Gegen billige Mobilität

Mobilität ist zu billig. Am Standort zu bleiben ist zu teuer. Das ist eines unsere Verkehrs-Grundübel, welches auch vom Schwadronieren über „grüne Mobilität“ nicht besser wird.

Denn die Grünen drücken sich um eine gesellschaftliche Bewertung , um eine Debatte über den Sinn von Mobilität. Die Grünen machen bei dem Spielchen, welches Mobilität als Selbstzweck setzt, eifrig mit – wenn es sie nichts kostet. Momentan ist es Mode, Wahlgeschenke zu machen- ohne auf die langfristige Finanzierung zu schauen.
Das gilt auch für das „Senioren-Ticket“ in Hessen. Das ist eine Netzkarte für den gesamten öffentlichen Nahverkehr in Hessen für Alle ab 65, die in einer Billigvariante für 1 Euro/Tag (gültig werktags ab 9 Uhr) und in einer Normal-Variante für 2 Euro/Tag angeboten werden soll.

Es verschärft zwei Probleme:
Zum einen das Kapazitätsproblem – wenn die Mobilität billiger wird, wird mehr gefahren- BeobachterInnen rechnen damit, dass die umworbene Gruppe ihre Fahrleistung um bis zu ein Drittel steigert. Und weil es so schön billig ist, gibt es ja auch keinen Grund, das Auto abzuschaffen. Das braucht man, wenn die Züge und Busse unattraktiv oder überfüllt sind.
Zum anderen das Finanzierungsproblem: Viele Seniorinnen und Senioren sind alles andere als arm, haben (etwa aus Sicht der jungen Fridays for Future AktivistInnen) jahrzehntelang aus dem Vollen gelebt und sollten durchaus in die Pflicht genommen werden, den Verkehr der Zukunft mitzufinanzieren, wenn sie ihn nutzen. Zum anderen nützt das Ticket nur dort , wo der öffentliche Nahverkehr heute schon gut ausgebaut ist – und durch den Benutzungsdruck primär weiter ausgebaut werden wird. Dies zu Lasten der Hinterhoflagen, die teuer entwickelt werden müssen, wo der Subventionsbedarf auch bei laufendem Betrieb höher ist. Gerade hier muss eine Umverteilung stattfinden, an der sich auch die wohlhabenderen Seniorinnen und Senioren in den Ballungsgebieten beteiligen müssen. Es ist auch eine Gerechtigkeitsfrage. Wachsende soziale Spannungen unter den NutzerInnen können den öffentlichen Verkehr rasch mehrheitlich unattraktiv machen. Hier sei an das miese Image der New Yorker U-Bahn in den Siebzigern erinnert.

Ein weiterer Öko-Killer sind die E-Roller. Der hessische Verkehrsminister findet sie toll- warum eigentlich ?
Sie substituieren zu Fuss oder mit dem Fahrrad zurückgelegte Wege und führen zu mehr Tempo und mehr Gefährdungssituationen.
Nicht vor Ort erzeugter Strom ist -meistens- nicht umweltfreundlich. Die „Flitzer“ benötigen perfekt ausgebaute Verkehrswege glatt wie ein Kinderpopo. Das Geschrei nach dem Ausbau von Elektro-Mobilitätswegen wird zunehmen, Waldwege müssten asphaltiert und beleuchtet werden. Ihre angedachte Mitnahme in Bussen und Bahnen verschlingt -ebenso wie E-Mofas- viel Platz – der nicht mehr vorhanden ist. Ein Verdrängungswettbewerb zeichnet sich im Verkehr ähnlich ab wie bei der Wohnungsfrage. Beides hängt ja auch eng zusammen, denn „am Standort bleiben“ ist zu teuer…..


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