Ryanair will gegen staatliche Regulierung vorgehen

Ryanair ist die Fluggesellschaft, für die mit einem Batzen öffentlichen Geld das Terminal drei gebaut wird. Andere haben kaum Bedarf angemeldet, der die Flughafenerweiterung rechtfertigen würde. Wegen Corona gehört das ganze Konzept auf dem Prüfstand. Ryanair hat ein Geschäftskonzept, den Flugverkehr immer weiter aufzublähen und einen unregulierten Kapitalismus der billigen Mobilität zu forcieren. Der ist jetzt in der Krise. Ryanair setzt darauf, daraus gestärkt und unabhängig hervorzugehen – auf Kosten seiner Mitarbeiterinnen und der Umwelt.

Ryanair rechnet aktuell mit 200 Millionen Euro Verlust für das zweite Quartal 2020. Das ist erstaunlich wenig. Es hängt damit zusammen, dass Ryanair wesentlich weniger Verpflichtungen gegenüber seinen Lieferanten eingegangen ist als die Staats-Airlines. Zu den „Lieferanten“ zählen auch die MitarbeiterInnen. Geplant ist die Entlassung von ca. 5000 MitarbeiterInnen. Die Belegschaft zu halten ist eines der Hauptanliegen der Staatsbeihilfen.

Auf diese möchte Ryanair aber bewusst verzichten und im Gegenzug gegen Staatsbeihilfen für die Konkurrenten klagen. Sollte Ryanair solche Klagen gewinnen, stände die Airline mittelfristig optimal da. Ein weiterer Grund der Ablehnung öffentlicher Hilfe ist die Abneigung von Ryanair, staatlichen Einfluss auf die Geschäftspolitik zu erweitern. Eine Wiederverstaatlichung der Luftfahrt soll unbedingt verhindert werden.

In der Zeit geschlossener Grenzen ist das Geschäft von Ryanair, welches zuletzt mit Bildern eines trotz Abstandsgebots bis auf Kante gefüllten Flugzeugs von sich reden machte, mehr als schwierig. Eine Lehre aus Corona besteht darin, Massentransport und Massentourismus künftig herunterzufahren. Deshalb darf auch Ryanair nach der Krise nicht so weiter machen wie zuvor – oder sogar gestärkt daraus hervorgehen.

Wir fordern eine vernünftige Abstandsregel im Flieger, eine Ökoabgabe pro Sitzplatz und ein Ende des Overtourism. Dazu gehört auch eine Bekämpfung von Geschäftsmodellen wie RBNB. Natürlich kostet ein Flug künftig dann einiges mehr. Billig geht die Welt zugrunde, und genau das wollen wir nicht.

Auch der Frankfurter Flughafen hat sich zu bewegen. Rückwärts. Die Bauarbeiten am Billig-Flugsteig „G“ sind sofort einzustellen. Der Flugverkehr sollte schrumpfen statt wachsen. Gegenwärtig zeigt sich, wie sich die Ausrichtung der Region auf die Bedürfnisse der Unternehmensführung von Fraport rächt. Dabei sind die Interessen der Unternehmensführung nicht mit den Interessen der Beschäftigten gleichzusetzen. Momentan ist es das Bedürfnis der Fraport-Unternehmenspolitik die Belastung der Unternehmensbilanz durch unterbeschäftigte Mitarbeiterinnen möglichst auf die Umland-Kommunen und die Solidargemeinschaft abzuwälzen – wenn auch nicht in so krassem Masse wie Ryanair.
Auch für Fraport muss gefordert werden, dass die Untergliederung in Tochtergesellschaften rückgängig gemacht wird und wieder ein unternehmenseinheitlicher Tarifvertrag eingeführt wird. Wie gesagt: Fliegen muss seinen Preis haben, und den dürfen nicht nur Beschäftigte , AnwohnerInnen und die weitere Umwelt zahlen.

Die AnwohnerInnen werden es nur schwerlich hinnehmen, um 5 Uhr vom Krach einer Ryanair-Maschine geweckt zu werden, die den ersten Schwung BilligurlauberInnen nach Mallorca verschubt. Dafür haben sie sich zu sehr an die gegenwärtige relative Ruhe gewöhnt. Aber momentan hat die EU kaum ein grösseres Thema als die Wiederherstellung der Fernurlaubslandschaft.

Die Regierungsbilanz der Grünen bleibt in Sachen Flughäfen grottenschlecht. Nach Kassel-Calden wird jetzt auch Frankfurt zum Verlustbringer. Wäre der Flughafen unter tätiger Mithilfe der Grünen nicht so stark gewachsen, hätte er in der Krise nicht so stark schrumpfen können. Und das Problem, Strukturen wiederherzustellen, die eigentlich überholt sind, wäre geringer. Dann müsste sich Al Wazir auch nicht so um die bestenfalls urlaubsrelevante Condor sorgen, welche die Landesregierung mit der gleichzeitigen Vernichtung einer grossen Zahl von Arbeitsplätzen unter Druck zu setzen versteht.

Ryanair im Besonderen sollte mensch jedenfalls genau beobachten…….