auch die gesellschaftliche Relevanz der Klage. Das Klagen sei wie das Bohren dicker Bretter, das viel Kraft, Ausdauer und auch finanzielle Mittel erfordere.

Anschliessend gab es die Möglichkeit, den ReferentInnen Fragen zu stellen und über die Perspektiven des Protests zu diskutieren.

Es kam der Einwand, das Aktionsbündnis sei nicht aktiv genug. Darauf entgegnete ein Sprecher des Aktionsbündnisses, man stehe ja noch am Anfang. Was man leisten könne, hinge aber auch von der Bereitschaft ab Aktionen mitzutragen. Nach der Demonstration am 17.3. seien beispielsweise auch Aktionen in Wiesbaden in der Ueberlegung.

Es kam der Vorschlag auf, man müsse transparent und überprüfbar machen, wieviel von dem Kies tatsächlich in der Region bleibe oder wo der Kies ansonsten hinginge. Etwa, ob er mit Binnenschiffen weiterverfrachtet wird.

Kies ist eine endliche Ressource. Gute Körnungen und hochwertiger Quarzsand könnten in manchen Regionen schneller knapp werden als Oel.
Es sei nötig, Alternativen zum Bauen mit Beton, Einsparungsmöglichkeiten und Recyclingverfahren politisch zu fördern. Dazu sei auch eine massvolle Verteuerung des Rohstoffs in Kauf zu nehmen. Vielleicht sei sie sogar wünschenswert. Nach seiner Wachstumslogik müsse Sehring nach der Auskiesung der Südosterweiterung nach weiteren Flächen greifen. Das könne so nicht weitergehen.

Sinnvoll sei ein Gesamtbelastungskataster über den Kiesabbau. Bei jeder lokalen Erweiterung sei zu prüfen, ob sie angesichts des Belastungsgrades der Gesamtregion noch verantwortbar wäre.

Mehrere RednerInnen betonten, dass Aktionen wie bei der Waldbesetzung im Treburer Wald ein geeignetes Mittel wären um Druck aufzubauen.

Dann stellte sich die Frage, was man denn aktuell politisch machen könne. Schliesslich hätten PolitikerInnen vor Ort, in der Regionalversammlung und im Landtag die Erweiterung durchgesetzt. In diesem Zusammenhang seien die Landtagswahlen in diesem Jahr interessant. Man müsse Naturschutzthemen mehr Bedeutung bei der Wahl verschaffen.

Nötig sei auch, sich weiter zu vernetzen. Wenn Leute aus Schaafheim nach Langen kämen, dann könnten auch LangenerInnen zu Besuch nach Schaafheim kommen und dort unterstützen. Oder auch zu den Kiesgruben in Trebur oder Raunheim.
Am Samstag, den 17.3. gäbe es bei der Demo hier in Langen die Gelegenheit, zu zeigen, dass man sich mit dem Kiesabbauprojekt nicht abgefunden hat.


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