„Es gibt schlimmere Orte zum Übernachten“

….das war einer der Kommentare zum „fortgesetzten Skandal um den BER“ , der Deutschland seit der Samstagnacht erschütterte. Die Sondermaschine der Katar Air von Berlin nach Doha musste am Boden bleiben. Ursache waren am neueröffneten Flughafen diesmal nicht -wie zuletzt- gefährliche Pannen wie fehlende Isolierungen und Erdungen stromführender Aggregate . Was vielmehr den Kickern und dem Tross der FC Bayern GmbH den Schlag versetzte, war das Nachtflugverbot von 24- 5 Uhr.

Die Bayern kamen nach ihrem gewonnenen Bundesliga-Spiel zwar wie geplant um 22.30 Uhr am Flughafen an, das nutzte ihnen aber nichts. Die Maschine, die sie im Nachtsprung zur Club WM an den arabischen Golf bringen sollte, musste mühsam enteist werden. Sie versuchte es auf den letzten Drücker, meldete sich um 23.57 Uhr startklar. Die Startfreigabe konnte sie nach Erreichen der Position aber erst um 0.03 Uhr beantragen- zu spät.

Der BER hat ein abgespecktes Nachtflugverbot. Die Bayern verlangten wegen der Erschwernisse eine Mund-zu Mund-Ausnahme. Die bekamen sie nicht. Dabei wurde ihnen vielleicht gerade ihre Prominenz, auf die sie auch vehement pochten, zum Verhängnis.

Den Bayern eine Ausnahme zu machen, die anderen nicht gewährt wird, hätte neuen Unmut über den BER bringen können.

Die Bayern tobten, das wäre brandenburgische Bosheit und Intrige. Selbstbezogen wie sie sind. Karl Heinz Rummenigge und Uli Hoeness fauchten : Schon aus nationalem Interesse hätte dieser Start erlaubt werden müssen, weil Bayern in der Welt die deutschen Farben verträte. Ein ganzer Tag sei ihnen geklaut worden. Gefühlt zumindest.

Gibt es den begriff des Ökonationationalismus ? Eigentlich schon, nämlich welches Land im Klimaschutz vorne und welches hinten ist. Aus „ökonationalistischer“ Sicht sollte „Deutschland“ die Teilnahme an solchen Spektakeln nicht fördern. Aber bei dem Thema Klimakatastrophe greifen Nationalismen eigentlich nicht mehr.

Es gibt einige Gründe, warum es sinnvoll wäre, dass die Bayern (nein, nicht nur die…) den Abflug machen. Nach Hause.

Schliesslich ist der Fussball in der gegenwärtigen Coronakrise massiv privilegiert und damit andere benachteiligt. . Vielleicht, weil die Regierung meint, die Männer-Fussball-Bundesliga sei besonders wichtig zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Moral. Wer Fussball glotzt , geht vielleicht daheim feiern, aber nicht plündern.
Allerdings regt sich zunehmend Unmut darüber, dass für die Bundesliga eine Blase aufgebaut wurde, in der sich die Profis sogar mit akkurat geschnitten Haaren zeigen statt des patriotischen Corona-Langhaars oder des „Droste-Gewuschels“.

Das Turnier in Doha im Emirat Katar ist sehr umstritten. Es soll eine weitere Generalprobe für die „Weihnachts-Weltmeisterschaft“ 2022 sein. Und Geld in die Kasse der FIFA bringen.

Katar ist ein ,mit Verlaub gesagt, nicht besonders demokratisch organisierter Staat. Auch Fussballprofis müssen, selbst in der Blase, aufpassen was sie so treiben. Die Wirtschaft baut zudem auf die Politik des billigen Öls. In den 2010er Jahren attestierte die Weltbank dem Land die weltweit mieseseste CO.2 Bilanz pro Einwohner. Im Airline-Geschäft ist das Land erst seit Mitte der 90er,- mit Erfolg. Dabei kommt dem Land neben den Bodenschätzen die günstige geostrategische Lage zwischen Europa, Indien und China zu Gute.

Die Bayern hoben dann nach einer Nacht in den Plüschsesseln des Fliegers um sechs Uhr früh ab. Ihre Wutreden relativierten die dann abreagierten Bosse bei der ersten Pressekonferenz in der Wüste. Wohl auch, weil nicht die ganze Welt mit ihnen mitfühlte.

Katar Airlines hat 2018 die Lufthansa als „Ärmel-Sponsor“ des FC Bayern abgelöst. Die Luftfahrtbranche ist eine feste Grösse bei der Finanzierung der Budgets der Top-Mannschaften. Sie verspricht sich davon Medienpräsenz , ein positives Image und das Erreichen von Zielgruppen, die gerne und exzessiv fliegen.


0 Antworten auf “„Es gibt schlimmere Orte zum Übernachten“”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× zwei = sechzehn