So sehen hessische Klimaschutzpakete aus: Teckentrups Flugtouristik bekommt 380 Millionen Euro

Die hessische Landesregierung hat zusammen mit dem Bundeswirtschaftsminister Altmaier ein Rettungspaket von 380 Millionen Euro für den angeschlagenen Ferienflieger Condor geschnürt. Die wollten eigentlich nur 200 Millionen, jetzt erhalten sie über die KfW einen Überbrückungskredit über fast das Doppelte. Ziel ist es , die Condor von dem insolventen Mutterkonzern Thomas Cook abzukoppeln und übernahmefähig zu machen.Einiges -wenn nicht das Meiste-von dem Geld werden die SteuerzahlerInnen nicht wiedersehen. Der Chef der Condor, Ralf Teckentrup, gilt als einer der grössten Einpeitscher des Flughafenausbaus.

Erinnern Sie sich noch ? Im Sommer 2012, auf den Höhepunkten des Landebahn-Protests, stellte Ralf Teckentrup, CEO von Condor, den „Ja zu Fra-Flieger“ vor. Das Flugzeug war neben dem Thomas Cook-Schriftzug und dem „sunny heart“-Logo mit Fotos von zehn „bekennenden Airport-Fans“ beklebt.

Ralf Teckentrup; Mit unserem Ja zu Fra Flugzeug bekennen wir uns weltweit zum Frankfurter Flughafen und unterstreichen die Wichtigkeit dieses national und international bedeutungsvollen Luftverkehrsstandortes“

Ralf Teckentrup ist auch der Meinung, zehn Verkehrsflughäfen würden in Deutschland völlig ausreichen – Das würde Kosten sparen und den Markt stabilisieren. „Airlines , die sich auf kleine Flughäfen spezialisiert haben, sind gescheitert.“ Die bekommen ihre Flieger nicht voll, so Teckentrup in einem Handelsblatt-Interview Anfang des Jahres. Entsprechens setzt Teckentrup auf eine unbegrenzte Erweiterung des Standorts Frankfurt.

Die ständige Expansion des Tourismusmarkts, für den auch Condor steht, stösst aber an Grenzen.
Wirtschaftsexperten rechnen damit, das Tourismusmarkt vor einer Bereinigung oder Konsolidierung steht, wie das euphemistisch genannt wird. Reine Reiseverkehrsveranstalter haben es zunehmend schwer. Profit macht nur noch, wer Reise und Übernachtung integriert in eigener Marke anbieten kann. Das bekommen auch die unabhängigen, mittelständischen Reisebüros zu spüren, die als Vermittler überflüssig gemacht werden sollen und vom Markt gedrängt werden.

Teckentrup im Handelsblatt-Interview : „Wenn die Kleinen und Schwachen aus dem Markt ausscheiden, ist das auch eine Form der Konsolidierung“

Ralf Teckentrup will kein „Kleiner und Schwacher“ sein. Er machte schon in jungen Jahren Karriere bei der Lufthansa-Verwaltung in Frankfurt. Dort war er unter anderem dafür zuständig, gegenüber den Flughafenbetreibern die Interessen der Lufthansa durchzusetzen.
Die Lufthansa brachte ab 1997 ihre Condor-Anteile in die mit Karstadt gegründete neue „CplusN“ Group ein. „C“ steht dabei für „Condor“, „N“ für die NUR-Touristikgruppe, also Neckermann und Reisen. Diese war nach der Neckermann-Pleite an Karstadt gegangen.

Wie aber wurde aus „CplusN“ die Firma Thomas Cook ?

Das altehrwürdige britische Reiseunternehmen Thomas Cook, welches für britische Staatsbürger schon Mitte des 19 Jahrhunderts weltweite Passagen organisierte und einen führenden internationalen Eisenbahn- und Schifffahrtsfahrplan herausgab, gilt als Erfinder der Pauschalreise .Britische Touristen waren schon ganz früh in den 1860ern auf dem Kontinent am Matterhorn. Und zwar mit dem Reisebüro von Thomas Cook. Die gegenwärtige Rückhol-“Operation Matterhorn“ der britischen Regierung bezieht sich darauf.
In den 1990ern war die Reise-Ikone im Zuge der Maggie Thatcher- Entstaatlichungspolitik günstig zu haben und wurde von der Westfälischen Landesbank (WLB) und der LTU Touristik heuschreckenmässig aufgekauft und an die Tochter Preussag weitergereicht.

Karstadt erwarb später das Unternehmen und die „CplusN“ Group machte es -auch aus Imagegründen-zu ihrer Dachmarke.
Aus „CplusN“ wurde also die Thomas Cook AG , und auch Condor war jetzt Thomas Cook. Das honorierten die deutschen KundInnen aber nicht. Bei denen hiess es immer: Condor ist gut, Condor fliegt mit Lufthansa-Piloten. Also musste der Condor-Schriftzug wieder auf die Maschinen.

