Protest gegen Kohlekraftwerk Gutleut in Frankfurt/M

Am Samstag, den 8.12.2018 haben etwa 100 Menschen gegen den Beschluss der Römer-Koalition demonstriert, das Steinkohlekraftwerk bis mindestens 2030 weiter zu betreiben. Der Beschluss wurde im Umweltausschuss von CDU, SPD und Grünen gefasst, ohne ein konkretes Ausstiegsszenario vorzulegen.

Die Demo zog vom Rossmarkt vor die Tore des Kraftwerks, welches im Vollbetrieb täglich 1000 Tonnen Import-Steinkohle aus Übersee verbrennt. Getragen wurde die Demo von Climate Justice Rhein Main. Das Netzwerk hat sich in den letzten Monaten als Unterstützungsbeweguung für die Waldbesetzungen im Hambacher Forst und im Treburer Wald formiert und beschäftigt sich auch mit der Umweltsituation vor Ort. Ebenfalls beteiligt ist das Umwelt-Netzwerk-Rhein Main. Hier sind gegenwärtig insbesondere die Mitglieder Attac Frankfurt und Greenpeace Frankfurt aktiv. Auch das BBI (Bündnis Flughafen-Bürgerinitiativen ) ist Mitglied. Eine stärkere Bewerbung des Termins, den man und frau sich nicht aussuchen konnte – Anlass war die laufende Klimakonferenz- hätte vielleicht noch etwas mehr Beteiligung und Aufmerksamkeit gebracht.

Es ist aber anzunehmen, dass die Demo nur der Auftakt zu einer Kampagne mit dem Ziel der schnellen Abschaltung des Kraftwerks ist.

Dieses besteht seit 1893 und entstand also nur wenige Jahre nach dem Bau des Hauptbahnhofs und zeitgleich mit der Errichtung des Stadtteils Gutleut.
Es ist ein kombiniertes Steinkohle- und Gaskraftwerk. Gas wird vor allem dann eingesetzt, wenn Lastspitzen abzudecken sind.

Es wird Elektrizität im Umfang von 262 Megawatt, aber fast doppelt soviel thermische Einheiten in Form von Heizdampf und Heisswasser, erzeugt.

Kernstück der Anlage sind zwei 1989 errichtete Steinkohle-Blöcke, deren Betriebsgenehmigung bis 2029 reicht. Erst 2017 hat die Mainowa, der Betreiber des Kraftwerks am Standort Gutleut etwa 40 Millionen Euro in die Vernetzung der Fernwärmeleitungen aus dem Steinkohlekraftwerk und den Müllheizkraftwerken investiert.

Die Mainowa ist eine aus den Stadtwerken ausgegründete Gesellschaft der Stadt Frankfurt, die nach kapitalistischen Unternehmensgesichtspunkten agiert. Ähnlich der Fraport. Der Flughafen ist übrigens auch einer der wichtigsten Abnehmer der Fernwärme. Ein Verzicht der Endkunden auf die Steinkohle-Fernwärme wird als eine der Strategien gesehen, die Mainowa schneller von einem Kohle-Abschied zu überzeugen.

Eine Kritiklinie fordert die Umstellung der Grossblöcke auf Gas. Damit könne die CO.2 Belastung durch das Kraftwerk, die bis zu 10 Prozent der Frankfurter Gesamtbelastung ausmache, deutlich gesenkt werden.

Den Austausch eines fossilen Energieträgers durch einen anderen lehnt „Climate Justice“ ab: „Wir brauchen den richtigen, den konsequenten Ausstieg.“

Ein guter Kunde der Mainowa ist auch die Verkehrsgesellschaft Frankfurt VGF, welche mit ihr einen Pachtvertrag abgeschlossen hat. Die U- und Strassenbahnen fahren derzeit zu 50% mit (Frankfurter) Kohlestrom. Da wird der Beschluss, die Diesel-Omnibusse auf der Linie 30 durch Strassenbahnen der Linie 18 zu ersetzen, ausgesprochen fragwürdig. Hier wird die unmittelbare Stickoxid-Belastung gesenkt, um sie gegen andere Belastungen einzutauschen.
Ähnlich kritisch ist damit auch das Frankfurter Elektrobus-Konzept zu sehen. Die Busse selbst sind „sauber“, der Strom, den sie verbrauchen nicht. Die Behauptungen der TraffIQ beim Start der Referenz-Elektrobuslinie 75 im Uni-Viertel über die CO.2 Einsparung sind erst dann halbwegs wahr, wenn es in Frankfurt keinen Energieträger-Strommix mehr gibt.


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