Julimond bis zum Abwinken

Die Räumung ist vorbei, aber wo sind die persönlichen Sachen hingebracht worden? Hier ein Bericht von dem Versuch, an sie heranzukommen, Er gestaltete sich schwierig. Immerhin lernte der Verfasser des Artikels, was die Polizei mit dem Julimond zu tun hat…..

Die Räumung des Waldcamps lief unter der Regie der Fraport. Dabei hat sich der neue Eigentümer des Treburer Waldes, der angeblich seit August
rechtswirksamer Besitzer des Waldes ist, nie bei uns vorgestellt oder anderweitig kommuniziert. Jetzt hat die Fraport sämtliche Habseligkeiten eingesackt. Wohl auch die, welche sich auf Treburer Gemarkung befanden.
Während der Räumung hiess es, die Sachen würden an die Autobahnunterführung bei Walldorf an der Nordendstrasse gebracht. Aber am Räumungstag kam ich nicht dazu, dort vorbeizuschauen.

Neuer Tag, neuer Versuch. Also dort hin. Mit dem Fahrrad komme ich von der Zeppelinheimer Seite an den Waldeingang. Dort stehen drei Polizeiwannen und es gibt kein Durchkommen. Begründung: Der Wald ist ab hier gesperrt und Eigentum der Fraport.

Das kann nicht sein, entgegne ich dem Polizisten , der Wald hier ist Gemarkung Zeppelinheim. Er solle sich doch mal bei der Einsatzleitung erkundigen. Und da könnte er gleich fragen, wie ich an meine Sachen aus dem Camp herankomme.

Nach zehn Minuten gibt es mehrere Nachrichten. Die gute: Er müsse sich korrigieren, der Wald ist nicht Fraport. Die schlechte: Ich könnte nicht durch den Wald, da ich doch gestern Besetzer war und womöglich plane , neue Aktionen durchzuführen.
Die nächste gute Nachricht sei aber, dass ich gar nicht durch den Wald fahren müsse, um an meine Sachen zu gelangen. Die befänden sich im Feuerwehrübungszentrum der Fraport-Feuerwehr.

Ob ich wüsste, wo das sei ? Ja, kenne ich. Also wieder aufs Fahrrad geschwungen und über die Elly Beinhorn Strasse an den Rand der Cargo City Süd. Das ist das ehemalige Air Base Gelände.

Das Feuerwehrübungszentrum hat schon bessere Zeiten gesehen. Vermutlich wird es bald einer intensiveren Flächennutzung weichen, befindet es sich doch direkt an der Zufahrt zur Terminal 3 – Baustelle. Aber belebtere Zeiten hat es wohl noch nie gehabt. Hier befindet sich momentan die Einsatzzentrale für die Polizeiaktion Treburer Wald.
Vorne stehen 10 Wannen aus Nordrhein Westfalen. Die sind also immer noch da. Gebraucht werden sie heute eigentlich nicht. Der ganze Polizeieinsatz mit hunderten Kräften ist im Leerlauf. Offenbar hat man mit einem viel intensiveren Widerstand gerechnet. Aber Trebur ist nicht Hambach. Peinlich für die Polizeistrategen, schmerzlich aber auch für mich. Einen Gesprächsfetzen kriege ich mit: Es fällt das Wort „langweilig“.

Viel Polizei, aber wie komme ich an meine Sachen ? Die sind ja hier bestens bewacht. Da frage ich doch mal die Hessenpolizei. Eine Gruppe Polizistinnen und Polizisten kommt aus einer Halle, ich spreche sie an. “ Materialdepot ? Keine Ahnung. Aber ich frage mal meinen Vorgesetzten.“

Jetzt heisst es wieder warten . Zeit sich umzuschauen. Hinter dem Zaun stehen drei Ryanair-Maschinen. Normalerweise stehen die nicht herum , sondern fliegen pausenlos. Aber jetzt in der Nachsaison braucht der Billigflieger nicht so viele Maschinen. Die Hochzufahrt zum Terminal ist bereits betoniert. Hier am Boden neben mir stehen 5 grosse Paletten mit Mineralwasser. Ein Palettenstapel ist zur Hinweis-Stele zu den Dixies umfunktioniert. Auf den Etiketten der O,5 Liter PET-Flaschen steht „Julimond prickelnd“.

Auf mich überträgt sich die allgemeine Langeweile. Da suche ich mir Gesprächspartner. Einen der Polizisten, der von der Miettoilette kommt, frage ich: Wofür um Himmels Willen brauchen Sie solche riesige Mengen Mineralwasser ? Wer hat denn das geplant ??? Er antwortet: „Wir haben halt Durst“.

Nach einer Viertelstunde kommt jemand. Er gibt eine Zwischenantwort über das Materialdepot. “ Ja, das gibt es.“, Nur müsste man jemand von der Feuerwehr auftreiben, der aufschliesse.

Also weiter warten. Nach einer weiteren Viertelstunde kommt zielstrebig ein Beamter und satgt. „Kommen sie mal mit“ Er murmelt auch etwas von „Mulde“ und „Klobrille“. Also hinterher. Das dauert etwas, weil sich gerade zwei Polizeifahrzeuge aus NRW in der Einfahrt blockieren.

Der Polizist sagt : „Depot ist nicht, die Sachen liegen hier in der Kippmulde. Das Eichhörnchen-Plüschtier ist aber schon gestern abgeholt worden. “

Das Eichhörnchen will ich nicht, ich will meine Sachen aus der Hütte, die wiederverwendbare, 70Euro teure Gross- Dachplane und die Transpis. Der Blick in die Mulde ist ernüchternd: Es liegt kaum etwas drin. Ein Häufchen Schrott, etwas Küchenkram – und auf der anderen Seite tatsächlich eine einsame weisse Klobrille. Vermutlich vom Kompostklo – oder wollte jemand in einem Baumhaus ein Vollklo installieren ?

Immerhin, ein Stoffbeutel mit Sachen aus meiner Hütte ist da. Ich darf ihn mitnehmen. Eine Polizistin verabschiedet sich mit „Auf Wiedersehen“. Sie hat bessere Manieren als ich, der gerade etwas säuerlich aus der Wäsche guckt.

Weiter geht es mit dem Fahrrad an die Autobahn. Hier gibt es einen guten Blick auf das gegenüber liegende Rodungsgelände Es steht immer noch etwas vom Wald. Es wird nicht ganz so einfach, die Bäume entlang der Autobahn zu fällen. Und das Wäldchen hier auf der Cargo-City-Seite steht auch noch. Drüben ist ein Holzlader im Einsatz.

Diesmal biege ich von der Walldorfer Seite in den Treburer Wald ein und will schauen, ob ich parallel zur Eisenbahn nach Zeppelinheim zurück komme. Kein einziger Polizist ist zu sehen, ein paar Fraport Securities sitzen in den Büschen und langweilen sich. Auf dem ehemaligen Camp-Gelände arbeiten die Rodungsmaschinen. Es wäre gerade nicht schwierig, dort hinzukommen. Und das trotz oder gerade wegen des Riesen-Polizei-Einsatzes….

Die Polizei staut sich gerade mit einer Hundertschaft auf dem Waldweg an der Hengstbach-Senke. Ich komme problemlos vorbei und sehe zu, dass ich aus dem Wald herauskomme. Ich werde gleich mal die Rio Reiser CD mit dem Junimond einschieben. November-Blues.


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