Dreieich: Naturschutz auf den Hund gekommen

In Dreieich ist ein bizarrer Streit um eine Anleinpflicht für Hunde im Aussenbereich während der Brut- und Setzzeit im Gange, der in einem „Showdown“ auf der Stadtverordnetenversammlung am 15.Mai kulmulieren soll. Im Kern geht es um die Frage, ob die persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung von Hund und HundehalterIn zugunsten des Schutzes von Widtieren eingeschränkt werden darf.
Das ist sicher kein Kernthema für diesen Blog. Doch wer sich Gedanken darüber macht, warum der Widerstand gegen die Auswirkungen des Flughafenausbaus zur Randerscheinung wird, muss sich damit beschäftigen was die uns fehlenden möglichen Mitstreiterinnen tatsächlich emotional und politisch beschäftigt.

Zur Geschichte des Streits: Vor längerer Zeit gab es einen Vorstoss des Bürgermeister Dieter Zimmer für eine saisonale Anleinpflicht für Hunde im Aussenbereich. Ursache waren mehrere Vorfälle, wo frei laufende Hunde Rehe zu Tode hetzten. Nach Protesten von HundhalterInnen zog er die Initiative zurück. Darüber ärgerten sich die Grünen und brachten den Antrag nun im Ausschuss für Bau und Umwelt neu ein, begleitet von der wütenden Opposition von 20 HundehalterInnen. Die Meinungen sind quer durch die Fraktionen geteilt. Der Antrag kam mit knapper Mehrheit durch den Ausschuss, er steht auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetenversammlung – „Showdown ist am 15.Mai“, schrieb eine Lokalzeitung.

In der Offenbach-Post erschienen Artikel zum Verlauf des Streits und der Ausschusssitzung am 25.April. Die Tierschutzvereine drohen mit einer Klage , falls eine Verordnung in Kraft gesetzt wird.

Seit vielen Jahren spitzt sich der Widerspruch zwischen der Einstellung und dem tatsächlichen Handeln vieler Menschen zu. Das kennt Jede/r ja ein Stück bei sich selbst. So wird das Flugzeug bestiegen, um an Reiseziele mit möglichst spektakulärer und intakter Natur zu kommen. Billigflug wird abgelehnt, aber praktiziert. Eigeninteresse wird absolut gesetzt. Staatliche Eingriffe zur Regulierung werden als Eingriff in die persönliche Freiheit abgelehnt, die faktischen Folgen eines Handlungsverzichts für die persönliche und allgemeine Freiheit aber ausgeblendet .Das gilt besonders für die Ursachen und Folgen des Klimawandels.

In Dreieich stehen die Umweltschützerinnen, die die besondere Schutzbedürftigkeit der Wildtiere betonen, in der Defensive. Es sind diesselben, welche sich auch gegen Kiesabbau und Flughafenausbau eingesetzt haben. Dafür ist jetzt kaum noch Raum und Zeit.
Die Verdichtung der Besiedlung des Rhein Main Gebietes hat dazu geführt, dass ein enormer Druck auf die letzten naturnahen Flächen entstanden ist. HundebesitzerInnen wollen raus in die Natur und Freiheit erleben. Kaputtmacher sind immer nur die anderen. Am meisten aber die, welche sie in ihrer Freiheit vermeintlich einschränken wollen. Wer seinen Hund liebt, sollte aber dafür sorgen , dass es auch noch morgen Natur gibt.


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