Wem gehört der Wald ? Waldspaziergänge im Hambacher Forst gehen weiter

Die monatlichen Waldspaziergänge durch den Hambacher Forst sollen auch 2019 fortgesetzt werden. Das erklärten die WaldführerInnen Eva Töller und Michael Zobel auf dem Waldspaziergang am 11.November. Der Wald sei nur vorläufig gerettet und die Aufmerksamkeit und Wachsamkeit müsse weiter aufrecht erhalten bleiben. Unterdessen ist ein politischer Streit darüber entbrannt, wem der Wald gehört . Die Wiederbesetzung ist akut räumungsbedroht, da die Landesregierung das Hausrecht von RWE umzusetzen gedenkt. Bürgerinitiativen haben zusammen mit einem Teil der BesetzerInnen den Vorschlag gemacht, eine Art „(Baum)Hausordnung“ zu verhandeln, welche für Alle, welche mit und in dem Wald zu tun haben , dessen vorläufigen Schutz als Oberziel vorschreibt.

Ein Video von der Auftaktkundgebung beim November-Waldspaziergang findet sich hier.

Die Frage, wie mit dem Hausrecht im Hambacher Forst umzugehen ist, begann neu Mitte Oktober mit dem Teilabzug der Polizei und dem Abbruch der Einzäunungsarbeiten durch die RWE. Es wurde mit dem Wiederaufbau einiger der alten Baumhaussiedlungen – etwa Oaktown- und der Schaffung neuer Strukturen begonnen. RWE betrachtet dies als Rechtsbruch. Der Konzern sagt,man gewährleiste das freie Betreten des Waldes, möchte aber die Besetzung unterbunden sehen. Die Besetzerinnen argumentierten, die bis zu 10 Millionen Euro teure, natur- und menschenschädigende Räumung sei aufgrund frei konstruierter Behauptungen erfolgt. Nur durch die anhaltende Besetzung in Verbindung mit einer zivilgesellschaftlichen Kampagne sei erreicht worden, das RWE nicht längst vollendete Tatsachen geschaffen habe. Deshalb werde man auch nicht abziehen, da RWE weiter alles daran setze , den Wald roden zu können. Der Konzern dürfe die Kontrolle über den Wald nicht zurückgewinnen.

Aktuell ( Donnerstag,22,November) räumt die Polizei im Auftrag von RWE die Barrikaden, welche den Fahrzeugen von RWE den Zugang zum Wald verunmöglichen. Dazu war am sogenannten „Jesus Point“ ein besetzter Tripod errichtet worden. Zerstört wurden und werden auch sämtliche Bodenstrukturen, also Komposttoiletten, Küchen, wettergeschützte Vorratsräume. Dabei wird jede Menge privates Eigentum vernichtet. RWE lässt auch beschleunigt die leerstehenden Häuser abreissen, welche sie in den Umsiedlungsdörfern aufgekauft hat. Die Hausbesetzungen in Manheim sind sämtlich geräumt.

Das alles vor dem Hintergrund, ihr Eigentumsrecht -am Wald, an den Geisterdörfern- durchzusetzen.
Viele sind aber der Meinung, dass RWE den Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ nicht einhält.

In der Initiative „Buirer für Buir“ entstand die Idee , eine Art Hausordnung für den Hambacher Forst zu entwerfen. Es ginge darum, den Wald so zu schützen, dass die Intention des vorläufigen Rodungsstopps, den das OLG Münster angeordnet hat, eingehalten wird.

Im Kern geht es bei dem Rechtsstreit zwischen dem BUND und der RWE darum, ob eine besondere ökologische Schutzwürdigkeit des Waldes schwerer wiegt als das Recht von RWE auf Nutzung ihres Eigentums- und was das weitergehende öffentliche Interesse ist.

Offenbar gelang es der Initiative auch, einige der BesetzerInnen des Waldes ins Boot zu holen. Es wurde eine Arbeitsgruppe mit „VertreterInnen verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen“ eingesetzt. In der Zeitung „Die Welt“ erschien ein Artikel über das Vorhaben, das sich noch im Diskussionsstadium befindet. Durch die Veröffentlichung wurde es zum Politikum .

