Ohrenekel in Egelsbach

Egelsbach ist die Boomtown-Kommune im südlichen Kreis Offenbach. Es ist schön grün hier und es gibt Platz für schicke neue Familienhäuser. Hier ist ein tolles Vereinsleben, das NeubürgerInnen integriert. Vom grossen Flughafen hört mensch nur ein fernes Grummeln und die Startbahn West Abflüge finden trotz neuer kurzer Amtix -Route meist viel weiter statt, nämlich in grösserem Abstand über Weiterstadt.

Wenn da nicht der eigene kleine Flughafen wäre….

Der gar nicht so klein ist. In Egelsbach ist es geschäftiger und in letzter Zeit viel lauter geworden. Hier befindet sich der angeblich grösste Verkehrslandeplatz Deutschlands.

Der hat sich traditionell auch manche Aufgaben mit Rhein Main geteilt. Wenn Demo war und wir an der Startbahn West standen, konnten wir gut die Anflüge auf die Parallelbahnen beobachten. Und immer wenn da eine Cessna oder ein eleganter kleiner Lear Jet einschwebte, kam aus irgendeinem Mund der Ruf: „EGELSBACH !!!!!“. Soll heissen: Soll doch die Flugsicherung die kleinen Hüpfer nach Egelsbach umleiten anstatt nach Frankfurt, wo es schon zu viele Flugbewegungen gibt.

In Egelsbach ist es während des Lockdowns jetzt aber zu mehr Flugbewegungen gekommen als zuvor – also genau die umgekehrte Entwicklung von Frankfurt. Das hängt damit zusammen, dass in Egelsbach viel nichtkommerzieller Flugbetrieb stattfindet. Zudem hat sich beim Ausfall zahlreicher Linienflüge einiges auf den Gelegenheitsverkehr mit kleineren Maschinen verlagert, die traditionell Egelsbach anfliegen.

Betroffen -und das auch tendenziell von Amtix- ist vor allem der Stadtteil Bayerseich. AnwohnerInnen beschweren sich: „Am schlimmsten ist es am Wochenende. Da kommen die kleinen Maschinchen im Minutentakt. Klein, aber laut – wie Motorsägen. Wir werden mit Luftlärmmüll überworfen “. Und dann sind da noch die Hubschrauber. „

Viele Menschen, die ein Kleinflugzeug der „Foxtrott-Klasse“ besitzen, wissen es im Lockdown mehr zu schätzen und auch zu nutzen – gilt es doch als eigengesundheitsfreundliche Alternative zu anderen Freizeitaktivitäten. Der Mindestabstand zu anderen Menschen wird statt auf 1,5 Meter da schon mal locker auf 1,5 Kilometer ausgedehnt.

Dire Bewohnerinnen von Egelsbach betrachten die Verlärmung über ihre Köpfe hinweg als Egoismus. Es ist dabei aber zu hoffen , dass sie künftig nicht zu oft in den Urlaubsfliegern ab Rhein Main sitzen, die andere Leute verlärmen .

Das soll kein Statement für die kleinen Lärmschachteln sein. Im Gegenteil. Aber ein Statement, das Problem Fluglärm weiter zu fassen, wenn die eigenen Argumente nicht auch nur als „egoistisch“ dastehen sollen. Und verschobener Krach kommt leicht zurück. Denn durch die Nordumfliegung Darmstadts namens „Amtix“ gibt es Lärm obendrauf, wenn auch nicht so viel wie in Erzhausen und Messel.

Die in Braunschweig ansässige Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung kennt sich in den Feldern und Wäldern rund um Egelsbach viel besser aus als rund um den Frankfurter Flughafen. Der Egelsbacher Flugplatz liegt bundesweit weit vorn bei der Zahl von Abstürzen und anderen Zwischenfällen.

Der Bürgermeister von Egelsbach sieht seine Hände gebunden. Es gäbe eine vertraglich vereinbarte Obergrenze von 100.000 Flügen im Jahr, gegenwärtig seien 75.000 erreicht. Er appelliert aber an eine gewisse Einsichtnahme und Selbstbeschränkung der FlughafennutzerInnen , wenn es nicht zu Gegenmassnahmen kommen soll:

„Ich halte es für bedenklich, dass die Freizeitaktivitäten einiger weniger zur Belastung von Gesundheit und Wohlergehen werden“, sagt Bürgermeister Tobias Wilbrand. Er fordert, dass die Lärmbelastung pro Flieger bei den Landegebühren stärker berücksichtigt wird.


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