Baumbesetzung Marburg nach Verhandlungen beendet

In Marburg wurden im Januar mehrere Bäume im Bahnhofsumfeld besetzt. Am alten Lokschuppen sollten sie einem Parkdeck für ein neues Eventzentrum weichen. Der private Inhaber der Immobile und die städtische Grundstückseigentümergesellschaft setzten nicht auf polizeiliche Räumung, sondern auf ein Spitzengespräch beim Oberbürgermeister – mit Erfolg.

Ergebnis der Verhandlungen war, dass die Besetzis nach insgesamt 10 Tagen die Besetzung bis Mittwoch 3.2. 24 Uhr friedlich beenden. OB Thomas Spies betonte, dass Klimaschutz ein allgemeines Anliegen, nicht nur das der Besetzerinnen sei. Damit lobte er indirekt auch deren Engagement.

Die Zugeständnisse der Projektpartner sind eher mager: Das Parkdeck wird an der vorgesehenen Stelle gebaut, die dortigen Bäume gefällt. Es wird einige Gehölze im Parkplatzareal zusätzlich zur bisherigen Planung geben.Über eine Begrünung von Teilen des Parkdecks wird seitens des Architekturbüros nachgedacht. Die Besetzis dürfen auf Kosten der Gewobau auf deren Grundstücken 50 Bäume pflanzen. Am Lokschuppen sollen nach Möglichkeit eine Fahrradverleihstation eingerichtet und die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln soll subventioniert und attraktiver gemacht werden.

Die Kritik, dass hier trotz Klimanotstand Bäume für eine Attraktivitätssteigerung der Anreise mit dem Auto fallen sollen, war Beweggrund für die Besetzung.

Das politische Minimalziel der Besetzung, das Thema Verkehrswende in Marburg auf die öffentliche Agenda zu bringen, sehen die Besetzis erreicht. Es ist also gelungen, etwas Schwung aus dem Danni herüber zu bringen. Praktisch wurde allerdings kaum etwas direkt erreicht, denn es steht den BesucherInnnen wegen künftig üppig vorhandenen Parkplätzen die Verkehrsmittelwahl frei. Der Betreiber fürchtet nicht von ungefähr, ohne Parkplatzangebot die Anlage nicht wirtschaftlich betreiben zu können. Ob wegen der Ausstrahlung der Aktion und den ergriffenen Begleitmassnahmen weniger Leute mit dem Auto anreisen, das wird sich zeigen. Wer bereit ist, sich auf Verhandlungen einzulassen, zahlt erfahrungsgemäss einen höheren Preis, wenn er / sie dann Kompromisse -seien sie noch so dürftig – ausschlägt. Das kann bis zur Belangung mit Räumungskosten gehen.

Die Situation in Marburg war ausgereizt. Es dürfte ein Erfolg sein, ins Rathaus geladen worden zu sein anstatt kalt abgeräumt oder wegen nachlassenden eigenen Kräften oder der Räumungsvermeidung selbst abgezogen zu sein.
Baumbesetzungen sind recht gute Druckmittel. Die Bäume rettet das nicht unbedingt.

Hier der Link zur Seite der Stadt. Die Danni-Seite schweigt sich bisher aus.


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