Fahrradschnellweg eröffnet

„Willst Du hier wirklich stänkern ?“ fragt mich ein Freund, „ich muss mich ja für Dich fremdschämen ! “ Nun, irgendjemand muss den Job übernehmen, bei der Eröffnung des „Fahrradschnellweges“ dafür zu mahnen, dass der Naturschutz nicht auf der Strecke bleibt….

Gerne hätte der Veranstaltungsleiter den Mini-Protest unterbunden. Das liess er dann lieber, das hätte die Aktion aus seiner Sicht wohl auch nur „aufgewertet“. Diese bestand aus Kreidemalereien und einem „Keinen Asphalt in den Wald“ -Banner, auf dem ein Igel seine Borsten in einen MTB-Reifen schlitzt. Wie zu erwarten war , konnte und wollte von der überschaubaren Festgemeinde kaum jemand den Sinn des Protestes nachvollziehen. Einen kleiner Stachel zu setzen und symbolisch etwas Fahrradöl in den bereitgestellten Bio-Cidre zu giessen schien aber wichtig, um auf die möglichen Dimensionen des „historischen Moments“ (Tarek al Wazir) hinzuweisen. Und die sind nicht wirklich grün.

Wer PendlerInnen auf einer 30-Kilometer-Distanz auf das Fahrrad setzen will, setzt auf ausgebaute Direktstrassen, nicht auf Wege.

Der Fahrradschnellweg ist konzipiert für Leichtfahrzeuge einer neuen Generation. Das klassische Fahrrad dient hier nur als Dosenöffner.

Demokratische Wegenutzung – FussgängerInnen und RadfahrerInnen zusammen- funktioniert bei bis zu 15 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Dann braucht es auch keinen Asphalt und keine Beleuchtung in Wald und Flur. Ein engmaschiges Wegenetz ist möglich, welches den motorlosen Verkehr verteilt.

Manfred Ockel von der Regionalpark GmbH und Prof. Jürgen Follmann von der Uni Darmstadt setzen auf „pragmatische“ Baulösungen an einer Planfeststellung vorbei – sprich: auf Deals. So werden neue Strassen heute durchgesetzt – sie können als niedliche, kurvige Wege starten und -aus angeblichen Sachzwängen- als veritable Strassen enden.

Die Fahrradautobahnen werden dort angelegt, wo sich heute noch schnell fahren lässt – in bisher wenig angetasteter Natur. Es müssen Landschaftsschutzgebiete durchschnitten werden.

Die Fahrradautobahnen entstehen primär nicht aus Klimaschutzgründen, sondern um einen weiteren Verkehrszuwachs aufzunehmen – und überhaupt erst zu ermöglichen. Verkehrsreduzierung in den Verdichtungsräumen ist das ökologische Gebot der Stunde, nicht die weitere Ausweitung und Beschleunigung billiger Mobiliät. Das gilt vom Prinzip her selbst fürs Pendeln mit dem Fahrrad ! Verdrängung von Fussverkehr durch Radverkehr (gar mit bis zu 40 km/h) geht gar nicht.

Je „erfolgreicher“ die Strasse genutzt wird , um so umweltbelastender wird sie. Starker Verkehr im Wald ist eine massive Belastung der Natur.

Wer wirklich eine Verkehrswende will, muss die schnelle Elektromobilität auf die Bestandsstrassen bringen anstatt den Verkehr auszudifferenzieren. Die Trennung führt nämlich dazu,dass neben dem „leichten“ Verkehr auch der „schwere“ Verkehr durch Wegnahme von Verkehrsdruck gleichermassen gefördert wird – und die Natur doppelt belastet.

Die Fahrradautobahnen verführen zum Rasen. Bei vier Metern Breite und Überholerlaubnis auf beiden Richtungen gleichzeitig sind schwere Unfälle vorprogrammiert. Die Forderung nach Begradigung und Verbreiterung sind dann die Folge.

Fazit: Eine Freundschaft wurde schwer strapaziert. Der Freund des Schreibers hier musste sich vor Ort eine geschlagene Stunde „fremdschämen“. Etwa als der neue grüne Bürgermeister von Egelsbach als Nachteile des neuen Weges nur die sechsstelligen Kosten für den Gemeinde erwähnte -und der Redner einen Zwischenruf erntete , ob der Weg nicht auch eine Belastung für die Natur darstellen würde. „Mmmh, Flächenversiegelung ist auch ein Nachteil“,ergänzte er daraufhin. Immerhin

Am 23.6. findet zwischen 11 und 18 Uhr ein Bürgerfest zur Promotion der neuen Strecke südlich von Egelsbach statt.


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