Das Zeit Magazin beschäftigt sich mit Waldbesetzungen

Im Zeit-Magazin gibt es seit vielen Jahren die Rubrik „Deutschlandkarte“. Anhand einer Graphik wird die bundesweite Verteilung statistischer Phanomene untersucht. Beispielsweise, wo in Deutschland am meisten Zeitschriften oder rote Unterhosen verkauft werden. Anfang 2021 waren die Waldbesetzungen dran. Das interessierte natürlicherweise auch diesen Blog.

Es ist erstaunlich, wie lang der Vorlauf und Aufwand für einen nur eine Seite kurzen Beitrag im Zeit Magazin ist. Bereits im Oktober, das Thema Danni lief gerade warm, wurde eine Redakteurin mit der Recherche beauftragt. Die sollte herausfinden, wann und wo es in der Bundesrepublik Waldbesetzungen gab. Dazu wandte sie sich an Robin Wood. Und darüber kam die Anfrage auch bei „Waldbesetzung“ an.

Die Fragestellungen waren : Wo ? Wann und wie lange? Wofür oder wogegen ? und, sehr interessant: Erfolgreich oder nicht ?

Da fielen im heimischen Revier erst einmal die zahlreichen -insgesamt vier – Hüttendörfer auf der Startbahn West -Trasse ein. Dann die Nachfolgebesetzungen im Kelsterbacher und Treburer Wald. Aber da war noch mehr: Etwa das Hüttendorf auf dem Damm der B 8, mit dem der Königsteiner Wald gerettet werden sollte. Und wurde. Es bestand von 1979 bis zur Räumung am Tag nach dem Karry-Mord im Mai 1981. Oder das Hüttendorf „Mainhausen 3″ im Mainhäuser Wald gegen die geplante HIM Giftmülldeponie. Es wurde im Juni 1981 geräumt, aber das Gelände ist jetzt Naturschutzgebiet.
Und dann gab es ja in der Region auch noch Klein- und Kleinstaktionen, wie gegen die A 380 Halle oder das Musikzentrum der Kronberg Akademie.

Bundesweit kamen so insgesamt über 40 Aktionen zusammen. Die Karte wäre ganz schön voll geworden. Besonders, wenn da auch noch vertiefende Informationen eingepflegt worden wären.

Das dachten sich wohl auch die MacherInnen bei der Zeit. Die legten dann ein Auswahlkriterium an welches

-eine mehrwöchige Mindestdauer und
-eine substanzielle politische Bedeutung, öffentliche Resonanz und mediale Bedeutung

enthielt.

Mit letzterem Punkt machten die Zeit-Leute letztlich die Bewertung durch die eigene Redaktion zum Auswahlkriterium.
So kam beispielsweise der „Völli“ gegen die Hamburger Hafenerweiterung ins Magazin aus Hamburg, nicht aber die wichtige Besetzung Lacoma gegen den Braunkohletagebau in der Lausitz 2007. Auch Vorgänge wie Mainhausen und das Naturdorf auf dem Strassendamm in Kelkheim fielen wegen ihrer lokalen Bedeutung raus.

Überhaupt, was ist überhaupt eine Waldbesetzung ? Die Besetzung „1004″ in Gorleben war erst gar nicht auf dem Schirm, weil sie sich selbst als Platzbesetzung verstand. Der Wald auf dessen Grund sie stand war vorher in einem Dürresommer abgebrannt. Aber sie wurde mit Material aus dem Wald gebaut und befand sich im Gorlebener Wald. Und war berühmt und folgenreich, wenn auch nicht direkt erfolgreich. Ist eine Waldbesetzung eine Waldbesetzung , wenn es das primäre Ziel darin besteht einen Wald zu retten – oder nicht, wenn es primär um Projektverhinderung geht ? Die Frage lässt sich auch bei Whyl stellen. Nun: Fast immer ist es eine Mischung. Sie beeinflusst auch stark das Verhältnis, in dem die Besetzis zum Wald stehen.

Auch die öffentliche Relevanz sowie die Wertung sind so eine Sache. Anti-Südlink Besetzungen fallen gerne raus. Und: Letztens gab es Agenturbilder, die aussahen wie aus dem Danni. Sie waren aber aus den Wäldern um Tuzla in Bosnien , wo hunderte obdachlose MigrantInnen vor der EU-Aussengrenze ausharren. Das hat hohe öffentliche und politische Relevanz, ist aber eine Besetzung im Wald und nicht für den Wald. Hier schützt umgekehrt der Wald den Menschen, jedenfalls mehr als im offenen Gelände. Sollte aber auch nicht vergessen werden.
Die Startbahn West Besetzung war sicherlich das Muster einer waldschützenden Waldbesetzung. „Fluglärm verhindern“ stand deutlich hinter“ Ein zusammenhängendes Waldgebiet retten“. Je stärker es aber um das Projekt selbst ging, das mit dem Schutz des Waldes verhindert werden sollte, um so grösser waren die Chancen auch nach der Waldabholzung zu einem erfolgreichen Ende zu kommen. Wenn auch nicht unbedingt für den Wald, wie in Wackersdorf. Dort ist jetzt auf dem WAA Gelände ein klassischer Industriepark.
Was dies für den Danni bedeutet, ob es nach der Abholzung weitergeht, wird sich zeigen.

Hier der Link zur Deutschlandkarte („Wo wurden Wälder besetzt um sie zu beschützen“ ) im Zeit Magazin 2/2021 vom 7.1.2021. Den wertenden (bewertenden, abwertenden?) Beitext hat wohl nicht die recherchierende Redakteurin geschrieben, sondern der Chef der Kolumne, Mathias Stolz.


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