Bericht aus dem Hambi

Gestern war ein schwarzer Tag für den Hambacher Forst. Begonnen hat es eigentlich ganz gut. Um sechs Uhr morgens begann eine Aktion der UnterstützerInnen gruppe „Aktion Unterholz“, die im Schutz der Dunkelheit eine Waldschneise besetzt hatte. Die Sitzblockade, welche die Baumhausdörfer „Beechtown“ und „Cosytown“ schützen sollte, wurde im Lauf der Morgenstunden von der Polizei geräumt. Die Beteiligten erhielten Platzverweise
Nicht besonders gut geht es den Bäumchen, die im Zuge der Aktion „Aufbäumen“ am Sonntag gepflanzt wurden. Sie warten – wie auch der übrige Wald- auf ergiebigen Regen. Alles ist strohtrocken.

Der Wald war hinter dem Wiesencamp mit einer lockeren Polizeikette einer Kölner Einheit abgesperrt. Im Wald selbst agierte Bundespolizei, darunter BFE.
Der Zugang zum Camp Beachtown, welches seinen Namen wohl durch die unmittelbare Nähe zur Abbruchkante hat, war versperrt. Nur Zweiergruppen mit Wasser und Lebensmittel wurden durchgelassen.

Das änderte sich schlagartig am Nachmittag. Die Polizei zog ab und es war möglich, nach Beachtown zu gehen. Dort waren sämtliche Räumarbeiten eingestellt. Ein Journalist, der Besetzis bei der Räumung begleitete und einen Dokumentarfilm drehte, war beim Verlassen eines Baumhauses auf einer Seilbrücke durchgebrochen und 14 Meter abgestürzt. Er wurde zu einem Rettungshubschrauber gebracht und dort intensivversorgt. Der Hubschrauber hob erst nach Stunden wieder ab. Das war kein gutes Zeichen. Später meldete die F.A.Z., dass er verstorben war.

Im Wald war eine Art Schockstarre, weder bei den Demonstranten als auch bei der Polizei war man sich im klaren wie es jetzt unmittelbar weitergehen sollte.
Die übrigen JournalistInnen diskutierten mit der Polizei .Etwa darüber, wie die Rolle der Journalisten ist, wie ihre Arbeitsmöglichkeiten sind und wie schwer, oftmals mit Behinderungen, und manchmal auch gefährlich qualitative Berichterstattung ist. Und wie schwierig mensch davon leben kann. Ganz anders lief es in den sozialen Netzwerken. Hier gab es massive gegenseitige Schuldzuweisungen und persönliche Angriffe. Das zeigt wieder einmal die Schwächen dieses Mediums, welches oft genug eher asozial ist.

Abends war dann klar, dass die Räumung ausgesetzt ist. Die Polizei begann wieder den Wald und dessen Zugang zu kontrollieren. Sie fürchtet eine Wiederbesetzung der geräumten Baumhausdörfer. In „Gallien“ und „Oaktown“ sind fast alle Spuren getilgt – nur die Toiletten sind noch da.


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