Jagd frei auf RadlerInnen und FussgängerInnen

Elektromobile, wenn sie nicht Gehersatz sind, gehören auf die Strasse und nicht auf Geh- und Radwege. Das sieht die Bundesregierung anders. Als Ergänzung des öffentlichen Verkehrs und als Ersatz für den Autoverkehr möchte sie Radwege für Elektroroller bis 20 km/h und Gehwege auch für Elektroroller bis 12 Km/h freigeben.
Das ist eine Verdrängung der umweltfreundlichsten langsameren Fortbewegungsformen zugunsten von E-Mobilität. Auf den Strassen kann dann der klassische Schwerverkehr mit weiterhin ungeminderter Geschwindigkeit voranpreschen.

Es ist eine Zäsur, dass durch Verkehrsminister Scheuer Radwege für reine Motorfahrzeuge freigegeben werden. Wenn der Bundesrat zustimmt, soll dies bereits im Frühjahr -per Sonderverkehrszeichen- soweit sein. Es sind massive Nutzungskonflikte zu erwarten. Besonders umstritten ist aber die Freigabe von Gehwegen für Elektroroller. Hier muss die Fussgängerin/der Fussgänger künftig mit bis zu 20 km/h schnellen, praktisch lautlosen Ueberholern rechnen.

Hierzulande scharren kommerzielle Verleiher mit den Hufen, welche diese Vehikel in den Städten zum Mietverleih anbieten wollen. Zahlreiche Städte, wie beispielsweise Warschau, haben damit schon negative Erfahrungen gemacht. Grundsätzlich gilt als negativer Effekt der individuellen Elektromobilität, dass Verkehr beschleunigt wird und dass dafür Flächen versiegelt und absolut hindernisfrei gehalten werden müssen. Soll der letzte Fussweg bepflastert und der letzte Waldweg asphaltiert werden, damit die Stromfresser rollen können ?

Sicher gibt es auch positive Effekte durch die Begünstigung der Leichtkraftfahrzeuge. Für „Benzinautos“ wird es um einiges enger werden, und die Elektrospuren breiter. Allerdings setzt die Elektrolobby auf Individualverkehr zu Lasten der jeweils schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen. In Städten, die voll sind wie nie, muss der klassische öffentliche Verkehr Priorität haben, in Verbindung mit der Möglichkeit, fussläufig ein Ziel erreichen zu können. Schon heute schieben viele FussgängerInnen einen Hals: Wer sich auf dem Gehweg bewegt, muss ständig den Hals nach hinten drehen, ob dort nicht ein Bike angeschossen kommt….

Protest gegen das Vorhaben der Bundesregierung organisiert der Verband „Fuss e.V.“