„Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Menschenwürde“

….meinte einer der streikenden Verdi- organisierten Mitarbeiter mittags auf dem Frankfurter Flughafen. Der war ziemlich leer, und der Unmut der gestrandeten Passagiere, die auf viele kleine Grüppchen verteilt waren, artikulierte sich kaum.

Zur Entspannung trug bei, dass die Sicherheitsschleusen samt und sonders gesperrt waren, So wurden alle gleichermassen nicht bedient. Dabei war durchaus Personal verfügbar gewesen, wenn auch nur in geringer Zahl. Diese MitarbeiterInnen, meist FraporterInnen mit Altverträgen oder -neuen- von der Frasec, wurden im Notdienst an den Transit-Schleusen und an der Personalkontrollen eingesetzt. So konnte die Lufthansa etwa die Hälfte ihres Drehkreuz-Verkehrs abwickeln und das Umsteigen -und auch das Aussteigen- in Frankfurt- gewährleisten.

Die meisten Gestrandeten, die im Flughafen ausharren, waren ChinesInnen.. Sie hoffen, ab zwanzig Uhr, wenn der Ausstand beendet ist, noch wegzukommen. Dann dürfte es deutlich hektischer werden und auch das Nachtflugverbot dürfte wieder einmal wackeln.

Die Streikenden waren meist in kleineren Grüppchen unterwegs. Ver.Di. zeigte sich hochzufrieden, Menschen mit so unterschiedlicher Nationalität und auch Mentalität in die Streikweste bekommen zu haben.
Einer der Streikenden sagten, es ginge ihm nicht nur ums Geld, sondern genauso um menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Die seien nun mal auch etwas teurer. Mit sechs Stunden Arbeit am Stück müsse Schluss sein, eine ordentliche Pausenregelung müsse her. Man wolle auch eine höhere Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit. Nur so sei es möglich, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen und zu halten. Und damit der Unterbesetzung zu begegnen.

Ob es nicht unsinnig sei, bundesweit auch an notleidenden Flughäfen das gleiche Geld zu fordern und diese damit wirtschaftlich weiter unter Druck zu setzen ? Nein, meinte der Beschäftigte, anderswo würde längst mehr bezahlt als etwa in Frankfurt. Und den als Streikziel ausgegebenen „Zwanni“ am Ende zu bekommen sei ohnehin nicht realistisch.

Das Security-Level war sehr hoch. Die Aussentore waren stärker besetzt als normal und auch die Bundespolizei-Präsenz war hochgefahren. Dies erwies sich aber bis in den Nachmittag -abgesehen von einem Einzel-Vorfall am Morgen, als ein Passagier seinen Frust heraus liess- als reine Vorsorge. „Gepflegte, fast schon harmonische Langeweile“ meinte jemand , aber auch: „ich will gerade nicht wissen, was hinter den Kulissen abgeht“.

Viele Airlines, etwa Sun-Express, sammelten ihre KundInnen ein und transferierten sie zu anderen Flughäfen. So war etwa in München durchaus der Flughafen offen, weil nur die hinteren Bereiche bestreikt wurden , nicht aber die Passagierschleusen, welche von der Flughafengesellschaft selbst betreut werden.

Für Fraport dürfte dieser Streiktag aber eine ordentliche Delle in die diesjährige Geschäftsbilanz bescheren, der Umwelt hingegen einen etwas blaueren Himmel. Leider schaffte es die Bahn AG nicht, ihre Präsenz an der Fahrkartenausgabe im Regionalbahnhof hochzufahren.


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