Bundesweiter Warnstreik an Flughäfen

Am Dienstag ruft die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Ver.Di ihre Mitglieder auf, die Fluggastkontrollstellen an einigen der wichtigsten Flughäfen in Deutschland zu bestreiken. Fraport rief im Vorfeld dazu auf, an diesem Tag nicht zum Flughafen zu kommen. Einige Airlines möchten ihre Flüge aber dennoch abwickeln – so bleibt die Informationspflicht, ob der Flug angetreten werden muss oder ob ausgewichen werden kann, letztlich beim Fluggast hängen. Was Fraport auf jeden Fall vermeiden will, sind Konflikte zwischen streikwilligen und streikbrechenden KollegInnen. Das hätte nachhaltige Auswirkungen, die über den Schaden durch den Warnstreik hinausgingen.

Ver.Di fordert einheitlich einen Stundenlohn von 20 Euro für die ca. 50.000 FlugsicherheitsassistentInnen in Deutschland. Dies ist ein Anlernberuf, seit die hoheitliche Aufgabe der Sicherheitskontrollen von der Bundespolizei abgegeben wurde. In einer Phase der Deregulierung haben die Flughafenbetreiber diese Aufgaben durch eigene Kräfte übernommen, sie aber zunehmend von privaten Anbietern eingekauft.

Durch Kampagnenarbeit hat es Ver.Di in den letzten Jahren geschafft, einen relativ hohen Anteil dieser Beschäftigtengruppe bei sich zu organisieren.
Die Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen ist relativ hoch. Verdichtete Arbeitsabläufe , ein hohes Mass an abverlangter Flexibilität und schlechte Personalführung werden als Gründe angeführt.

Im Sommer kam es am Frankfurt zu einem, am Flughafen München gleich zu zwei Vorfällen, wo Passagiere mit potentiell gefährlichem Handgepäck in den Sicherheitsbereich eingelassen wurden und die Abfertigung für Stunden lahmgelegt wurde. Personal ist gerade in den Spitzenzeiten gesucht und knapp.

Die Airlines, insbesondere die Lufthansa, machen massiven Druck auf eine Beschleunigung der Abfertigung und drohen den Flughafenbetreibern mit Abwanderung. Die Absichtserklärung einer Optimierung der Kontrollen hat es sogar in den schwarz-grünen Koalitionsvertrag geschafft.

Es handelt sich um einen Warnstreik – am 24.1. trifft sich die zuständige Tarifkommission erneut. Ver.Di verlangt ein „verhandlungsfähiges“ Angebot, das bis jetzt zum Montagabend nicht vorliegt. Lohnsteigerungen von über 10 Prozent wollen die ArbeitgeberInnen nicht akzeptieren.

Trotzdem könnten die wirtschaftlichen Schäden durch die Streiks mittelfristig teurer kommen als ein Nachgeben.

Auf längerer Sicht dürfte die Verteuerung der Dienstleistung weniger zur (wünschenswerten) Verteuerung der Flughafengebühren pro Fluggast, sondern zu massiven Rationalisierungsbemühungen führen. Im Ideal sollen sich die Passagiere, überwacht und geführt von modernster und individualisierter Sicherheitshard- und -software , selbst abfertigen. Auch aus diesem Grund wird in optimierte Abfertigungsanlagen -etwa im Terminal 3- investiert.

Den streikenden Beschäftigten ist eine grosse Solidarität und ein Erfolg zu wünschen. Es kann nicht sein, das die Arbeit am Flughafen zum individuellen und gesellschaftlichen Armutsrisiko wird. Fliegen darf kein Billigprodukt mit den entsprechenden Nebenwirkungen sein.


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