London: HS 2 GegnerInnen tunneln unbemerkt Euston Station

Am Mittwoch begann an der Euston Station in London, einem der verkehrsreichsten Plätze der Stadt, die Räumung einer seit August besetzen Parkanlage. Sie schien ein leichtes Unterfangen zu sein, aber die Polizei hatte sich total verschätzt.

Die Besetzung bestand nämlich nicht nur aus Zelten, Plattformen und Baumhäusern. Die Sicherheitskräfte mussten feststellen, dass sich unter dem besetzen Euston Square Garden ein mindestens 30 Meter langes Höhlenlabyrinth mit zwei Haupttunneln und einigen Verzweigungen befand. Die Anlage war über viele Wochen gegraben worden, ohne dass die Polizei dies mitbekam.

Das Gelände wird für die vorübergehende Verlegung von Infrastruktur zum Bau des Terminals der High Speed Line 2 gebraucht. Das ist eine Hochgeschwindigkeitsbahn, die für 340 Stundenkilometer ertüchtigt die Fahrzeit nach Birmingham um die Hälfte verkürzen soll. Im Stadtgebiet von London soll sie -ähnlich dem Eurostar- im Tunnel verlaufen. Die Bahn wird völlig neu trassiert und führt überwiegend durch ländliches Gebiet. An einigen Stellen, vor allem dort, wo alte Wälder stehen, stösst der Bau auf erbitterten Widerstand. Nach dem Baubeginn im Februar letzten Jahres gab es zahlreicher Protestcamps, etwa in den Cubbington Woods in Warwickshire.

Im August zog der Protest dann öffentlichkeitswirksam in London ein. Am Mittwoch nun ging das Gelände an die HS 2 Gesellschaft über.

Sowohl die Metropolitan Police, die British Transport Police, Network Rail als auch der Camden Council bestritten, für die Versäumnisse beim Nichterkennen der Untergrundarbeiten verantwortlich zu sein.
Das National Eviction Team ist im Einsatz. Es wird mit Bohr, Absaug- und Belüftungsausrüstung gearbeitet – alles Sachen, welche die Besetzis nicht hatten und mit deren Fehlen sie sich selbst gefährden würden, so die Polizei. Sie hätten auch in unmittelbarer Nähe von Gas- und Wasserleitungen gegraben, was die Gefährdung – aber auch die Schwierigkeiten bei der Räumung- steigere.

Die Besetzis haben sich auf eine Widerstands-Spanne von bis zu 14 Tagen eingerichtet. Zwei Tage Verzögerung und grosse mediale Aufmerksamkeit haben sie bereits erreicht. Sie werfen ihrerseits der Polizei vor, besonders in der ersten Phase der Räumung die Tunnelinsassen massiv gefährdet zu haben. Es wundert sie auch, dass die Räumung trotz der gegenwärtigen Pandemie Bedingungen stattfinden darf.

Der HS 2 Protest, der schon über 15 Jahre dauert, ist in Deutschland am ehesten mit dem Stuttgart 21 Protest vergleichbar. Teilweise auch mit dem Widerstand gegen Südlink. Es ist eine Mischung von Konservativen und radikalen Umweltaktivistis. Von manchen Verkehrswendegruppen , etwa auch Plane Stupid, die Verkehr vom Flieger auf die Schiene verlagern will, wird das im Endausbau bis zu 80 Millarden Pfund teure Projekt auch unterstützt.

Bildergalerie im Guardian

Bericht im Lok Report


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