Der WiWa in HH wird angegangen

In den Verdichtungsäumen verschärft sich der Konflikt um die Nachverdichtung. Sollen Grünzonen für den Wohnungsbau geopfert werden ? Was läuft schief, wenn es immer mehr verlassene Dörfer auf dem Land gibt, rund um die Städte aber die Bauwut tobt ? Im Hamburg Wilhelmsburg versucht eine Initiative, den Wilden Wald zu retten, an dessen Stelle 1000 Wohnungen entstehen sollen. Wohl vergeblich.

Es handelt sich hier um einen sogenannten „Pionierwald“ oder auch „Spontanwald“. Der besteht vor allem aus Birken, Pappeln und Brombeergehölz. Das Gelände im Flutbereich der Elbe war nach dem zweiten Weltkrieg , als Wohnraum extrem knapp war, besiedelt und bewirtschaftet. Dann kam die Flutkatastrophe im Februar 1962, die in Wilhelmsburg Dutzenden Menschen das Leben kostete, weil sie im Schlaf in ihren niedrigen Behelfshütten vom Wasser überrascht wurden. Danach gab es strenge Richtlinien an den Hochwasserschutz und ein Deich lohnte sich nicht. Seitdem wurde das Areal sich selbst überlassen. Ein „verwilderter“ Landstrich bildete sich aus.

Seit Dezember 2020 hat sich die Behörde angekündigt. Sicherheitswahrende Baumfällarbeiten sollen in der letzten Januarwoche stattfinden. Dabei ist vor allem die „Rettungsplattform Pappelheim“ im Visier. Die SchützerInnen des Waldes glauben, dass „Sicherheitswahrung“ bedeutet, alle wertvollen und grossen Bäume rauszuhauen. Bäume, die besetzt werden können. „Räumung light“ also. Im Herbst 2019 war noch ein Räumungsversuch abgebrochen worden.

Der Druck auf die letzten Brachflächen ist gross geworden. Und an das strukturelle Problem gehen noch viel zu wenige ran. Die Städte leiden daran, dass die EinwohnerInnenzahl massiv ansteigt, gleichzeitig aber viele Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Folge: Sie verarmen. Lieber arm in der Stadt leben, als arm auf dem Dorf, sagen sich die Leute. Denn dort wo viele Menschen leben, gibt es noch die meisten Chancen auf einen guten Job. Meist in der Dienstleistung, oft auf Subsistenzebene und prekär. Eine Entwicklung, die sich selbst verstärkt. Die BinnenmigrantInnen treffen auf eine Situation, die von Wohnungsmangel geprägt ist. Unter den Verhältnissen leiden besonders die Kinder. „Wohnungsbau gut, Kein Wohnungsbau nix gut.“ Das erzählt besonders die SPD. Entsprechend ist sie auch die Partei, welche Betonwerke und Hochbaufirmen besonders umwerben sollten. Dabei weiss mensch längst, dass verdichteter Wohnungsbau ohne mitwachsene (soziale) Infrastruktur oft mehr Probleme schafft als er löst. Siehe Beispiel „Spessartviertel“ in Dietzenbach, einer sogenannten „Bausünde“ aus den 60er/70ern,. Damals hatte in Hessen die SPD das Sagen. Meist starteten die Verdichtungsprojekte verheissungsvoll, gerieten erst über die Jahrzehnte in eine Abwärtsspirale. Wenn die wirtschaftliche Basis wegbrach. Da wo sich der Müll türmt und Feuerchen im Aufzug gemacht werden, zieht es die Leute weg. Auch in Hamburg-Wilhelmsburg gibt es Gegenden, wo die „Erschwinglichkeit“ daher rührt, dass die Nachbarschaftsverhältnisse so schlecht sind, dass dort kaum wer freiwillig leben will.

Bei dem jetzt avisierten Areal ist das anders. Die Lage des geplanten Spreehafenviertels ist attraktiv und bei der Planung ist an eine soziale Durchmischung gedacht. Aber das alles um den Preis der Vernichtung eines ökologisch wertvollen Naturareals in einer weitgehend versiegelten städtischen Umgebung. Es ist auch wahrscheinlich, , dass sich die soziale Struktur dauerhaft an die Attraktivität der Wohnlage anpasst. Subvention hin oder her. Heute gilt Hamburg eine „grüne Stadt“, durch die der Wind pfeifen kann. Aber wie lange noch ?

Link zur Bürgerinneninitiative „Waldretter“
Twitterseite Wiwa bleibt
Website der IBA Hamburg GmbH über die Planung des Spreehafenviertels
Twitterseite „Pappelheim“ mit Drohnenflug Coverage.
Website des Nabu


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