Ein Monat Baumbesetzung Castrop Rauxel

Seit über einem Monat ist jetzt die 250jährige Eiche in Habingshorst/Castrop-Rauxel besetzt. Die Fronten um das Projekt haben sich weiter verhärtet – in Form von Bauzäunen und Betretungsverboten, aber auch in Form des verschärften Durchhaltewillens des einzelnen Besetzers.

Hier ein paar Hintergrundinformationen zu der Auseinandersetzung.

Wo?

Der Ort, wo die Auseinandersetzung läuft, ist Castrop-Rauxel , eine Stadt im Nordosten des Ruhrgebiets. Sie entstand vor etwa 80-90 Jahren aus dem Zusammenschluss unabhängiger Orte, als der Steinkohlebergbau nach Norden vorgerückt war und die Bevölkerung rasant wuchs. Der Ort ist jetzt weitgehend deindustrialisiert . Er ist aber nach wie vor traditionelles SPD-Wahlgebiet. Derzeit stellt die SPD auch den Bürgermeister, im Stadtparlament arbeiten SPD,CDU und FDP zusammen.

Was?

Am Fluss Emscher sollen auf einem Naturgelände, welche bisher als Bevorratungsfläche für eine Friedhofserweiterung gedacht war , auf 3,8 Hektar etwa 70 Ein- und Zweifamilienhäuser entstehen.
Auf der Fläche befinden sich 300 Bäume, z.T. Pappeln, ausgedehnte Wiesen- und Gebüschflächen – und eine solitär stehende , etwa 250 Jahre alte Eiche.
Im Randbereich kreuzt eine 220 KV-Hochspannungsleitung und befanden sich Schrebergärten, die zum Ende des Jahres 2018 gekündigt wurden.

Warum?

Mit ihrem am 4.4.2019 verabschiedeten Bebauungsplan möchte die Stadt zahlungskräftige NeubürgerInnen anziehen und ein attraktives Umfeld bieten.

Wer?

Die Stadt hat das Gelände an die Projektentwicklungsfirma Dreigrund verkauft, einem Investor ,der von der Strickler-Gruppe zusammen mit Töchtern der 2011 insolvent gegangenen Heitmann Gruppe und der Firma Hülscher gegründet wurde. Das sind alles Tiefbau-Firmen. Sie kaufen Geländeflächen, sogenannte Potentialflächen. Das sind oft Gewerbe-Konversionsflächen, die für Wohnzwecke baureif gemacht werden. Dann verkaufen sie die Parzellen gewinnbringend an Bauwillige. Sie treten hier als „Dreigrund Developement „Wohnen an der Emscher“GmbH auf.
Der Slogan ist: „Wir schaffen neue Lebensräume, neue Visionen , neue Begeisterung – so kommt das Neue in die Welt.“

Als der Streit um den Baum eskalierte, soll Dreigrund die Stadt dahingehend unter Druck gesetzt haben, man würde abspringen, wenn der Baum erhalten bliebe, da das Projekt unwirtschaftlich würde.

Und wer noch ?

Eine zentrale Rolle in dem Streit um den Baum spielt neben Dreigrund und dem Stadtparlament der vormalige Aktionskreis- und jetzt Verein- „Rettet die alte Eiche“. Der sammelte seit dem letzten Jahr mehrere Tausend Unterschriften für eine Petition an den Landtag, den alten Baum zu erhalten.
Man startete ein Bürgerbegehren, welches aber von der Stadt wegen formalen Mängeln nicht zugelassen wurde. Eine Klage dagegen wurde vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen abgewiesen. Jetzt ist eine Berufung vor dem OVG Münster anhängig.
Ausserdem versucht man, zwei Parzellen des Baugeländes , auf dem der Baum steht, zu kaufen. Dafür ist ein Status als gemeinnütziger Verein vorteilhaft. Die Dreigrund GmbH will den Baum aber weg haben und ging auch nicht auf Vermittlungsbemühungen des Bürgermeisters ein.

Der Aktionskreis bzw. Verein organisierte Demos und Mahnwachen -auch nachts- an dem gefährdeten Baum. Nach der Baumbesetzung durch den 21jährigen Aktivisti „Hambi Potter“ unmittelbar vor dem Ende fällfreien Periode richtete man ein Basiscamp rund um den Baum ein.

Was hat die Besetzung bewirkt ?

Ohne die spontane Besetzung wäre der Baum mit hoher Wahrscheinlichkeit weg. Unmittelbar vor dem Zeitpunkt, ab dem Fällen erlaubt ist. bewirkte der BUND eine gerichtliche Verfügung, dass bis zum Abschluss des angestrengten Verfahrens, einer Klage gegen Rechtmässigkeit der Fällgenehmigung , nicht gefällt werden darf.

Trotzdem erschienen nachts 40 Polizisten und ein Räumkommando, um den Besetzer zu entfernen. Sie zogen ,nachdem ihnen von den 10 Unterstützerinnen des Besetzers die Verfügung des Gerichts vorgehalten wurde , wieder ab. Am nächsten Morgen erschienen das Ordnungsamt und ein fünfköpfiges Sägekommando im Auftrag von Dreigrund und mussten auch wieder abziehen.

Am 22.10 liess Dreigrund das Gelände einzäunen und lässt seitdem das Betreten als Hausfriedensbruch verfolgen . Hambipotter ist aber weiterhin da ! Jetzt am Wochenende gab es Solibesuch aus dem Hambi. Hambi Potter kritisiert, dass das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit unter das Geschäftsinteresse von Dreigrund gestellt wurde. Die Polizei hatte am 21.10 die Mahnwache am Platz unter dem Baum für aufgelöst erklärt.

Wir wünschen der Aktion weiterhin viel Erfolg . Es gibt mehr als drei Gründe dafür !


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