Leipzig: Protest gegen den „lautesten,dreckigsten und klimaschädlichsten Flughafen Deutschlands“

Huch, sind das nicht „wir“ ??, „Wir“ hier sind doch die Nummer eins !!! – Das werden FlughafenausbaugegnerInnen in Frankfurt Main denken. Nun, in der Gesamtbetrachtung gilt das wegen der schieren Grösse von Rhein Main weiterhin. Aber Leipzig produziert pro Fläche , pro Nachtminute, pro Flieger und pro Arbeitsplatz und pro AnwohnerIn mehr Dreck und zumindest nachts auch mehr Lärm als anderswo. Jetzt soll der Flughafen weiter ausgebaut werden. Dagegen wehrt sich Widerstand in den Umlandgemeinden: „Mehr Lärm und Dreck, aber kein zusätzlicher Nutzen für uns, sagt ein Bürgermeister.

Um was geht es?

Der Flughafen Leipzig-Halle ist einer der grossen Profiteure der wirtschaftlichen Entwicklung nach der Wende. Boomte zuerst der Touristikverkehr, entwickelte sich Leipzig in den 2010er Jahren zum Top Logistikstandort. Umfangreiche Ausbauarbeiten am Boden , etwa ein modernes Zweibahnensystem , neue Terminals und Zubringerbauten waren die Grundlage dafür.

Und ganz besonders: Das Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik im Freistaat Sachsen. Die Landesregierung sprach im Zuge des Ausbaus eine Garantieerklärung für eine unbeschränkte Nachtflugnutzung aus. Nur die Grünen und Teile der Linken forderten ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr, nach dem Vorbild des Frankfurter Flughafenprotestes.

Das Frachtfluggeschäft überflügelte zuletzt die Bedeutung von Leipzig-Halle als Passagierflughafen. 60 Gesellschaften fliegen Leipzig an. Grösster Kunde ist die DHL. Aber auch das US-Militär nutzt Leipzig. Es gibt Befürchtungen, dass hier ein Militärdrehkreuz entstehen könnte. Im Jahr 2018 wurden 1,22 Millionen Tonnen Luftfracht umgeschlagen, so dass Leipzig auf Branchenprimus Frankfurt/Main aufholt. Nun reichen die Bodenkapazitäten nicht mehr aus.
Es läuft ein Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung des Vorfelds von 58 auf 97 Hektar. Damit soll mehr Kapazität geschaffen und perspektivisch eine Verdoppelung ermöglicht werden. Das gilt vor allem für die Nacht, der Nachtflugbetrieb gilt als grosser Standortvorteil für die Logistiker. Angedacht sind 50% mehr nächtliche Flugbewegungen bis 2028. Schon jetzt nimmt die Anzahl der besonders lauten Grossraumflugzeuge zu. Im reinen Frachtfluggeschäft sind sie oft rentabler zu betreiben als kleinere Einheiten.

Widerstand nicht nur im Umland-“Speckgürtel“

Die Umlandkommunen, auch Leipzig, wehren sich gegen den Ausbau. In Ortschaften wie Thallwitz und Markkleeberg regt sich schon länger Widerstand. Es kam jetzt zum Ende der öffentlichen Auslegung der Planfeststellungsunterlagen zu offenem Protest, darunter auch zu Aktionen am und im Terminal. Die besonders betroffene Stadt Leipzig fordert wegen aus ihrer Sicht fehlerhafter und unvollständiger Unterlagen eine Wiederholung der Offenlegung.

Beim Betreiber des Flughafens , einer Tochterfirma der vom Land gesteuerten Mitteldeutschen Flughafen AG, und seinen Nutzern ist man bereit, über Lärmobergrenzen zu reden . Was nicht in Frage käme, sei ein Nachtflugverbot. Das würde den Staat Sachsen in enorme Schwierigkeiten wegen Schadensersatzforderungen bringen. Aber nicht nur ihn. Auch die sächsiche Justiz würde düpiert, welche die Knebelverträge abgesegnet hat.

Die Forderung nach einem Nachtflugverbot und einer ökologisch- und regionalschützenden Besteuerung ist aber die einzige Chance, die Luftwirtschaft in Leipzig zu zähmen. Die Grünen formulierten: „Wir wollen nicht der billige Jakob unter den Flughäfen sein“. Kürzlich wurden vom Bündnis der FluglärmgegnerInnen bei einer Demo von 60 Leuten 7500 Unterschriften übergeben. Sie sind vernetzt über „Zukunft Leipzig“ ( was auch ein Vorbild in Rhein Main haben dürfte..) Die Landesregierung hat jetzt mit Hermann Winkler einen Regionalbeauftragten für die Flughafenentwicklung eingesetzt und damit auf die wachsenden Proteste reagiert. Er wird aber von den BIs wegen Parteilichkeit weitgehend abgelehnt.

Links:

Wikipedia Flughafen Halle Leipzig

Dossier Ausbau Leipzig des MDR

Sächsischer Landtag: Protokoll Anhörung zur Forderung der Grünen nach Nachtflugverbot

Protestaktionen Anti Lärm Bündnis You Tube Video

Website der Bürgerinitiative IG Nachtflugverbot und Website Fluglärm Leipzig


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