Alsterwasser statt Sehring-Brühe

Morgen ist es wieder so weit. Rund um Frankfurt findet die Europäische Meisterschaft im Ironman/Ironwowan statt. Das Ganze dürfte zu einer Hitzeschlacht ausarten, denn wieder einmal schickt uns Frankreich einen Schwall Megaheissluft, aber keinen abkühlenden Regen. Klimawandel als Standortnachteil- das ist mit einem klaren Ja zu beantworten. Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, die Championship an einen Ort mit günstigerem Klima zu verlegen -etwa Hamburg.

Der „Lauf der weggedampften Tränen“ entlang des Mains, wo sich die AthletInnen auf den letzten hundert Metern Richtung Römerberg schleppen müssen, wurde angesichts der erwarteten Brutalsonne angepasst. Er verläuft jetzt mehr im Schatten der Platanen.
Ansonsten kann an der doch recht gesundheitsbelastenden Umweltsituation wenig gedreht werden. Die Veranstalter werden dafür sorgen, angeschlagene TeilnehmerInnen aus dem Verkehr zu ziehen und sicherstellen dass sich mehr Elektrolyte und auch Salze in den angereichten Getränken befinden. Für die Profis dürfte das Tropenklima kein Problem darstellen – wohl aber für die Masse der Amateure.

Das Rhein Main Gebiet ist zu einem der heissesten Orte Deutschlands geworden. Das war früher nicht so, da gab es einen signifikanten Unterschied zum (traditionell wärmeren) Oberrheingraben. Den Unterschied machte die dichte Bewaldung. Ständige Abholzungen und grossflächige Bodenversiegelungen sowie der Rückgang der im Boden gespeicherten Feuchtigkeit haben zu einer Verschlechterung des lokalen Klimas geführt. Ersatzaufforstungen weitab der Ebene nutzen uns nichts.

Die SportlerInnen fahren auf ihrer Radstrecke vom Waldsee Richtung Frankfurt im Hitzestau des Flughafens durch ein vom Kollaps bedrohtes Waldgebiet, wo bis zu ein Viertel der Bäume abgestorben sind. Die Marathonstrecke führt durch Betonschluchten.

Auch der Waldsee selbst ist ein Belastungsfaktor. Die grossflächige Abholzung für den Kiestagebau der Firma Sehring zerstört ein zusammenhängendes Waldgebiet und trocknet die Ränder der Grube aus. Das Wasser im See heizt sich zu einer Brühe auf, die nachts wärmer ist als die Umgebungstemperatur in einem intakten Wald – und führt damit zur Temperatursteigerung.
Mainova , einer der Hauptsponsoren des Ironman, füttert sein LED-Board im Zieleinlauf am Römerberg mit Strom aus dem eigenem Kohlekraftwerk.

Manche behaupten, Klimaschutz unter kapitalistischen Bedingungen und Machtverhältnissen sei nicht möglich. Das mag vielleicht sein, aber der Klimawandel wird nicht zum Zusammenbruch des Wirtschaftssystems, sondern eher zu seiner Dynamisierung führen. Ein Beispiel ist die Entwertung von Produkten, etwa der Dieselautos.
Neue Produkte müssen hergestellt und vom (übervorteilten) Kunden bezahlt werden.

Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf die Standortkonkurrenz. Hamburg hat mit der Nähe zur Nordsee zwar mit vielen Sturmwetterlagen zu kämpfen, aber im Sommer wirkt die See wie eine gigantische Klimaanlage, welche Tropentemperaturen -noch- verhindert. Dann ist es dort in der Spitzentemperatur 5 bis 10 Grad kühler als im Westen oder im -ausgedorrten- Osten.

Deshalb macht es für die Organisatoren durchaus Sinn darüber nachzudenken, das Spitzenereignis an die Alster zu verlegen. Das Rhein Main Gebiet hat es in den letzten 40 Jahren versäumt, der Klimaverschlechterung entgegenzuwirken. Das muss nicht nur Prestige kosten,das kann jetzt richtig fette finanzielle Nachteile bringen. Die Standortlogik, welche immer bei den Flughafenausbauten angeführt wurde (Verkehrsdrehscheibe) , wendet sich nun gegen ihre Propagandisten.

Von dem hiesigen Hitzepott kommt mensch, wenn er nichts gegen das Fliegen hat, prima mal weg – oder kommt erst gar nicht her.


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