Grosseinsatz im Hambacher Forst

Im Hambacher Forst bei Düren hat heute morgen ein Grosseinsatz der Polizei gegen die dortige Waldbesetzung begonnen. Vom Bau- und Innenministerium wurde „grünes Licht“ zur Räumung der Baumhäuser gegeben. Offiziell wird dies mit Verstössen gegen das Baurecht und der Sicherheitsbestimmungen begründet. BewohnerInnen versuchen dagegen zu klagen. Die Waldbesetzung Treburer Forst ist solidarisch mit der Besetzung im Rheinland. „Wir sind gemeinsam Teil der Klimaschutzbewegung von unten“. sagen BewohnerInnen des Camps. „Wir brauchen Symbole des Protests, welche die meist aus den Augen der Oeffentlichkeit gerückte Zerstörung den Menschen vor Augen führt. Und welche Alternativen aufzeigt, das ein Leben möglich ist,welches mehr mit der Natur im Einklang steht.“

Für den heutigen Donnerstag, 16 Uhr, wurde zu einer Demonstration ab Bahnhof Buir aufgerufen. Aktuelle Informationen gibt es auf den Twitter-Accounts des Hambacher Forsts (hambibleibt), des Baumhausdorfs Oaktown und der Mahnwache Hambacher Forst.

Es ist damit zu rechnen, dass der Wald weiträumig abgesperrt wird. Trennlinie könnte die Autobahn sein Hinter der Autobahn befindet sich eine Mahnwache und Presseanlaufstelle der Umweltorganisation Greenpeace. Etwa einen Kilometer weiter an der Strasse nach Morschenich steht seit Anfang September eine unabhängige Mahnwache, die von UnterstützerInnen und BewohnerInnen des Waldes getragen wird. Sie ist ebenfalls angemeldet – und sollte erreichbar sein…..

Bereits seit etwa drei Wochen herrscht eine Art Belagerungszustand im Wald. Seit 1.September ist er polizeiliches Gefahrengebiet, das heisst, die Polizei kann Massnahmen der Kontrolle ausüben und Betretungsverbote aussprechen, die sie normal juristisch nicht darf. Es wurde ständig mindestens eine Hundertschaft rund um den Wald stationiert. Es kam zu einigen Polizeiübergriffen und zahlreichen Ingewahrsamnahmen, welche die Stimmung weiter anheizten.

Am Montag und dann noch einmal am Mittwoch kam es zu Angriffen auf Polizei und Arbeitsfahrzeuge, für deren Urheberschaft niemand Verantwortung übernommen hat und deren Verlauf von der Polizei teilweise auch widersprüchlich dargestellt und erklärt wurde. Sie wurden offenbar jetzt zum Anlass der Polizeiaktion genommen. Es ist Konsens in der Besetzung , das verschiedene Widerstandsformen parallel laufen können, aber aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Die Bürgerinitiative „BürgerInnen für Buir“ lehnt die Anwendung von Gewalt strikt ab, wobei sie beide Seiten des Konflikts in der Pflicht sieht.

Es ist (jetzt um 8 Uhr) noch nicht abzusehen, ob es „nur“ zum angekündigten Roden eines Sicherheitsstreifens entlang der Betriebsstrasse von Buir zum Tagebau kommt oder zu einer Kompletträumung.

Aktualisierung um 16 Uhr:

Die Polizei räumt tatsächlich Baumhäuser, es hat zunächst nur Vorposten-Baumhäuser am „Deathtrap“ getroffen. Die übrigen Baumhäuser wurden bislang nur mit der Aufforderung, sich selbst zu räumen, beschallt. Natürlich ohne sichtbare Wirkung…. Zunächst wurden ein Tripod und ein Monopod geräumt, was Stunden in Anspruch nahm. Die Polizei in NRW rechnet mit einem monatelangen Einsatz und hat ihren BeamtInnen Urlaubsperre bis Weihnachten verordnet. Der Wald soll zunächst nicht grossflächig abgesperrt werden, die Polizei will sich mit Einbruch der Dämmerung zurückziehen. Flächenmässig gerodet werden darf ohnehin noch nicht. Es waren auch DemonstrantInnen aus dem bürgerlichen Spektrum als BeobachterInnen dabei. Das wird in den nächsten Tagen, wenn die Presse aus dem Wald zunehmend abzieht, noch wichtiger werden…


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