Kommentar: Klimaschutz braucht langen Atem

Die Baumbesetzungen im Hambacher Forst haben sich zu einer der wichtigsten Besetzungen der Umweltbewegung entwickelt. Der Konflikt steht auf dem Höhepunkt – schon jetzt muss an weiteren Kampagnen gearbeitet werden , welche die Vielfalt des Themas Klimagerechtigkeit abbilden. Das Problem der klimaschädlichen Mobilität betrifft Rhein-Main besonders. Es sollte hier oben auf die Agenda.

Der „Hambi“ hat es geschafft. Die Räumungen von Tripods und Baumhäusern haben selbst die Seehofer-Debatte in den Medien nach hinten rücken lassen.
Die Zuspitzung und Dramatisierung des Konflikts – RWE als Wald- und Klimakiller vorzuführen – dieses Ziel ist bislang aufgegangen. Es war bereits zu Beginn der Aktionen vor über sechs Jahren angelegt. Die Idee war: Wenn wir geräumt werden, kommen wir immer wieder, bis wir so viele sind, dass die Gegenseite darauf verzichten muss uns zu räumen. Es mag sein, dass es -trotz menschenmöglichstem Einsatz- doch noch zur Totalräumung kommt. Aber RWE hat eigentlich verloren und wohl derzeit keine Bevölkerungsmehrheit mehr hinter sich. Eine Rolle mag dabei auch der Dürre- und Hitzesommer gespielt haben, der manche zumindest nachdenklich gemacht hat.

Von denen, welche den Forst Hambach 2011/2012 als Aktionsfeld ausgesucht haben, sind nicht mehr viele dabei. Andere haben es übernommen und das Konzept weitergetragen. Und es sind tatsächlich mehr geworden. Was für das Konzept spricht.

Viele, welche den Hambi besetzen, sagen aber auch: Auch wenn wir hier den Schwerpunkt setzen, darf es nicht dazu führen dass andere Brennpunkte – die Braunkohle in der Lausitz und in Tschechien, der andauernde Kampf gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke , als weniger wichtig eingestuft werden. Denn dann könnten die Kämpfe auch gegeneinander ausgespielt werden. Sie sollen aber ausstrahlen. Es ist (d)ein Klima.

Eine umfassend vernetzte Bewegung für Klimaschutz & Klimagerechtigkeit gibt es noch nicht, und wird es wegen der globalen und allgemeinen Dimension der Herausforderung wohl auch nur ansatzweise geben können. Das Klima-Thema reicht in alle Lebensbereiche hinein, beeinflusst Lebensform und Aktionsform gleichermaßen. Konflikte und Widersprüche bleiben nicht aus.

Eines der Themen, die noch im Kommen sind, ist die Auseinandersetzung mit klimaschädlicher Mobilität. Das greift mehr in die allgemeine persönliche Lebensgestaltung ein als die Frage , woher der Strom kommt. Ähnlich verhält es sich mit der Ernährung.

So wie einst beim Start des Hambi 2012, so müssen beim Thema klimaschädlicher Verkehr schon heute Kampagnen entwickelt und vorausgedacht werden, welche erst in einigen Jahren ihren Höhepunkt erreichen können. Das ist spannende, aber mühselige Arbeit.

Mühselige Arbeit ist oft auch die Aufrechterhaltung des Waldcamps im Treburer Wald. Das ist momentan alles andere als ein Selbstläufer . Um die Aufmerksamkeit für das lokale Kernthema – und für die Überzeugung, dass Flughäfen schrumpfen statt wachsen sollen, muss hart gerungen werden. Zu unrealistisch erscheint die Forderung nach einer Reduzierung des Flugverkehrs . Aber an dem Punkt stand die Anti-Braunkohlebewegung auch einmal „Erst ignorieren sie Dich, dann bekämpfen sie Dich und dann hast Du gewonnen“.

Vielleicht finden sich doch ein paar mehr Leute, welche sich die Abschaffung des kerosingetriebenen Düsenflugzeugs auf die Banner und die Fahnen schreiben wollen. Oder wenigstens den Verzicht auf den Betrieb des Frankfurter 3. Terminals Das Schöne ist: Hier kann noch viel entwickelt werden – die Kampagne, zu der auch das Camp im Treburer Wald gehört, steht noch am Anfang.

Und: Warum immer mit dem Zug nach Hambach fahren, wenn es auch mit dem Fahrrad zu dem Umweltproblem vor der Haustür geht ? Warum beispielsweise nicht eine Hütte im „Trebi“ fertig bauen helfen ?“ Hambi ist überall“ – diese Parole wird kommen, sollte RWE tatsächlich doch noch einmal gewinnen . Überall, In Deiner Stadt, Deiner Schule, Deiner Straße, Deinem Haus.


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