Es ist höchste Zeit für eine Sägepause

Heute wird der Waldzustandsbericht 2018 vom Hessischen Umweltministerium vorgestellt. Dafür gibt es extra einen Pressetermin im Taunus. Vorab wurde informiert, dass der Wald durch Sturmereignisse, Insektenbefall und insbesondere durch die anhaltende Trockenheit enorm gelitten hat. Es ist an der Zeit, dass nicht nur mehr zum Schutz der Waldflächen, sondern insbesondere zum Schutz des Baumbestandes getan wird. Eine Sofortmaßnahme, welche nicht einmal Aktivität, sondern nur den Verzicht auf eben diese erfordert: Der Beschluss, in den Bannwäldern in diesem Winter kein Produktionsholz einzuschlagen.

Gesunde Bäume, die ein „schlagreifes“ Alter von 80 Jahren und darüber erreicht haben, sollten nicht gefällt werden. Dies aus mehreren Gründen:

Die natürliche Verjüngung ist durch die Extrembedingungen ins Stocken gekommen – oder bleibt ganz aus. Viele junge Bäume sind aus Wassermangel abgestorben. Grosse Bäume mit umfangreichen Wurzeln haben bessere Chancen. Sie sollten stehenbleiben. Gerade jene Bäume, die noch recht intakt und damit als Nutzholz interessant sind.

Es sind viele Bäume für Nachverdichtungs- und Infrastrukturmassnahmen gefallen. Wie zuletzt im Treburer Forst. Es ist ein gewisser Ausgleich, mehr Bäume in unmittelbarer Nähe von Frankfurt stehen zu lassen. Die Ersatzpflanzungen der Fraport zählen hier nicht mit . Zum einen sind dies Jungbäume, zum anderen sind sie oft weitab von der Kernregion gepflanzt worden.

Neben der planmässigen Holzernte haben Stürme grosse Lücken in den Baumbestand gerissen. Werden noch mehr Grossbäume gefällt, leidet die Standsicherheit der verbliebenen Bäume. Sollten Orkanereignisse auftreten, gibt es leider gefallenes Holz genug.

Und vor allem: Die Bäume müssen so lange wie möglich stehenbleiben, weil es angesichts des Klimawandels überhaupt nicht sicher ist, dass jetzt heranwachsende Bäume überhaupt noch eine ähnliche Höhe und ein vergleichbares Alter erreichen können.


Die Forstämter diskutieren zunehmend die Anpflanzung „klimarobuster“ Baumsorten als Ersatz für Buche und Eiche. Diese Ersatzpflanzungen haben aber durchweg nicht die gleich gute klimaregulierende Wirkung wie die derzeitigen Bäume. Klimarobust sind sie ja deswegen, weil sie mit weniger Wasser auskommen und vor allem über ihre Blätter weniger Wasser abgeben bzw. verlieren.
Gerade der Effekt der Feuchtigkeits- und Sauerstoffabgabe erzeugt aber die Klimaregulation und den Temperaturausgleich, auf den wir hier im Ballungsgebiet besonders angewiesen sind.
Zum Erhalt eines guten Regionalklimas sollte deshalb auf die Fällung von Laubbäumen so weit möglich verzichtet werden.

Der wirtschaftliche Ertrag des gefällten Holzes ist gering im Vergleich zu dem volkswirtschaftlichen Nutzen, den intakte Wälder leisten. Deshalb sollte der monetäre Verlust von der Politik kompensiert werden.Die Forstämter müssen bei der Sicherung des Baumbestandes , des Erhalts der Erholungsfunktion des Waldes, des Naturschutzes und dem Kampf gegen den Klimawandel unterstützt werden.

Der Umbau der Forstämter zu Profit-Centern, wie er unter Roland Koch begonnen und seitdem weitergeführt wird, ist zu beenden. Die Forstämter müsen wieder mit eigenem Personal ausgestattet werden, anstatt selbst einfachste Arbeiten ausschreiben zu müssen.

Engagieren Sie sich für einen Fällstopp !


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