Mallorca: Nach uns die Sündflut

Auf Mallorca herrschen weiterhin sommerliche Temperaturen. Letzten Dienstag hat im Ostteil der Insel ein Extremgewitter 13 Todesopfer gefordert. In einem kleinräumigen Gebiet rund um den Ort Sant Llorenc fielen innerhalb 2 Stunden bis zu 250 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Spaniens Ministerpräsident Sanchez verkündete : „Wir werden alles tun, damit sie hier bald wieder einen weitgehend normalen Alltag haben können“ Ob er beim „Wir werden Alles tun“ auch an den Kamf gegen den menschgemachten Klimawandel gedacht hat ?

Die Insel Mallorca hatte letztes Jahr laut Statistik 868.693 EinwohnerInnen. Aber die gesamte Zahl der Menschen, die sich dort aufhalten, liegt ständig weit über der Millionenmarke. Die Touristen, welche die Ferienanlagen, Zweitwohnungen und auch Kreuzfahrtschiffe füllen, kommen fast alle mit dem Flugzeug.

Deshalb ist der Flughafen von Palma de Mallorca auch der drittgrösste Spaniens. Mit seinen zwei 3000 und 3700 Meter langen Startbahnen hat er im vergangenen Jahr im 24 Stunden-Betrieb knapp 28 Millionen Passagiere umgeschlagen. Da in der Regel an- und wieder abgeflogen wird, haben etwa 14 Millionen Menschen die Insel auf dem Luftweg besucht.

64 Airlines fliegen den Airport regelmässig an. Die allermeisten Passagiere kommen aus Deutschland, gefolgt von Spanien und Grossbritannien. Platzhirsch ist Ryanair, welche von dem Niedergang der Air Berlin Gruppe profitierte. Zweiter im Geschäft ist Niki, gefolgt von Vueling.

Ryanair unterhält in Palma de Mallorca eine eigene Basis. Zum Wachstum des Ryanair-Geschäfts haben die neuen Verbindungen von und zum Frankfurter Flughafen beigetragen. Das Aufkommen wird auf 1,1, Millionen Passagiere (one-way) geschätzt.

Die Touristikwelt reagierte auf die Flutkatastrophe geschockt. Der Veranstalter ICS, welcher das Wacken-Festival betreibt, rief die Besucher seiner vom 14.-21 Oktober auf Mallorca stattfindenden „Full Metal Holidays“ auf, Sachspenden mitzubringen und beteiligte sich auch mit eigenen Aktivitäten. Besonders gross ist die Solidarität aber unter den MallorcinerInnen selbst.

Es ist nicht so, dass Mallorca sich nicht Gedanken über die Bewahrung der Schönheit der Insel machen würde. Nachhaltigkeitsprogramme und eine Art Oeko-Steuer sowie die Beschränkung der Neubautätigkeit stehen seit längerem auf dem Plan. Der öffentliche Flächenverkehr wurde ausgebaut, Palma besitzt eine U-Bahn.

Das ändert aber nichts daran, dass das Geschäftsmodell der Insel auf einem exzessivem Flugverkehr aufgebaut ist. Der wächst auch noch weiter, seit Mallorca Haupt-Ausgangspunkt für den wachsenden Mittelmeer-Kreuzfahrtmarkt geworden ist. Dazu haben vor allem die Zubringer-Angebote der Billigflieger, die den Markt dominieren, beigetragen.

Mallorca wird sich mittelfristig vom Billigflugmarkt trennen müssen. Hier in Frankfurt können wir zur Zukunft Mallorcas beitragen – indem wir verhindern, dass Ryanair, EasyJet Eurowings und Konsorten sich im Süden des Frankfurter Flughafens ein neues Nest bauen können. Mallorca ist durchaus mit dem Fernzug und der Fähre erreichbar. Für eine Sauftour übers Wochenende wird das zwar keine Option sein. Aber dafür gibt es auch den Struwwelpeter und das gemalte Haus in Sachsenhausen……


2 Antworten auf “Mallorca: Nach uns die Sündflut”


  1. 1 Nestor 13. Oktober 2018 um 20:41 Uhr

    Die Balearen waren die Pioniere der Touristik-Industrie in Spanien. Auch heute sind sie federführend in den meisten neuen Trends in der Touristikindustrie.
    Dazu hat auch beigetragen, daß der „Bankier Francos“, Juan March, das nötige Kapital und die nötige Rückendeckung zur Verfügung stellte.

  2. 2 vega lounge 29. Oktober 2018 um 13:16 Uhr

    Inzwischen gibt es sogar das Geschäftsmodell am Vormittag nach Mallorca zu fliegen, organisiert Party zu machen und abends geht es zurück. Ich hab jemand getroffen, der sich das mit KollegInnen und Kollegen seiner Firma als „Incentive“ leistet.

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