Altlasten am Flughafen

Die Fraport hat inzwischen ein echtes Problem: Der recht sorglose Umgang mit dem kontaminierten Erdaushub für das Terminal 3 stösst auf Kritik der Umlandgemeinden. Für Fraport könnte das zu massiv steigenden Baukosten führen…

Wer ein Gebäude errichtet, schaut sich zumeist erst einmal das vorgesehene Gelände an. Was war da früher angesiedelt ? Schlummern da Altlasten ? Ist das Grundstück deshalb so billig zu haben, weil vor einem Baubeginn eine teure und langwierige Bodensanierung ansteht ?

Die Erdbelastung der T 3-Baustelle im Bereich der früheren Air Base Frankfurt ist lange bekannt. Schon allein dadurch, dass dort kontaminierte Grundwasserströme die Aufgabe der Zeppelinheimer Trinkwasserbrunnen erzwangen. Zudem weiss man, dass einiges an Kerosin bei kleineren Havarien in den Boden gelangt ist. Und dass die regelmässigen Feuerschutzübungen mit Löschschaum durch die Amerikaner und durch Fraport zu einem Bodeneintrag von per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) geführt haben.
Die haben die positive Eigenschaft,den Löschschaum zu stabilisieren. Und die negative Eigenschaft, dass sie unter normalen Umweltbedingungen fast nicht abbaubar , wasserlöslich und bereits in geringer Konzentration gesundheitsschädlich sind. Die Inhaltsstoffe sind seit einigen Jahren – im Zuge der Verschärfung der Bodenschutzverordnung- verboten. Zumindest die neueren Löschschäume sind umweltfreundlicher.

Fraport sparte sich eine teure Bodensanierung. Der PFC-verseuchte Boden hätte abgetragen und thermisch behandelt werden müssen. Oder als Sondermüll entsorgt. Da man das nicht wollte, hat man ihn erst einmal auf Halde gekippt, was für eine befristete Zeit rechtlich zulässig ist. Aber wohin damit auf längere Sicht ?
Jetzt hat man erst einmal eine mittelfristige Zwischenlagerung beantragt, in der Nähe der Ortslage Walldorf. Das zieht ein Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durch das RP Darmstadt nach sich. Die Einspruchsfrist hat gerade begonnen.

Was passiert hier mit dem verschmutzten Sickerwasser aus dem Abfallberg und dem Oberflächenwasser der Umgebung ? Ist eine weitere Bodenverseuchung über das bisher betroffene Areal hinaus ausgeschlossen ? Und was passiert anschliessend an die prognostizierte Lagerzeit von ca. 5 Jahren mit der Altlast ? Warum wird die belastete Masse nicht gleich einer ordnungsgemässen Entsorgung zugeführt, denn was soll sich durch eine Zwischenlagerung am Zustand des Materials – und vor allem der Umwelt- bessern ?

Diese Fragen sind nicht befriedigend beantwortet, und so unklar wie der Zustand des Untergrunds ist auch die Informationspolitik. Unklar ist auch die Zukunft des Grundwassers . Eigentlich kann man erwarten, dass Fraport als Eigentümer der Fläche und Rechtsnachfolger der Bundesvermögensverwaltung die Aufgabe der Grundwassersanierung übernimmt.
Anders als etwa beim Tiefbahnhofbau für „Stuttgart 21″ hat man auf ein grossflächiges Grundwassermanagement verzichtet. In Schwaben wird das Wasser im Baustellenbereich abgepumpt und über ein Rohrsystem einem Vorfluter zugeleitet. Das geht allerdings -legal- nur bei unbelastetem Wasser.
In Frankfurt hat man sich für eine „Nassbauweise“ entschieden. Die eigentliche Baustelle wurde mit temporären Spundwänden abgeschlossen und das in der Grube befindliche Wasser – angeblich nach einer Behandlung- ausserhalb der Spundwände dem Grundwasser wieder zugeführt. Es wurde auch unter Wasser mit Spezialbeton gearbeitet.

Fraport ist mit dem Bau von Terminal drei nicht ursächlich für die alte Umweltbelastung, die eine Hypothek für die Zukunft bedeutet und die langfristige Trinkwassergewinnung der Region gefährdet, verantwortlich. Wir gesagt: Mit dem unmittelbaren Bau von Terminal Drei. Fraport ist aber für das verantwortlich, was auf dem Terminal Drei – Gelände geschieht. Deshalb muss man verlangen. dass Fraport das Kontaminationsproblem angeht und sein Gelände saniert, anstatt durch weitere Verbringung der Schadstoffe das Problem noch auszuweiten.
Der Standort des Terminals -stinkt. Die Öffentlichkeit sollte die Veröffentlichung der Parameter der Boden- und Wasserbelastung einfordern Die Forderung nach „Wiederaufforstung der Airbase“ aus den 90ern war gar nicht so falsch. Wer das Gelände nutzen will, muss auch sanieren. Private Bauträger hätten sich das Gelände wohl angeschaut und dann die Finger davon gelassen….


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