Die alte Neckermann-“NUR“ Zentrale in Oberursel wurde nun der Mittelpunkt von Thomas Cook AG (später GmbH) Deutschland. Dort bangen aktuell bis zu 2000 MitarbeiterInnen um ihren Arbeitsplatz. Der Standort ist gewachsen, hier werden auch internationale Dienstleistungen für die Dachmarke erbracht. Und wenn das Dach weg ist ? In den Zeiten des Internets und der Selbstabfertigung ist kein Büroarbeitsplatz mehr sicher. Pleiten sind dabei oft das Mittel der Wahl zum Arbeitsplatzabbau.

Condor ging nicht direkt in die Thomas Cook AG auf sondern firmierte weiter als Tochterunternehmen.
Seit dem 1.1.2004 ist Ralf Teckentrup auch im damaligen Interesse der Lufthansa Vorsitzender der Condor Geschäftsführung, gleichzeitig wurde er Mitglied des Vorstandes der Thomas Cook GmbH.

Der Touristikkonzern wollte weiter wachsen und sein Geschäft globalisieren.
2007 fusionierte die Thomas Cook GmbH mit der britischen Reisebürokette „My Travel“ und die neue „Thomas Cook Group plc“ entstand als börsennotierte Dachholding nach britischem Recht. Trotzdem, Thomas Cook blieb eigentlich eine deutsche Firma. Auch wenn sich die mitbeteiligte halbstaatliche Lufthansa zunehmend zurückzog. Die Fusion hat nie wirklich funktioniert. Der britische Zweig baute seit 2007 durch „verpassten Strukturwandel“ einen dreistelligen Millionenverlust auf, der durch Kreditverbindlichkeiten in den Milliardenbereich stieg.

Das Geld, welches Land und Bund jetzt in Teckentrups Unternehmen schiessen, soll wahrscheinlich dazu dienen, sich aus den Verbindlichkeiten der Condor gegenüber der Dachholding herauszukaufen. Und dies, obwohl die Schieflage vom Frankfurter und Oberurseler Unternehmen durch falsche Geschäftspolitik selbst verursacht worden ist.
Geht eine Bäckerei pleite, gibt’s kein Staatsgeld. Für einen in Frankfurt ansässigen Flugtourismus-Konzern schon. Begünstigt wird das Ganze dadurch, dass das Fluggeschäft angesichts der öffentlichen Dauersubvention ohnehin profitabel läuft. Nicht aber der Reisemarkt mit seinen geringen Gewinnmargen und hohen Personalkosten. Ob Oberursel genau so gerettet wird ?

Teckentrups Condor arbeitet schon länger daran, sich von dem Auslaufmodell Thomas Cook abzusetzen: In einem Interview für das Handelsblatt sagt Teckentrup:

„Wer immer uns kauft, kauft also kein Problem, er kann den Wert des Investments vielmehr weiterentwickeln. Das sehen auch die Mitarbeiter so. Ich sage schon seit 20 Jahren zu den Mitarbeitern: Verlasst euch nicht auf einen Firmennamen, verlasst euch darauf, was ihr könnt. Warum gehen andere pleite, wir aber nicht? Das ist die Leistung unseres ganzen Teams.“

Nun, da kann er wohl nicht die persönliche Leistung aller MitarbeiterInnen meinen, für die er Schicksal spielt. Schon gar nicht die, bei denen „Thomas Cook“ und nicht „Condor“ auf der Firmenadresse steht. Viele Menschen, die gut gearbeitet haben, werden in der „Marktbereinigung“ ihren Arbeitsplatz verlieren. Was dem Condor-Boss Zuversicht gibt , ist die Einflussnahme des Aviation-Business auf die Politik. Dabei ist der Flugtourismus , gerade der Warmwassertourismus im Mittelmeerraum, in eine Strukturkrise geraten. Die Reisen wurden immer billiger angeboten, die Kapazitäten ausgeweitet. Schon ein mittlerer Wirtschaftseinbruch – wie in Grossbritannien im Zuge des Brexit- bringt die Branche ins Wanken. Dazu kommt die Klimadiskussion.

Teckentrup baut auf seine gute Vernetzung in Politik und Wirtschaft. Er sitzt auch im Aufsichtsrat von Sixt und der Deutschen Flugsicherung. Er ist führend im Bundesverband Deutsche Tourismunswirtschaft tätig und Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Fluggesellschaften.
Über diese Connections wurde der Flughafenausbau durchgeboxt. Den Preis zahlen -wie im Fall der Air Berlin und der Condor-Pleite- wir alle.


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