Forstamt Langen reagiert auf Kritik an Buchenfällungen

Im Januar und Februar dieses Jahres wurden im Bereich des Forstamts Langen massiv Buchenbestände eingeschlagen – oftmals regelrecht im Roundup, kaum ein Baum blieb blieb stehen. Grosse Holzstapel an den Wegen alarmierten die Öffentlichkeit. Die Wogen in den sozialen Netzwerken gingen hoch.

Auch in diesem Blog wurde berichtet.

Jetzt hat sich der (neue) Leiter des Langener Forstamtes, Melvin Mika, zu dem Vorwurf, seine Behörde würde für Geld den Wald ausräumen, geäussert und ihn zurückgewiesen. Zusammen mit dem Langener Revierförster Manfred Schröpfer gab er der Regionalzeitung „Offenbach Post“ ein Interview. Das Forstamt Langen umfasst 10 Revierförstereien und betreut 15900 Hektar Wald.

In eigener Sache:

Das Verhältnis vom Waldbesetzungsblog zum Forstamt Langen ist nicht ungetrübt. Vorgeworfen wurde vom Blog immer wieder mangelnde Transparenz der Behörde, Wirtschaftslastigkeit in seiner Geschäftspolitik und Mängel bei der Öffentlichkeitsarbeit. So argumentierte das Forstamt lange Jahre, die Fällung erntereifer Buchen müsste sein, damit junge Bäume Licht zum Nachwachsen hätten. Das mag ja sein, dass diese jungen Bäume aber wohl keine Buchen mehr sein würden, das erzählte man nicht. Das hätte ja die Akzeptanz der Buchenfällungen vermindert.

Da gab es auch die kleine „Pfützen-Affaire“, als der Langener Revierförster diesem Blog „Fake-News, die eigentlich verfolgt gehörten“ unterstellte. Mitglieder des BUND hatten als Reaktion auf den hier erschienenen Beitrag beim Forst nachgefragt.

Ausverkauf international

Schlag-Zeilen machte das Forstamt auch vor knapp über fünf Jahren, als der Langener Förster eine Tranche Buchen-Rundholz an einen Käufer abgab, der diese nach China exportierte. Er fuhr mit LKWs in den Wald, die mit Überseecontainern beladen waren. Diese wurden dann mit den Stämmen befüllt. Hintergrund: Üblicherweise gehen die China-Container ab Hamburg oder Rotterdam leer nach Fernost zurück. Entsprechend niedrig sind die Frachtpreise für diese Relation, was eine günstige Kalkulation des Holzes ermöglicht. Nur blöd, dass der Förster den (damals noch) prächtigen Buchenbestand im Koberstädter Wald stets als „Unser Tafelsilber“ bezeichnet hat.

Viele geschädigte Bäume

Von der einstigen Schönheit ist von Jahr zu Jahr weniger übrig. Entsprechend wütend reagieren die Leute, wenn sie sehen, dass weitere Bäume umgehauen werden. Es sind fast ausschliesslich Buchenstämme, die am Wegrand liegen. Die Koberstadt ohne Buchen – ein Alptraum.

Forstamtsleiter Melvin Mika und sein Revierförster Manfred Schröpfer argumentierten im Interview:

-“Wir befolgen die Vorgabe von Hessen Forst, keinen gesunden Baum zu ernten“

„Wir markieren und fällen nur die Bäume, die todgeweiht sind“

„Wir machen nur Gefahrenfällungen, damit wir den Wald für die Öffentlichkeit zugänglich halten können“

Das klingt alles sehr plausibel. Aber da ist noch eine Hintertür. Da ist ein Trick, doch noch zu Wirtschaftsfällungen zu kommen. Auch wenn es deutsche Fichte ist, die momentan in den USA am meisten Geld bringt – auch für gesunde Buche ohne Weissfäule wird gut bezahlt. Buchenholz hat fast das Aussehen von Tropenholz, das inzwischen ja mehrheitlich tabu ist.

Forstamtsleiter Mika macht da einen Kniff – gesunde Bäume darf er nicht fällen, aber es ist ja so gut wie keine Buche mehr wirklich gesund. Also kann er Stämme „retten“, die nur ein bisschen krank sind und die er jetzt noch verkaufen kann, im Falle weiterer Hitzesommer aber nicht mehr.

Das klingt dann im OP-Interview so:

„Manche Bäume, die wir fällen, sind auf Augenhöhe noch gesund, in der Krone aber bereits krank – unten vital, oben fällt schon Totholz raus.“ Deshalb fälle man sie jetzt – den Sommer würden sie ohnehin nicht überleben.

Das ist schon eine etwas merkwürdige Einstellung. Eine Buche, die keinen Weissfäulebefall und keine geplatzte Rinde hat, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch länger überdauern.
Wenn es das Forstamt mit seinen eigenwirtschaftlichen Überlegungen ist, welches die „Gesundheit“ der Bäume befundet, dann ist eine Betrachtung unter dem Aspekt der Klimawirksamkeit nicht gegeben. Genau die ist aber die Vorgabe des Umweltministeriums – oder doch die „schwarze Null“ in der Bilanz der Fällaktion, die mehrheitlich ja nur Brennholz liefert ?

Perspektivwechsel nötig

Die Forest Stewardship Zertifizierung (FSC), welche Langen ja lange Zeit nicht wollte, nützt wenig. Die Landesregierung sollte den Langener Stadtwald und die Koberstadt als Naturwald ausweisen, in dem kommerzielle Fällung untersagt ist. Und Kiesabbau so wie so.
Die 1000 Euro -oder sind es noch weniger ?- welche ein Buchenstamm abwirft, sollte der Försterin/ dem Förster ersetzt werden. Je mehr Geld gibt es , je länger die Lebensprognose für den Baum ist . Vielleicht sagt dann der Förster beim nächsten Pressetermin nicht mehr: „Dieser jetzt gefällte Baum hätte den Sommer nicht überlebt“ sondern: „Dieser Baum kann dem Buchensterben noch gut zehn Jahre trotzen“.


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