Ohrensausen in Obertshausen

Wenn es denn so sei, dass der Flughafenwiderstand in Rhein Main mit dem Kampf gegen neuen Fluglärm an- und abschwillt, so ist demnächst wieder mehr Dampf im Kessel zu erwarten. Der Grund: Ab dem ersten März geht die Südumfliegung Offenbach ( bei Westwind) und die Südumfliegung Mainz ( bei Ostwind ) in den ganztägigen Probebetrieb . Bisher wehren sich die Magistrate betroffener Kommunen wie Neu Isenburg, Heusenstamm oder Rüsselsheim. Da es ab Montag vielerorts lauter werden sollte, sind auch BürgerInnenproteste zu erwarten.

Worum geht es ?

Es geht um die Einführung des ILS Segmented Approach. Das heisst so viel wie instrumentengestützer in Zonen aufgeteilter Landeanflug. Im üblichen und eigentlich besten Fall werden der Flieger schon gut 50 Kilometer vor dem Touchdown auf einen Leitstrahl geführt. Das Dumme daran ist, dass dieser direkte Landeanflug über die Innenstädte von Hanau, Offenbach und Mainz führt. Diese sollen mit dem neuen Verfahren südlich umflogen werden, der Flieger geht erst erst weniger als zehn Kilometer vom Ziel entfernt auf die Anfluggerade.

Populär ist das bei den Piloten nicht und es vermindert auch die Kapazität, da grössere Abstände eingehalten werden müssen. Die Fluglärmkommission möchte aber das gegenwärtige verringerte Aufkommen zu einem Grossversuch für den Alltagsbetrieb nutzen. Auch bisher gab es schon Versuche. Etwa mit dem Steilanflug mit etwa 4,5 Grad Einflugwinkel. Das erwies sich als sehr unangenehm. Es gab auch bisher schon ein Anflugverfahren mit „Segmented Approach“. Das war aber GPS- und nicht instrumentengestützt . Die Anwendung geschah nur in der ersten Stunde der gesetzlichen Nacht sowie bei Verspätungen nach 23 Uhr. Sie war überdies freiwillig.

Die Proteste in den von der Verlagerung betroffenen Kommunen gehen dahin, dass Lärmverschiebung keine Lösung sei. 100.000 Menschen seien von Neuverlärmung betroffen. Das Übel müsse nicht verschoben, sondern verringert werden. Etwa durch eine Beschränkung der Flugereignisse.

Da muss mensch sich aber fragen, warum der Protest der Kommunen gegen Segmented Approach so stark ist, nicht aber gegen den Bau des Terminal drei. Das soll ja gerade die Kapazitätserweiterung und damit mehr Lärmereignisse bringen. Geht es doch nur darum, den Lärm dort zu lassen wo er ist ?

Auch befinden sich die protestierenden BürgermeisterInnen in einem Dilemma. Die meisten haben die Strukturpolitik ihre Gemeinden längst auf den Flughafen ausgerichtet. Dessen Vorteile nutzen, die Nachteile fern halten. Das will auch Offenbach, dass durch die Lage in der Einflugschneise in diesem Machtspiel bislang auf der VerliererInnenseite ist.

Neu Isenburg wäre vor allem in der Ortslage Gravenbruch betroffen, das voll überflogen würde. Man befürchtet auch, dass der Osten der Stadt, wo gegenwärtig die Entwicklungs- und Erschliessungspotentiale liegen, verlärmt werden würde. Eine breitere Streuung des Lärms hätte für die Stadt, die im Norden und im Westen schon heute bei Anflügen und Starts auf der Südbahn stark betroffen ist , massiveNachteile.

Andererseits fördert Neu Isenburg die Anbindung flughafenaffinen Gewerbes und promotet mit dem Bau der Regionaltangente West eine umsteigefreie Direktanbindung des Flughafens. Dies aus dem zu entwickelnden neuen Osten der Stadt.

Verschieben nützt nichts. Weder das Verschieben von Lärm, noch die Verschiebung und Akquirierung von teils fragwürdigen Gewerbesteuerquellen. Denken wir nur an die Condor, die einst in Kelsterbach eingezahlt hat, dann in Frankfurt (Airport City) und jetzt in Neu Isenburg. Nun, viel zahlen dürfte sie momentan nicht, da sie an der Kreditlinie des Bundes hängt.
Wir brauchen einen Rückbau des Flughafens auf seine wesentlichen gemeinwirtschaftlichen Erfordernisse und eine bundesweite Verkehrsrahmenplanung. Das alles spricht nicht völlig gegen Segmented Approach, aber 100 Prozent gegen ein Billigflugterminal im Süden des Frankfurter Airports.

Links:

Offizieller Wutbrief aus Heusenstamm

Offizieller Wutbrief aus Rüsselsheim

Mitteilung des Forums Flughafen und Region über die offizielle Begründung des Verfahrens


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