Dreieich: Holzfäller pflügen Amphibienschutzteich

Eine lange schwarze Schleifspur zog sich vor einigen Tagen vom Buchschlager Wald bis zum Nordrand von Langen. Vermutete Ursache: Um an den Stamm einer über hundert Jahre Jahre alten Eiche zu kommen, bahnten die Holzfäller ihre Rückegasse durch einen Amphibienschutzteich. Diesen hatte der einstige Buchschlager Revierförster vor Jahrzehnten als Habitat für Kröten und Feuersalamander unter Mithilfe der Waldjugend angelegt.

Bei dem Waldgebiet -einem früheren Dreieichenhainer Hütewald- handelt es um ein besonders wertvolles Biotop. Es ist ein Erlen-Eichen-Buchen-Hochwald mit hohem Grundwasserstand. Ehemalige Bombentrichter wurden mit Lehm ausgekleidet und trugen zur Stabilisierung der Amphibienpopulation bei.

Seit dem Amtsantritt von Roland Koch hat sich die „Schlagzahl“ bei der Fällung alter Bäume massiv erhöht. Leider hat sich daran auch unter Schwarz-Grün nichts geändert. Das zuständige Forstamt Langen lässt teilweise nur noch zwei Jahre Zeit bis zur nächsten Durchforstung, trotz zahlreicher Bürgerinnenproteste.

Ein ähnliches Bild bietet sich im Schwanheimer Wald und dem Langener Forst, aber auch im Staatsforst Mörfelden. Dort hatte man es vor allem auf alte Buchen abgesehen.

Aus der BürgerInnenschaft, aber auch von Klimaschützern werden Forderungen laut, den Bannwaldschutz auszuweiten – vom Wald auf die Bäume. Ueber 100 Jahre alte Bäume ab einem gewissen Stammdurchmesser sollten für die Fällung tabu sein.

Hessenforst beteuert zwar stets, die Fällungen auszugleichen – aber tatsächlich werden die Wälder regelrecht ausgeräumt. Die Rückemaschinen zerstören zudem immer wieder die nachwachsenden Bäume gleich mit. Oft werden in der Aufzucht billige, klimaresistente Douglasien nachgepflanzt. Dabei bleiben nur wenige „Alibi-Laubbäume stehen“.

Manche UmweltschützerInnen gehen in ihren Forderungen noch weiter. Greenpeace, welches seit vielen Jahren eine Kampagne zur Bewahrung der Buchenwälder in den Mittelgebirgen betreibt, fordert im Szenario „Waldvision“ eine Ausweitung der naturnahen Flächen ohne Holznutzung auf 16 Prozent der Waldfläche.
Das wäre gegenüber dem heutigen Stand eine Vervierfachung.

Eine Verringerung der Holzentnahme um ein Viertel könnte die Speicherung von 48 Millionen Tonnen CO.2 ermöglichen.


2 Antworten auf “Dreieich: Holzfäller pflügen Amphibienschutzteich”


  1. 1 Administrator 11. April 2018 um 10:51 Uhr

    Von Hessenforst kam inzwischen eine Reaktion auf den Artikel. Man habe das „Industrieholz“ bereits im November gefällt und auch gerückt. Dafür habe man einen Zeitpunkt extremer Trockenheit gewählt Es handele sich nicht um einen Amphibienschutzteich sondern nur um eine Pfütze.

  2. 2 vega lounge 13. April 2018 um 15:42 Uhr

    Ein kürzlicher Besuchim Buchschlager Wald ergab : Der Amphibienschutzteich, welchen der Förster als „Pfütze“ bezeichnet, hat ordentlich Wasser. Problematisch für die Wasserqualität ist der grosse Eintrag von toter Biomasse. Inzwischen haben Leute den Tümpel mit aufgeschichteten Ästen vor weiterem Befahren geschützt.
    Es bleibt dabei: Hier hätte durch das Langener Forstamt niemals eine Rückegasse eingerichtet werden dürfen, selbst wenn der Tümpel zeitweise trocken fallen sollte.

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