Istanbul 3 -das Monster- geht heute in Betrieb

Heute ist offizieller Betriebsstart für den neuen Istanbuler Grossflughafen. Anlass ist der Wunsch von Präsident Erdogan, ihn am Nationalfeiertag feierlich zu eröffnen. Eigentlich ist der Airport noch gar nicht betriebsbereit, weil die Zuwegungen noch nicht fertig sind. Die Eröffnung muss aber sein, weil nach unter brutalem Zeitdruck durchgepeitschtem Bau eine Verschiebung einen Verlust an Prestige bedeutet hätte.

Vorerst werden nur etwa fünf Verbindungen ab Istanbul 3 durch Turkish Airlines angeboten. Im Dezember soll dann in einer logistischen Mammutaktion der gesamte Betrieb des Atatürk Airports umziehen- auch wenn absehbarererweise die Infrastruktur immer noch nicht stimmen wird.

Eigentlich ist der monströse neue Airport – eine betonierte Wüste mit später optional sechs Startpisten ohne Baum und Strauch – ein Dinosaurierprojekt vergangener Zeiten. Es ist fraglich, ob die Vorteile eines Neubaus die Nachteile der stadtfernen Verlagerung ausgleichen würden, ginge es nur um einen Ersatzbau.

Aber Erdogan wollte mehr, er will den grössten Flughafen der Welt haben. Und er will „seine“ Turkish Airlines“ zur Dominanz am Weltmarkt bringen.
In einer global denkenden, vernetzten Welt mit Arbeits- und Aufgabenteilungen sind solche nationalen Grossprojekte eigentlich nicht mehr zeitgemäss- selbst aus kapitalistischer Binnensicht. Aehnliches gilt auch für den geplanten polnischen Grossflughafen, dessen Bauabsicht auf einer ähnlichen nationalistischen Ideologie fusst.

Entsprechend war auch der Bau des Monsters ein Fluss der Tränen. 36000 Arbeiterinnen und Arbeiter schufteten in Spitzenzeiten, um den Bau voranzubringen. 15000 von ihnen wurden in Lagern unter unwürdigen Bedingungen untergebracht. Ein grosser Teil stammt aus der Osttürkei/Kurdistan.

Es kam immer wieder zu Protestaktionen , etwa weil Räume überbelegt waren und wegen extrem niedrigen Grundlöhnen. 36 tödliche Arbeitsunfälle wurden von den Behörden offiziell zugegeben. SprecherInnen der ArbeiterInnen fordern aber die Untersuchung der Todesumstände von 400 Menschen, die in Verbindung mit dem Bau gestorben sind. Viele von ihnen starben im Baustellenverkehr oder jung an vermeidbaren Krankheiten.

Zuletzt kam es in der heissen Schlussbauphase zu einem weiteren spontanen Aufstand. Das Shuttlebussystem funktionierte nicht und die ArbeiterInnen mussten im Regen stehen. Anstatt das Problem zu lösen, haben die Behörden die Streikenden niederknüppeln lassen und 500 Menschen festgenommen.

Dieser Flughafen ist schlicht und ergreifend überflüssig und ein Verbrechen an Umwelt und Menschheit. Vermeiden Sie, das Monster anzufliegen. Zu schnell wird mensch Opfer oder auch Teil davon…..
Hier der Link zu einer umfassenden Reportage des Deutschlandfunks


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