Waldbesetzung gegen Zementfabrik in der Schweiz

Zwischen dem Neuchateler See und dem Genfer See liegt das Mittelgebirge des Schweizer Jura. Dort betreibt der Baustoffmulti Holcim eine Zementfabrik, für die ein bewaldeter Berg zur Kalksteingewinnung weggesprengt und weggebaggert werden soll. Dagegen regt sich schon länger Widerstand und gibt es seit dem letzten Herbst eine Besetzung.

Es ist ein Bild, das keine erläuternden Worte braucht. Die Szenerie spricht für sich. Ein kegelartiger Berg, an dessen Flanke ein grosses Loch klafft. Davor die weiss bestäubten Produktionsanlagen des Zementwerks. Sie wirken wie ein Fremdkörper in der Landschaft- und sind es auch. Es ist zu ahnen, dass es sich bei der Verfeuerung von Müll und Braunkohle in den Brennöfen um eine der grössten CO.2 Schleudern der Schweiz handelt.

Waldbesetzung hat bereits im Sommer einen Beitrag über die Klimaschädlichkeit der Beton- und Zementherstellung veröffentlicht.

Wo liegt diese Besetzung ? Der nächst gelegene Ort ist Eclepens , etwas südlich des Berges gelegen. Dieser ist seit je her für seine Orchideenvielfalt bekannt.
Die Zementfabrik gibt es seit 1953. Aber erst in den letzten Jahrzehnten hat sie sich vom mittelständischen Betrieb zur Grossindustrie entwickelt. Begünstigt wurde dies durch den Bau der nahegelegenen Autobahn Yverdon-Lausanne. Und auch hinsichtlich der Akzeptanz der Umstand, dass viel traditionelles Gewerbe in der Textil- und Uhrenindustrie, aber auch in der Landwirtschaft weggebrochen ist.

Die Besetzung entstand als Nacht- und Nebel Aktion im Sommer, nachdem die üblichen Mittel- Petitionen, Demos, juristische Klagen – weitgehend erschöpft waren. Begonnen wurde sie mit der Herrichtung eines verlassenen Hauses und dem Aufstellen von zwei Tipis. Plattformen in den Bäumen sollen eine Räumung erschweren-

Sie orientiert sich offenkundig an dem Vorbild der ZAD Notre Dame des Landes in Frankreich, weniger am Hambi. Wir befinden uns hier in der welschen Schweiz, wo Französisch die Umgangs- und auch die Amtssprache ist. Seit vielen Generationen wehrt mensch sich hier gegen eine mögliche Hegemonie der protestantisch geprägten DeutschschweizerInnen.
Möglich dass mensch etwa im deutschsprachigen Bern -dort ist es langsam, aber traditionell politisch sehr unruhig- eher nach Deutschland geblickt hätte Viele erinnern sich an das legendäre Camp Chaoticon in der Bundeshauptstadt, oder auch an die Klimaproteste im letzten Sommer.

Kurz vor Weihnachten fand eine Soli Aktion der Autonomen mit Farbbeuteln am Firmensitz von Lafarge-Holcim in Zürich statt .

In der Besetzung am Mormont gibt es grosses Interesse an einem Austausch, was aber durch Corona stark erschwert worden ist. Aber nicht unmöglich. Es gab enge Kontakte mit dem Danni, nicht umsonst gab es dort ja international geprägte Barrios. Aber wegen der erschwerten Mobilisierung arbeitet die Zeit momentan eher gegen die „Orchideen-Besetzung“. Es ist aber zu wünschen dass eine stärkere Vernetzung und Bekanntheit zustande kommt. Eines machen die Besetzis klar: Es kann keine Lösung sein, umweltschädliche Produktionen aus den Industrieländern in ärmere Staaten abzuschieben. Der Protest darf nicht im Widerspruch von lokalen und globalen Interessen stehen.

Links:
Website der Besetzis
Neue Website der Besetzis aus dem Januar
Facebook-Video
Twitter-Seite der ZAD


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