Dicke Luft am Flughafen

Das Bundesumweltamt hat eine Studie veröffentlicht, die aussagt, dass die Feinstoffbelastung durch den Luftverkehr nicht primär in der Luft, sondern am Boden stattfindet. Das ist ein bisschen damit vergleichbar wie eine Automotor im Leerlauf zu betreiben. FlughafenanwohnerInnen sollten die Studie zum Anlass nehmen, mehr Schutz vor den schädlichen Auswirkungen einzufordern. Und wo das nicht geht: Die Verursacher zu drosseln oder abzustellen.

Hier der Link zur aktuellen Studie.

Allerdings sind die Forderungen und Folgerungen, welche vom Umweltamt aus der Studie gezogen werden, irritierend. Sie sind schon weitgehend erfüllt. Bereits heute werden die Maschinen auf längeren Distanzen am Boden weitgehend geschleppt und das Kerosin ist soweit optimiert, wie es den Motoren zuträglich ist.

Genau hier ist aber der Punkt: Dieselbetriebene Fahrzeuge – Kerosin ist ja eine Art Diesel- können nur beschränkt sauber sein. Motoren müssen gewartet, hochgefahren und auf Betriebstemperatur gebracht werden. Der Augenblick, wo Vollgas gegeben und der Start eingeleitet wird, lässt sich ohnehin nicht verschieben. Nur abstellen.

Kosmetik-Massnahmen, wie eine Umstellung der Bodenflotten auf Elektroantrieb ändern am eigentlichen Problem der Flugzeuge nichts. Die Flugzeuge werden noch über Jahrzehnte nicht umweltfreundlich zu betreiben sein. Sie werden weiter dafür mitverantwortlich sein, dass das Flughafenumfeld geschädigt wird.

Seit vielen Jahren machen wir die Feststellung, dass in den Hauptwindrichtungen rund um den Flughafen die Absterberate von Bäumen und selbst von Büschen besonders hoch ist. Daran dürfte nicht nur die Klima-, sondern auch die Schadstoffbelastung durch den Airport beteiligt sein. Wenn diese in Bodennähe besonders hoch ist – unter anderem auch die von Schwefel und zahlreichen bodenversauernden Substanzen – kann dies nicht ohne Auswirkung auf die Ökosysteme bleiben.

Dies soll noch einmal eine Aufforderung an die Landesregierung sein, den Bau des Terminal 3 solange einzustellen, bis in zukunftsfähiges Konzept für einen Ökoflughafen erstellt ist und ein besserer Schutz der AnwohnerInnen -nicht nur vor Lärm, sondern auch vor gesundheitsgefährdenden Feinstäuben- gewährleistet werden kann.
Das ist nicht zu viel verlangt. Sollte die Landesregierung nicht auf solche Aufforderungen reagieren, sollte ihnen vor Ort Nachduck verliehen werden. Partikelfilter-Masken für eine Demo vor dem Bautor haben wir ja genug.

Zum anderen müssen wir vermehrt einfordern, dass der Wald rund um den Flughafen als Schadstoffbarriere massiv ertüchtigt wird. Zuallerst bedeutet dies, auf strukturell schädliche Eingriffe zu verzichten . Das gilt sowohl für den Kiesabbau als auch für die weitere Zerschneidung durch Verkehrswege. Hier sind die neue ICE-Strecke, die S-Bahn Beule Walldorf, Autobahnverbreitungen der A 3 und A 5 als auch der Neubau asphaltierter und beleuchteter Radschnellwege zu nennen. Radfahren geht umweltfreundlicher ohne Beton.
Auch die weitere Bodenversiegelung für Gewerbe- und Wohnbauten muss gestoppt werden. Ein Rückbau von Startbahn West und der Nordwestbahn wäre hilfreich, um wieder grössere zusammenhängende Waldflächen zu schaffen.
Ebenso ist dem Wald in der Region neben dem Bannwald- auch der Naturwaldstatus zuzuerkennen – nicht obwohl, sondern weil er so kaputt ist. Geld verdienen lässt sich mit ihm schon jetzt kaum mehr. Es wird nicht reichen, auf Wirtschaftsfällungen zu verzichten. Damit künftige Bäume noch eine Chance haben, ist über eine Bewässerung zur Hebung des Grundwassers nachzudenken. Etwa durch die Wiederanlage von Feuchtzonen.

Vielleicht kommen ja bald irgendwelche Flughafenleute auf die Idee, wir bräuchten aus Umweltgründen eine weitere Südbahn. Dann würden die klimaschädlichen Rollwege zum Terminal 3 kürzer.


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