Ein Besuch im Waldcamp

Es ist Herbst geworden, windig und kalt. Endlich regnet es auch mal etwas. Das sind nicht die optimalen Bedingungen für einen Besuch im Treburer Wald. Aber um Antworten auf die Frage zu bekommen, was sich tut und was die BesetzerInnen bei dem Wetter so machen, lohnt sich der Weg in den Wald.



Ich komme vom Zeppelinheimer Bahnhof. Um zum Camp zu gelangen, muss ich die Landesstrasse überqueren, die hier nahe der Cargo City Süd einen Verteilerknoten hat. Das Rüberkommen ist gar nicht so einfach, ein Auto reiht sich an das andere. Ein freundlicher Autofahrer bremst, so das ich wieder in den Wald eintauchen kann.
Der Boden saugt die Feuchtigkeit willig auf. Die meisten Bäume links und rechts des Weges haben Trockenschäden. Aber manche sind noch so grün, als wollten sie die Phase bis zum ersten Frost voll ausnutzen. Dort, wo das Knie der Hurenschneise auf die Autobahn stösst, ist seit einigen Monaten ein Info-Punkt eingerichtet. Dort gibt es Flugblätter .Und die Anregung, doch einmal in den Wald abzubiegen und im Camp vorbei zu schauen.

Geht mensch die Widderschneise hinein, fällt sofort ein Tripod (Dreibein) mit Hochsitz ins Auge. Er ist während dem letzten Skill Sharing Camp aufgestellt worden. Wenn er besetzt ist, können Hebebühnen und andere Fahrzeuge erst nach seiner Räumung einfahren.

Dann geht es seitlich durch ein neu gebautes Reisigtor in den Wald. Nach etwa 50 Metern beginnt das Camp. Dort fällt der neue dreistöckige „Tower“ ins Auge, der den Platz dominiert. Er ist noch nicht fertig und einiges an Baumaterial steht bereit. Vor dem Turm ist der Dorfplatz mit Tisch und Feuertonne – der Mittelpunkt des Camps. Einige Sofas sind mit Planen ob des Regens abgedeckt. Sie sollen später in das Gebäude umziehen.

Im Erdgeschoss des Towers wird gearbeitet. Heute ist das Flicken zahlreicher Fahrradschläuche an der Reihe. Der Fahrradanhänger muss wieder flott gemacht werden. Er wird gebraucht, um containerte Lebensmittel und Trinkwasser ins Camp zu bringen.
Hier steht auch ein Schalenkoffer, der im ganzen Umfeld etwas deplaziert wirkt. Nun, er könnte jemandem gehören, der auf Durchreise ist. Immer wieder machen Menschen aus der Umweltbewegung hier Station, tauschen Neuigkeiten und Persönliches aus. Das ist dann doch ein kleiner Vorteil gut erreichbar zu sein, wenn mensch auf einer Luft-Strassen-und Schienendrehscheibe wohnt. Aber Hochgeschwindigkeitsverkehr und Wald, das verträgt sich nicht. Eisenbahn, Flughafen und Autobahn schnüren uns regelrecht ein.

Die Arbeiten an den Baumhäusern sind abgeschlossen. Sie warten auf den „Tag X“ und sollen eine Räumung erschweren und verzögern. Und sie sollen deutlich machen, dass hier weiter konsequent gegen ein Terminal 3 gekämpft wird.

Auf der Hurenschneise fährt langsam ein Polizeiwagen vorbei . Er hält nicht an. Manchmal gibt es auch Besuch aus der Luft. Der Polizeihubschrauber späht mögliche Veränderungen im Gelände aus. Vielleicht hat er auch eine Wärmebildkamera, um abzuchecken wie viele Leute da sind.

Die Besetzung hat sich nach einigen Höhen und Tiefen mit einer Kerngruppe stabilisiert. Sie freut sich über Leute, die für kurz, länger oder auf Dauer vorbeikommen. Sonntagmittag sind jetzt wieder regelmässig UnterstützerInnen aus der alten Startbahnszene und der neuen Klimabewegung im Wald.

Auf die abschliessende Frage was gebraucht wird, kommt die Antwort: „Mehr Leute“. Also auf Wiedersehen, und auf Wiederbesuch.


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