Kampf gegen Skischaukeln

„Skischaukel“ hört sich ja eigentlich witzig an -und könnte auch eine Spottbezeichnung sein. Der Begriff „Skischaukel“ ist aber der hochoffizielle Ausdruck für eine Bergbahn- und Liftinfrastruktur, die aus unterschiedlichen Tallagen erschlossene Skigebiete in Höhenlage – wie eine Schaukel- querverbindet. Das ist nicht besonders umweltfreundlich. Was auf der See die Kreuzfahrt, ist im Gebirge der Gletscher-Skizirkus.

Der Widerstand gegen derartige Anlagen wächst. Sie erreichen zum einen extreme Dimensionen , haben zum Anderen einen enormen Flächen- und Energieverbrauch und belasten insbesondere die ökologisch sensibelsten Hochregionen.

Eines der bekämpften Projekte ist die Skischaukel Ötztal-Pitztal in Tirol. Im Zillertal bei Jenbach gab es Proteste gegen illegale Ausbaumassnahmen, deren Betonfundamente wieder abgerissen werden mussten. Das Zillertal gilt heute schon an bis über die Grenze belastet . Immer wieder bilden sich kilometerlange Staus an den den Zufahrten- sommers wie winters. Mayrhofen – über die Inntalautobahn bequem aus Bayern zu erreichen- gilt als ein besonders abschreckendes Beispiel für „overtourism“.

Die Seilbahnen, welche für die Erschliessung der Hochlagen gebaut werden müssen, gelten als sehr energieintensiv. Um die Anlagen zu bauen und später zu unterhalten, muss massiv in die Natur eingegriffen werden. Dazu kommt -wenn es nicht gerade eine Gletscherlage ist- vielerorts die nötige Infrastruktur für Beschneiungsanlagen. Diese decken teilweise Areale bis 100 Hektar ab. Das Zeitfenster, die Betriebsbereitschaft der Anlagen herzustellen, wird immer kürzer und erfordert zunehmend schweren Maschineneinsatz. In Berglage werden Speicherseen angelegt, um flüssige Munition für die Schneekanonen vorzuhalten.

„Mit einer lahmen Liftanlage ist heute niemand mehr zufrieden“ sagt ein Tourismusfachmann. „Der Trend geht zu Spass- und Erlebnisangeboten für die ganze Familie und zwar das ganze Jahr über“. Da reichen auch die althergebrachten Almhütten nicht mehr aus. Laufend entstehen in grosser Höhe neue ausgewachsene Freizeitzentren und Fun-Parks.

Gegen ein solches „Erlebniswelt- Projekt“ gibt es Widerstand am Riedberger Horn im deutschen Allgäu. Ein Investor ,der die insolvente Seilbahngesellschaft aufgekauft hat, möchte 30 Millionen Euro in eine moderne Skischaukel und einen Sommerbergpark stecken. Unter dem Kampfruf „Rettet den Grünten“ demonstrierten vor einer Woche 1100 in rot gekleidete EinwohnerInnen der umliegenden Dörfer. Der Investor rechtfertigt sich, dass seine geplanten Liftanlagen mit Ökostrom anstatt mit den hergebrachten Dieselaggregaten liefen. Das stellt aber von den DemonstrantInnen niemanden mehr zufrieden.

Als 2017 am Wurmberg im niedersächsischen Westharz eine neue Liftanlage in Angriff genommen wurde, gab es gezielte Sabotageaktionen gegen die Bauarbeiten. Das umstrittene Projekt wurde von der Gemeinde Braunlage in Auftrag gegeben, die damit ihren im Schatten des Brocken kriselnden Tourismus ankurbeln wollte. Inzwischen ist es das flächendeckende Waldsterben im Harz, welches den Tourismus bedroht. Tote Nadelwälder lassen kaum unbekümmerte Urlaubsstimmung aufkommen.

Insofern trifft auch die Warnung von ÖkologInnen, die Natur in den Alpen nicht weiter zu zerstören da sie die Grundlage des Tourismus ist, zunehmend auf Gehör.

Auch kleinere Projekte stossen auf erbitterten Widerstand. So in Mönichkirchen im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steyermark. Dort sollen 1,2 Hektar Wald in einem Quellgebiet für 250 neue Parkplätze der dortigen Skischaukel weichen. Die Rodungen sollten gegen geltendes Recht bereits im April durchgezogen werden, wurden aber immerhin bis September verzögert. Auch nach dem Verlust des Waldes läuft eine Petition, die Spitzenzeit- Parkplätze, welche nur an 14 Tagen im Jahr gebraucht werden, zu verhindern weiter.


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