Eiche statt Leiche

….das steht mit Edding geschrieben auf einem der vielen zum Abtransport bereit liegenden Baumstämmen im Langener Stadtwald. Mehrere hundert teils hundertjährige Buchen und Eichen hat Hessen Forst während der kurzen Frostperiode schlagen lassen. Wenn es schon bald wieder heiss wird, werden sie bitter fehlen.

Eigentlich sollte mensch annehmen, dass Menschen ein gewisses Mass an Vernunft und Pragmatismus mitbringen. Gerade wenn sie an gehobener Stelle in der Forstbehörde oder im Umweltministerium sitzen. Welches ja von einer grünen Politikerin, Priska Hinz , geführt wird,- die auch für die Bilanzen von Hessenforst zuständig ist. Und dann ist da ja auch noch die grüne Task Force für den Klimaschutz, Martina Feldmayer.

Und was ist jetzt passiert ? Das Forstamt Langen hat mehrere Hundert 80-12o Jahre alte Eichen -und ganz besonders Buchen- zur Fällung freigegeben. Und das auch noch in den besonders sensiblen und belasteten Waldabteilungen östlich des Langener Waldsees. Geschlagen wurden „natürlich“ durchgehend die noch besonders intakten Bäume, denn nur sie erzielen Gewinn. Bäume, die völlig ohne Schadbilder sind, gibt es allerdings schon seit Jahren nicht mehr.

Aus der Sicht der Förster ist das nichts besonderes. Die Bäume hätten nun mal ihre Schlagreife erreicht.

Für uns ist das schon etwas besonderes. Denn diese Bäume werden wegen des Klimawandels so nicht mehr nachwachsen, was auch das Forstamt bestätigt, wenn mensch es mal inoffiziell befragt.
Die alten Buchen sind also -im wahrsten Sinne des Wortes- unersetzlich.

Die Bäume, welches das Forstamt nachpflanzen lässt, sollen klimaresistent sein. Das heisst nichts anderes, als dass sie an die steigenden Temperaturen angepasst sein sollen. Das sind vor allem mediterrane Sorten. Sie sehen schön aus, können aber lang nicht so gut das , was die gute alte Buche kann: Das Klima regulieren.

Wie lange ist es her, dass wir Anfang Mai durch dunkle Buchenwälder ziehen konnten ? Die Anemonen gerade verblüht, der Bärlauch verbreitet seinen moddrigen Geruch und hier und da sind die ersten Maiglöckchen da. Also runter auf den Boden und den Duft einsaugen….

Und jetzt ? Immer weniger grosse Buchen ragen aus dem Niederwald-Einerlei heraus. Das kann die Buche nicht ab, solitär stehen. Sie verbrennt. Es gibt nämlich kaum einen anderen Baum, der eine so grosse Blattoberfläche bietet wie die Buche. Das heisst auch, dass sie ausreichend Wasser benötigt, welches sie bei Hitze in enormer Menge verdunstet. Der Effekt: Sie senkt dabei die Waldtemperatur. Das trägt zu ihrem eigenem Schutz bei – und zu unserem.

Fällt jetzt Hessenforst Buchen in grösserer Zahl, fallen sie zur gegenseitigen Beschattung und zur Temperaturregulierung aus. Das belastet die noch vorhandenen Bäume. Ein Domino-Effekt setzt ein, an dessen Ende die Entwaldung steht. Zumindest das Ende des Waldes , wie wir ihn kennen.

Jetzt muss man sich fragen: Warum macht Hessen-Forst das dann ? Die Antwort ist ganz einfach: Weil die Politik, voran unsere Hessen-Grünen, das in den Wirtschaftsplänen so vorgegeben haben. Hessen-Forst soll Geld verdienen um seine Planstellen möglichst umfassend zu refinanzieren. Vielleicht geht die Initiative , Bäume zu Geld zu machen, auch von der Stadt Langen aus. Der gehört ein Teil des Waldes, den Hessen Forst hier bewirtschaftet.

Natürlich muss man sich fragen, warum Langener Förster oder Försterinnen so etwas mitmachen, genau so wie sie öffentlich keinen Finger für den Stadtwald rühren, der zunehmend von Sehring weggebaggert wird. Zivilcourage ist von Forstleuten seit Roland-Koch-Zeiten, als die kleinen, bevölkerungsnahen Förstereien verschwanden, nicht mehr zu erwarten. Auch nicht wenn die Dienstherrin Grüne ist, eine Partei die ja immer davon redet, dass Demonstrieren und auch Remonstrieren für die Zivilgesellschaft wichtig sind.

Der Ball geht an die Politik. Die könnte den Schwachsinn, wertvolle Buchen für einen Schleuderpreis zu verhökern, der nur einem Bruchteil ihres volkswirtschaftlichen Wertes als aktive Klimaregulatoren entspricht, sofort stoppen. Wenn sie denn wollte. Landauf, landab werden „Ausgleichsmassnahmen“ für Bodenversiegelung und Waldfällungen durchgeführt. Oftmals mehrfach an der gleichen Stelle für unterschiedliche Massnahmen, und meist fernab von der Stelle wo Natur vernichtet wird. Die Ausgleichsmassnahmen erfolgen meist dort, wo es wirtschaftlich nicht weh tut, wo also noch viel Natur vorhanden ist.
Warum sollte es also nicht möglich sein, die Buchen und Eichen bei Langen stehen zu lassen und die verlorenen Einnahmen aus dem Einschlag aus den Abgeltungstöpfen zu kompensieren ?

Auch das Forstamt Langen hat inzwischen begriffen, wie wichtig PR-Arbeit ist. Nach dem Downburst, der sicher nicht vom Himmel gefallen ist, hat sich in Dreieichenhain bei Langen ein Verein „Waldfreunde“ gegründet. Der will die vom Sturm und auch der Dürre verwüsteten Flächen durch eigene Arbeit mit Setzlingen wieder aufforsten. Das Forstamt stellt dabei personelle Hilfe und Know How zur Verfügung.

Was aber nutzt das Engagement, wenn durch Fällung der klimarelevanten alten Bäume der Erfolg der Neuanpflanzungen in Frage gestellt wird und zudem nichts an den regionalen Ursachen der Waldzerstörung -der Aufheizung durch immer mehr Versiegelung, welche auch Starkwindereignisse fördert- getan wird ?


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