Bericht vom Sonntagsspaziergang

Knapp fünfzig Menschen haben heute am Sonntagsspaziergang in den Treburer Wald -oder das, was von ihm noch übrig ist- teilgenommen. Noch immer liegen Trümmer des Camps im Wald, welches ständig von bis zu 50 Fraport-Securities bewacht wird.

Es war eine bunte Demo, auch viele Ältere und Kinder waren dabei. Die Polizei beschränkte sich auf eine Beobachterrolle, so dass wir ohne Kontrollen in den Wald gelangen konnten. Dort wurde das Gelände über den Zaun hinweg in Augenschein genommen. Die Fällungen sind abgeschlossen, die Wurzelrodung steht bevor. Der Bauzaun ist mit einer „Krone“ aus Nato-Draht als Übersteigschutz versehen. Auf der Widderschneise wurde am Tor ein Kuchenstand aufgebaut.

Mehrere Menschen nutzten die Möglichkeit, zu der Versammlung zu sprechen, Vergangenes aufzuarbeiten und für die Zukunft zu planen. Ausdrücklich wurde der Gruppe WaldbesetzerInnen gedankt, die unter sehr schwierigen Bedingungen durchgehalten und ein Zeichen gesetzt haben. Es wurde auch darauf verwiesen, dass der Protest weitergehen wird, hier und auch an anderen Orten- und mit anderen, verwandten Themen. Viele wären aktuell etwa bei den Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht 1938 dabei gewesen. Vierzig Jahre Widerstand seien auch vierzig Jahre Auseinandersetzung mit den kapitalistischen Praktiken von Flughafen AG und Fraport.

Es stelle sich aber die Frage, warum so wenig bürgerlicher Widerstand sichtbar sei. Sowohl am Räumungstag, als auch heute- obwohl für den Spaziergang noch über die Informationskanäle der Bürgerinitiative geworben wurde. Da müsse mehr möglich sein. Deshalb soll nächste Woche nochmals ein Sonntagsspaziergang stattfinden, für den breiter und inhaltlich intensiver mobilisiert werden soll.

Gerade angesichts der immer drängender werdenden Klimaproblematik sei es nötig, wieder mehr in der Oeffentlichkeit wahrgenommen zu werden – als Bewegung aus der Bevölkerung für die Bevölkerung. Das Beispiel Hambacher Forst habe gezeigt, wie ein kreativer und auch radikaler Protest die Politik und auch die Rechtssprechung beeinflussen und auch verändern könne. Wer allerdings darauf setzte, das die Politik seine Anliegen einfach so aufnehme, habe gleich schon verloren.

Gewarnt wurde vor einer neuen Südbahn, welche als nächstes Projekt für eine Optimierung der Betriebsabläufe anstehen könnte. Dann müssten allerdings auch hier Menschen ähnlich umgesiedelt werden wie in den Braunkohlerevieren – wenn sie sich das gefallen liessen.

Bitter war der Nachmittag vor allem für die Menschen aus der ehemaligen Waldbesetzung, die sich zum erstenmal seit der Räumung wieder frei im verbliebenen Wald bewegen konnten. Es zeigte sich auch, dass Fraport immer noch viel Eigentum der Waldbewohnerinnen auf dem Gelände hat. Ein Teil konnte rklamiert und dann aus dem Wald gebracht werden.


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