Auch den BesetzerInnen ist klar, dass die Auseinandersetzungen mit RWE und Polizei nicht spurlos am Wald vorbei gehen. Es gibt aber keine einheitliche Meinung dazu, wie weit mensch die Vorgabe eines Gerichts zur eigenen Vorgabe oder Vorschrift machten sollte. Und vor allem ob mensch damit anderen Menschen etwas vorschreiben darf. Und man wolle nicht mitverantwortlich gemacht werden für das, was RWE macht.

Eine diskutierte Intention der „Bürge(r)Ordnung“ ist, die Zersiedelung des Waldes unter Kontrolle zu halten. Bei der Anlage von Baumhäusern sei darauf zu achten, das bei einer möglichen Räumung der RWE kein Vorwand zur Fällung der Bäume geliefert wird. Die Entnahme von Totholz soll gestoppt und rückgängig gemacht werden. Das gelte auch für den Barrikadenbau, der nicht mehr nötig wäre wenn RWE draussen bleibt. Es sollte Zonen im Wald geben ,die nicht betreten werden dürfen -das gilt besonders für die Rückzugsorte des Wildes und für die Fledermauspopulation. Es sollten nur solche Leute im Wald leben , welche sich an eine gemeinsame Ordnung hielten und lernbereit seien. Der Hambi sei Symbolort und im Fokus der Oeffentlichkeit, das eigene Verhalten damit keine reine Privatsache. Mögliche Sanktionen gegen Leute , die sich nicht an die „Hausordnung“ hielten, dürften Gegenstand der Diskussion werden.

Einige aus der Bürgerinitiative möchten gerne dem Wald den Status eines Bürgewaldes, eines Lehens -nun an die Bevölkerung- zurück erkannt sehen. In diesem Sinne solle er einen besonderen Status bekommen. Es gab bereits eine Reaktion aus der Landesregierung. Ministerpräsident Laschet Innenminister Reul lehnten eine solche Vereinbarung ab und bestritten, das sie deeskalativ wäre. Sie bezeichneten den Vorstoss als „Aufruf zum Rechtsbruch“. Aus Unrecht entstünde kein Recht .

„Ihr habt echt alle kein Leben, ich bezweifle wirklich das ihr keine Ahnung habt was Arbeit heisst. Ich hoffe, das die Leute in den Bäumen erfrieren damit die Tiere endgültig mal Ruhe vor euch asozialen Aktivisten und einer Partei, die sich Grüne nennen, Ruhe haben.“
Dieser Eintrag fand sich unter Klarnahmen auf der Facebook- Seite der „Buirer für Buir“ . Der Bürgewald ist durchaus auch zum „Bürdewald“ geworden. Die Waldbesetzerinnen und Waldbesetzer stehen unter massivem Druck und öffentlicher Beobachtung..
Nötig wird es sein, die neugeschaffenen Waldbesetzungen kontinuierlich und kompetent zu unterstützen. Auf Facebook schrieb jemand zur Unterstützung: „Am Hambi entscheidet es sich, ob es nach vorn geht oder in den Abgrund“ Der Hambi als Symbolort, das bedeutet genau so massiven Erwartungsdruck aus dem eigenen Lager.

Kämpfen wir dafür das, es ein schnelles Aus für die Braunkohletagebaue gibt. Nach dem sofortigen Atomausstieg.Und ein schnelles Signal, das der Hambacher Wald stehen bleibt. Dann können die verbliebenen Strukturen im Forst als Mahn- und Lernorte dienen. Die Auseinandersetzungen der Klimaschutzbewegung werden weitergehen. Und die Protestwelpen werden so langsam erwachsen.

Zunächst aber einmal gehen die Waldspaziergänge im Hambacher Forst weiter: Nächste Termine sind der 5.12 2018 und der 6.1. 2019. Jetzt im Winter bereits um 11.30 Uhr. Treffpunkt ist das Kieswerk Collas. Sollte es zu einer Räumung der neuen Waldbesetzung kommen, findet am darauf folgenden Sonntag ebenfalls ein Spaziergang statt.


0 Antworten auf “Wem gehört der Wald ? Waldspaziergänge im Hambacher Forst gehen weiter”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


sechs + = neun