Glorias Frustrede

Bayern ist das waldreichste Bundesland. Dort gibt es 600.000 private Waldbesitzer. Die meisten sind BäuerInnen. Die grösste private Waldbesitzerin Deutschlands aber ist Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis. Bereits 1978 stiftete ihr verstorbener Gatte, Johannes Fürst von Thurn und Taxis,einen mit (heute) 6000 Euro dotierten Förderpreis für herausragende Arbeiten von Nachwuchs-ForstwissenschaftlerInnen. Die diesjährige Preisverleihung nutzte die Hausherrin zu einer Wutrede gegen die herrschende Meinung zum Klimawandel. Dafür bekam sie Beifall von der rechten Postille „PI-News“.

Glorias Brandrede, welche die 100 anwesenden WissenschaftlerInnen offenbar ungerührt über sich ergehen liessen, beinhaltete laut lokaler Medien:

Die Klimadebatte werde von einem autistischen Mädchen angeführt. Die Diskussion sei entsachlicht und diene der systematischen Irreführung der Bevölkerung – es gehe den etablierten Klimaschützern eigentlich nur darum, ihre politischen Ideologien zu verbreiten. „Es wird suggeriert, dass der Mensch schuld am Klimawandel ist“. Die Wissenschaft müsse alles tun, um den Diskurs wieder zu versachlichen „damit wir nicht irgendwo landen und totale Spinner das Thema beherrschen“.

Uups !-Gloria von Thurn und Taxis gilt als eine der ganz wenigen rechten Punks. Wieso Punk ? Sie gebraucht eine drastische und provozierende Sprache, redet von Gesinnungsdiktatur der Spiesser, die das Kommando an sich gerissen hätten. Dabei ist sie selber eine:

Sie ist bekennende rechtskonservative Katholikin und Mitglied der Lebensschutzbewegung. Sie behauptet, der „menschgemachte Klimawandel“ sei eine der Ersatzreligionen , welche die Menschen davon abhielten in die Kirche zu gehen und mit Schuld daran seien, dass der christliche Glaube schwindet.
Ihre Rede liesse sich wohl mit Der totalste Spinner ist der Eichenprozessionsspinner, oder doch ein Mensch, aber welcher- etwa der, der sich das hier anhört ohne zu mucken ?“ umschreiben..

Leider ist das Ganze eigentlich gar nicht lustig, da sich die Klimaleugner radikalisieren . Und lustig ist die Entwicklung schon gar nicht für den Adel. Denn der (leider,leider wohl wirklich menschgemachte) Klimawandel- bedroht die wirtschaftliche Basis vieler Privatwaldbesitzer. Von diesen sind -aus historischen Gründen- überproportional viele adelig. Neben Thurn und Taxis ist es in Bayern auch die Famile v. Guttenberg. In Hessen zählt das Fürstenhaus Waldeck-Pyrmont dazu , welches knapp 5000 Hektar bis zu 12ojährigen Buchenwald bewirtschaftet.

Von dem Unterschied zwischen Privatwald und Staatsforst bemerkt die NormalbürgerIn nicht viel, da spätestens seit 1919 das freie Betreten gesetzlich gewährleistet ist. Es gibt aber -im Gegensatz zu Frau v. Thurn und Taxis- auch fitte PrivatwaldbesitzerInnen, welche manchmal Natur- und Waldschutzbelangen aufgeschlossener gegenüberstehen als die staatskapitalistischen Länderforstbetriebe. Für „Punk“ ist dort kein Platz und Anlass.

Was momentan voll durchschlägt,ist das grossflächige Absterben der Fichtenbestände -der „Brotbaum“ vieler Wälder- durch Dürre und den Borkenkäferbefall. Selbst der wirtschaftlich solvente Staaatsbetrieb Hessenforst hat vor einigen Wochen angekündigt, aus wirtschaftlichen Gründen die Schadholzbeseitigung herunter zu fahren.

Private WaldbesitzerInnen oder auch finanzschwache Kommunen mit Waldbesitz trifft es noch härter. Viele Holzeinschlagsunternehmer verlangen inzwischen Vorkasse, wenn Schadholz aufgearbeitet und abgefahren wird. Schließlich ist es ja mehr als unwahrscheinlich, dass sich mit dem befallenen Holz Einnahmen realisieren lassen – und darüber hinaus stehen für die Waldeigentümer enorme Kosten für Neuanpflanzungen an. Der hessische Waldbesitzerverband empfiehlt, Douglasie, Roteiche und Küstentanne zu pflanzen und „dafür die ideologischen Scheuklappen abzulegen“.

Übrigens: Der diesjährige T&T-Preisträger heisst Dr. Adrian Danescu, Wissenschaftler an der Uni Freiburg. Ein wenig Sachlichkeit muss auch in diesem
Blogbeitrag sein….. Der Preis ist durch die schrillen Töne von Gloria v. Thurn und Taxis inzwischen jedenfalls ziemlich diskreditiert.


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