Insektentod durch bakterielle Keule

Dem Wald geht es schlecht wie selten zuvor. Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner finden auf den geschwächten Bäumen ideale Lebensbedingungen. Die Reaktion: Massiver Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Die Folge: Erst sterben die Insekten, dann die Vögel. Nächste Folge: Noch weniger natürliche Fressfeinde für die baumbefallenden Tierchen.

Unter den schütteren Eichen in der Nähe einer Kindertagesstätte fährt ein grosser Traktor auf. Auf seinem Anhänger ist ein Tank und ein ein grosses Gebläse montiert, das wie eine Kanone aussieht. Und auch so wirkt. Mit einem Höllenkrach wird ein Wasser-Gift-Gemisch in die Baumkrone geblasen.

Gift ? Ist doch alles ganz harmlos und nicht schädlich für den Menschen, sagen die Akteure. Der Vorgang findet während der Öffnungszeit der Kita statt. Was hier hochgeblasen wird ist ein in Wasser gelöstes Bakterium, welches von den fressenden Raupen des Eichenprozessionsspinners aufgenommen wird und im Darmbereich des Insekts „toxikologisch wirkt“, also zum Absterben des Tieres führt.

Dumm nur, dass das Mittel auf alle Tiere wirkt, die einen vergleichbaren Verdauungstrakt besitzen. Seit es ausgebracht wird, gibt es im Umfeld der Kita kaum noch Insekten, nicht einmal mehr Mücken. Andere Raupen und ähnliche Eiweissnahrung, welche die Vögel für ihre Brut benötigen, gibt es schon gar nicht. Die Folge: Hungersnot bei den Vögeln.

Es verschwinden aber auch Wanzen und Schlupfwespen, welche die Larven des Eichenprozessionsspinners fressen und seine Population damit im biologischen Gleichgewicht halten. Auch für den Kuckuck ist der Eichenprozessionsspinner ein Leckerbissen, er frisst die Raupe mit Haut und Haaren. Aber während der Eichenprozessionsspinner ein Profiteur des Klimawandels ist, ist der Kuckuck eines seiner Opfer. Er legt seine Kuckuckseier in die Nester von Vögeln, die sich nur in Feuchtgebieten wohl fühlen. Wo es solche noch gibt, kommt er oft zu spät, weil die Brut heutzutage früher beginnt.

Die Grünen plakatieren zur Europawahl süsse Bienen, aber was nötig wäre, um die Insekten zu schützen, das erzählen sie dem Wahlvolk auf ihren Plakaten nicht.
Da müsste erst einmal der dicke New Holland Traktor, der mit seiner Biohazard- Kanone auf Spatz&Co. schiesst, im städtischen Bauhof bleiben. Dessen nette Mitarbeiter müssten die Raupennester händisch entfernen oder abflämmen. Klingt unangenehm und teuer, ist es auch. Dann müsste der boomende Markt von privaten Kammerjägern, welche die Nester in Privatgärten niedermachen, reguliert werden. Die Firmen müssten zu einer ökologischen Vorgehensweise gezwungen werden.

Die grossflächige Besprühung von Waldgebieten mit Insektiziden muss verboten werden. Hessenforst muss wieder Leute einstellen, welche die zahllosen abgestorbenen Bäume einzeln zeitnah herausschlagen. Das klingt unangenehm und teuer – ist es auch.

Seit etwa 1991 ist der Eichenprozessionsspinner in unseren Breiten heimisch. Knapp 25 Jahre sind seitdem um – das sollte eigentlich reichen, umweltfreundliche Strategien zu entwickeln. Wenn wir nicht schneller lernen, ist es um unsere Zukunft schlecht bestellt.

Nachdem aber die ganze Welt jammert, wir hätten immer weniger weniger Insekten, ist es nun aber an der Zeit, etwas für die Insekten und andere Tiere zu tun. Schliesslich sind wir es, die das System aus dem Gleichgewicht gebracht haben.


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