Wohin mit den Mauerteilen ?

Beim Abriss der Startbahn-West-Mauer wurden vier Mauersegmente für eine museale Erhaltung gesichert. Zwei davon sind für Mörfelden-Walldorf vorgesehen und dort derzeit zwischengelagert. Seit Anfang Juni gibt es Streit über den Ort der Aufstellung. Umweltschützer haben naturschutzrechtliche Bedenken gegen einen Standort an der Hüttenkirche, welcher aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erste Wahl sein dürfte. Ein Zielkonflikt, der politisch entschieden werden muss…

Der Vorstand des BUND Mörfelden-Walldorf und der des NaBu lehnen den Standort Hüttenkirche mit der Begründung ab, dass für die Gründung der Mauerteile erhebliche Eingriffe in den Trockenrasen, einem Flora-Fauna Habitat, notwendig seien. Zudem fürchten sie bei einer Genehmigung einen Präzedenzfall, welcher eine weitere Bebauung der Freiflächen zwischen Walldorf und Mörfelden erleichtern könnte.

Das Finden eines anderen Platzes in der Nähe der Hüttenkirche erweist sich wegen der Eigentumsverhältnisse und Nutzungsbeschränkungen als schwierig.

Der BUND hat vier alternative Standorte vorgeschlagen . Das sind das SKG-Heim und der Schlichter, die Ausgangspunkt der Sonntagsspaziergänge- vorgeschlagen. Weiter werden das Bürgerhaus und die Stadthalle genannt. Diese Plätze sind nach Ansicht der InitiatorInnen der Mauerteil-Aufstellung jedoch ungeeignet.

Entscheiden muss letztlich das Stadtparlament.

Kommentar :

Die Bedenken der Naturschützer sind mehr als nachvollziehbar – aber politisch plausibel wären sie nur, würden wir in einer naturschützerisch intakten Welt leben. Davon sind wir weit entfernt. Wir müssen auch aufklärerisch etwas dafür tun, dass der Naturschutz in die nächste Runden gehen kann. Schließlich gefährden nicht die zwei Mauerteile primär die Natur in Walldorf, sondern die mit dem drohenden Südausbau des Flughafens verbundene Nachverdichtung und ihr Wohn- und Gewerbedruck. Ebenso der für denFlughafenausbau notwendige massive Ausbau der Strassen- und Schieneninfrastruktur.

Aehnliche Argumente wie im Fall der Mauerteile an der Hüttenkirche wurden bereits gegen die dauerhafte Sicherung der Küchenbauruine an der KZ-Gedenkstätte vorgetragen.
Inzwischen zeigt sich nach meiner Meinung, das dies der richtige Schritt war. Sorgen macht eher, dass das leichte Bauwerk wenig langlebig sein dürfte.

Sollte das Zubauen weitergehen, könnten sowohl KZ-Gedenkstätte als auch Hüttenkirche bald Bestandsinseln in einer Flughafenlandschaft sein. Wer das nicht will, muss vereint gegen den richtigen Gegner kämpfen. Mit den Argumenten des BUND ist beispielsweise auch kein Waldcamp im Treburer Wald zu rechtfertigen.

Wir brauchen Symbolorte des Protests und der Erinnerung , vor allem für künftige , zu aktivierende, Generationen. Und dafür ist es notwendig, diese Orte langfristig zu sichern. Das gilt auch für die in der Substanz in die Jahre gekommene Hüttenkirche. Deren Erhalt wird durch das Schaffen eines Erinnerungsortes im Verbund mit den Mauerteilen plausibler.

Was den Trockenrasen angeht: Genau da, wo die Mauerteile -die nun mal „Stachel im Fleisch“ sind- herkommen – am Südkopf der Startbahn West- entstand mit dem Bau der Startbahn im ehemaligen Feuchtgebiet im Zuge der Versteppung der schönste Trockenrasen weit und breit. Seltene Pionierpflanzen und auch die Ansiedlung der blauen Oedlandschrecke legten ab den 80ern Zeugnis davon ab. Mit dem Feuchtgebiet – und vielleicht auch mit ausreichend Regen für die Nahregion- ist es seither allerdings vorbei.

Die Fundamente der Startbahnmauer sind also eher Freunde einer Trockenzone, der sie -einmal eingegraben- nicht viel schaden dürften . Bei einer Feuchtzone mit „nassen Füssen“ sähe das schon anders aus….


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