Stadtparlament Kronberg beschliesst Zerstörung der Schillergärten

Nach dem Willen der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung Kronberg sollen die Schillergärten – eine einzigartige, verwaldete Streuobstwiese mitten in der Stadt – einer verdichtenden Bebauung weichen. Dagegen gibt es massiven Widerstand.


Auf dem etwa 6000 Quadratmeter grossen Gelände oberhalb des Bahnhofes möchte der Investor Wilma sechs „Stadtvillen“ mit Tiefgaragen und 39 Wohneinheiten errichten
Seit den 60er Jahren sind die Schillergärten für eine Bebauung vorgemerkt – aber dazu kam es bislang nie. So wurde das Privatgelände , das seit Jahren nicht mehr bewirtschaftet wird, zu einem Rückzugsort für Pflanzen und Tiere, wie er ringsum nicht mehr zu finden ist. Bisheriger Eigentümer ist eine Stiftung.

Leider gab es kaum Initiativen, das Gelände in seinem gegenwärtigen Bestand zu sichern. Der Widerstand aus den Reihen der Nachbarinnen und der Wählergemeinschaft „Kronberg für die Bürger“ richtet sich vor allem dagegen, dass hier auf stadtbildzerstörende und nachbarschaftsschädigende Weise gebaut werden soll. Alternativ schlägt man eine weniger dichte Einfamilienhausbebauung vor, welche keine Vollausschachtung benötigt.

Auf der Stadtverordnetenversammlung prallten die Befürworterinnen und Gegnerinnen der „Brutalverdichtung“ aufeinander. Es gab grosses ZuschauerInneninteresse, es wurde laut. Von den Parteien wurde sich gegenseitig vorgeworfen, man wolle den Charakter Kronbergs zerstören respektive, man wolle die Entwicklung der Stadt ausbremsen.

Es gibt einen Deal zwischen den Mehrheitsfraktionen CDU und SPD, sowohl hochpreisige Wohnungen auf den Schillergärten als auch preiswerte Wohnungen auf dem alten Güterbahnhofsareal zu errichten.

Eigentlich sinnvoll wäre ein Bauverbot für das Areal aus Gründen des Naturschutzes. Den Grunderwerb ist müsste aber die öffentliche Hand übernehmen – oder ein Mäzen, welche(r) Sinn für Natur hat.

Der ökologische Wert des Geländes hängt eng damit zusammen, dass es den Blicken und der Nutzung durch die Öffentlichkeit oder Private entzogen ist. Für ein Gelände in der Stadt Geld auszugeben, damit es möglichst wenig betreten wird, dafür lässt sich allerdings schwer Werbung machen. Hier helfen nur naturschutzrechtliche Vorgaben.

Horrende Grundstückspreise bedrohen die letzten extensiv genutzten Flächen.

Fakt ist aber, dass die Nachverdichtung die Biodiversität in den Städten nachhaltig beeinträchtigt.

Hilflose Versuche, die Randstreifen von Hauptstrassen zu „Naturwiesen“ zu erklären, lösen das Problem nicht.
Das Problem etwas entschärfen würde nur eine völlig andere Bauweise der Häuser mit Dachgärten – aber wohin dann mit den Solaranlagen ? Und wie soll das Ganze in Trockenzeiten umweltfreundlich bewässert werden ?

Um die Schillergärten, deren Schicksal besiegelt sein dürfte, ist es sehr, sehr schade.


1 Antwort auf “Stadtparlament Kronberg beschliesst Zerstörung der Schillergärten”


  1. 1 vega lounge 16. April 2018 um 8:26 Uhr

    Krass ist die Umweltrechnung, welche die Stadt Kronberg aufgemacht hat. Das Gelände gilt als „Wald“ -aber, da es sich im Stadtzentrum befindet, hätte Wald dort keine hohe ökologische Bedeutung. Dann wurde festgestellt, dass sich auf dem Gelände nur wenige wirklich grosse Bäume befinden, für die Abstand bezahlt beziehungsweise Ausgleich geschaffen werden muss. Nun, die überwiegende Menge des Bewuchses sind alte Obstbäume und Gehölze. Die zählen nicht und machen keine sogenannten „Öko-Punkte“.
    Übrig blieb eine minimale Ausgleichszahlung von ein paar zehntausend Euro.

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