Jahrestag der Räumung des Waldcamps Trebur

Kürzlich jährte sich die Räumung des Waldcamps im Treburer Forst bei Walldorf. Am Dienstag, den 6.11.2018 hatte um 7 Uhr früh eine durchgeplante Polizeiaktion gegen die Waldbesetzung begonnen, in welche im Mehr-Schicht-System knapp 1000 PolizistInnen eingebunden waren. Ihnen standen etwa 15 Besetzis und knapp 40 Unterstützis gegenüber. Der Räumungstermin war direkt in die Folge der hessischen Landtagswahlen terminiert.

Die Terminwahl war insofern ein Erfolg für die Besetzung, als dass man für einen früheren Räumungstermin offenbar negative Auswirkungen auf dass Aussenbild der schwarzgrünen Regierungskoalition im Landtagswahlkampf für möglich hielt.
Immerhin wandte sich das Camp gegen den Bau des Terminal 3,welchen die Grünen in der laufenden Legislaturperiode abgesegnet hatten.

Im Rückspiegel betrachtet lässt sich sagen, dass die Räumung den Grünen kurzfristig nur wenig geschadet hat, aber der regionalen Klimaschutzbewegung schon etwas mehr. Langfristige Auswirkungen sind da etwas ganz anderes.
Die Landesregierung wusste ziemlich gut was sie an dem Camp hatte, offenbar wusste sie es besser als die FlughafenkritikerInnen und insbesondere die GegenerInnen von Terminal 3. Das Gelände wurde für die Baumassnahmen noch gar nicht gebraucht und lag noch ein Jahr später brach.

Geräumt wurde vor allem, weil man einen subkulturellen „Hotspot“ loswerden wollte, ähnlich wie jetzt beim „Völli“ in Hamburg. Es war ein Ort, der durchaus in die Mehrheitskultur hinein ausstrahlen konnte. Leider sind solche Ansätze, über das Camp den Protest gegen die Flughafenpolitik zu radikalisieren, kaum über Anfänge hinaus gekommen. Anders als im Hambacher Forst. Dort konnte sich die Kampagne aber über Jahre entwickeln.

Es sprach Bände, dass in Frankfurt Polizeieinheiten eingesetzt waren, welche durch das Moratorium im Hambi in Annahmeverzug waren. Hätte es eine Rodung im Hambi gegeben, wären hessische Einheiten in Amtshilfe gekommen….Verhindert schon im Ansatz einen zweiten Hambacher Forst, könnte die Devise gewesen sein.

Die sozialen Strukturen im Treburer Waldcamp waren schwach und verletzlich. Die politischen Strukturen im Prozess zögerlicher Entwicklung.
Es war ein Ort, wo allein der Aufenthalt schon Widerstand war, denn es war durch die Verkehrs- Gift- und Lärmbelastung ein lebensfeindlicher Ort. Wer sich dort aufhielt, musste sich auf einen im Absterben befindlichen Wald einstellen, dessen Bäume unsicher waren und durch den Brutalsommer schon im August die Blätter abwerfen mussten. Heile Welt gab es hier nicht zu sehen. Ein Falldown-Gewitter mit Orkanböen , mitverursacht durch die massive Aufheizung der versiegelten Region, verschonte das Camp um keine zwei Kilometer. Es hätte wahrscheinlich die Zerstörung des Camps bedeutet.
Dies hätte auch das Feuer erledigen können, welches bereits im Juli im strohtrockenen Wald Camp und auch Bäume an den Rand der Zerstörung brachte. Das Feuer wurde nicht zum Anlass einer Räumung genommen – dafür muss auch im Rückblick den zuständigen kommunalen Stellen Dank ausgesprochen werden.

Im Camp gab es viel Freiraum – mit den oben genannten Einschränkungen. Dieser wurde erstaunlich wenig genutzt. Vielleicht war es das Schicksal des Camps, dass es ein Jahr zu früh kam. Die politische Diskussion über die Klimagefährdung durch den Luftverkehr war Anfang 2019 eine ganz andere als zur Gründung des Camps im Januar 2018.
Deshalb auch die These, dass die Landesregierung besser wusste, warum sie das Camp loswerden wollte als die ökologische Szene, warum sie das Camp halten müsste. Leider gibt es derzeit wenig Interesse an einer politischen Kampagne, den Bau des Terminal 3 doch noch zu stoppen. Sie endete weitgehend mit der Räumung des Camps. Bei der 300. Montagsdemo wurde eine Kampagne zum Flugverzicht mit einem Gammelsofa vorgestellt. Gammelsofas hatten wir im Treburer Waldcamp auch. Mit dem Unterschied, dass es hier nicht nur um individuelles Verhalten ging, sondern auch um ein Infragestellung der politischen Verhältnisse. Wir brauchen nicht nur Impulse zur individuellen Verhaltensänderung, sondern auch solche zu einer Veränderung politischer Machtstrukturen. Deshalb sollten die Bürgerinitiativen durchaus überlegen, ob sie-in Memoriam Waldcamp-den Verzicht auf das Terminal 3 wieder auf die Agenda
nehmen sollten. Dies könnte das Vermächtnis des Treburer Waldcamps sein.


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